Formel 1 - Kolumne - Massedämpfer

Die Lehren des 6. WM-Laufs

Große Yachten, viele Meetings, hübsche Frauen, falsche Parkplatzwahl und der Joker als Topmodell: Die Formel 1 lernt in Monaco nie aus.
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Die Lehre vom Donnerstag

Wer am Wochenende vor dem Monaco GP dem DTM-Saisonauftaktrennen in Hockenheim einen Besuch abstattete, bekam es mit einem ganz seltsamen Zeitparadoxon zu tun: "Heute ist Donnerstag", hörte man an mehreren Stellen im Fahrerlager, und zwar am Freitag. Durch den neuen Zeitplan ohne Trainings am Freitag, wurde der Freitag zum Aufbautag - sprich Donnerstag. Kaum reiste man einige Tage weiter in der Zeit, schien sich die Zeitschiene umzudrehen: In Monaco wurde plötzlich am Donnerstag statt am Freitag gefahren. Also hieß es bereits am Mittwoch: "Heute ist offiziell Donnerstag." Sprich: Pressekonferenztag. Der Motorsport lebt eben in einem kuriosen Raum-Zeit-Kontinuum - aber auf jeden Fall scheint immer Donnerstag zu sein.

Die Lehre vom Motor

Fünfter Sieg im sechsten Rennen, noch dazu der dritte mit dem gleichen Motor. Norbert Haug könnte so glücklich sein, wenn die hellen Siegerautos Silber statt Weiß wären. Aber sehen Sie in unserem Motorsport-Magazin.com F1-Satire-Video selbst...

Die Lehre vom Fürstentum

Jeder kam mit einem Ferrari vorgefahren und dann kam jemand mit einem Käfer vorbei und war der große Held.
Nick Heidfeld

Egal ob am Donnerstag, Freitag oder Samstag, für Nick Heidfeld versprühte Monaco in diesem Jahr nicht den Flair der vergangenen Jahre. "Es sind viel weniger Leute da, gibt viel weniger Trubel und Action", sagte der ehemalige Wahl-Monegasse. "Früher standen Menschentrauben vor der Tip Top-Bar, F1-Leute gemischt mit normalen Fans, jeder kam mit einem Ferrari vorgefahren und dann kam jemand mit einem Käfer vorbei und war der große Held."

Die Lehre vom Nachholbedarf

Ausgerechnet am Donnerstag verlor Sebastian Vettel viel Abstimmungszeit, die er auch am freien Freitag nicht aufholen konnte - schließlich durfte nur über Datenausdrucken gebrütet, aber nicht gefahren werden. "Es wäre gut, wenn wir bei der GP2 mitrollen könnten", meinte Vettel. Das wäre eine gute Generalprobe für die vielen F1 einstiegswilligen GP2-Teams gewesen...

Die Lehre von den Treffen

Der Ferrari war da, doch wo ist der Käfer? - Foto: Sutton

Vom ersten bis zum letzten Tag wurde in Monaco diskutiert. Ein Meeting jagte das nächste. Die FOTA traf sich untereinander, Max Mosley traf sich mit der FOTA, Bernie Ecclestone führte Einzelgespräche, die Teams trafen sich mit Max Mosley. Es schien keine Yacht und kein Motorhome im Fürstentum zu geben, in dem kein Meeting abgehalten wurde. Wahrscheinlich ging es gar nicht so lange um die Zukunft der Formel 1, vielmehr wollten die Teambosse nur den großen Motorhome-Test machen und überall das gute Essen ausprobieren.

Die Lehre vom Topmodell

Fast schon traditionell wechseln die F1-Piloten am Freitagabend ihren Rennanzug gegen einen feinen Zwirn und die Rennstrecke gegen den Laufsteg. "Das war ähnlich wie auf der Strecke: Jenson Button war ganz klar die Nummer 1", analysierte Kai Ebel die Fashion Show. "Lewis Hamilton hat einen schönen Kontrast gesetzt und Sebastian Vettel wirkte ein bisschen wie der Joker." Allerdings nicht, weil er sein Gesicht weiß bemalte und Fledermäuse jagte. "Er passte nicht so richtig dazu, hat es aber mit unheimlich viel Lausbuben-Charme und viel Freude wettgemacht." Gegen die Anziehungskraft der Reifenstapel half aber selbst Vettels Charme nichts.

Die Lehre vom Sichtschutz

In den letzten 15 Runden hatte ich ein Problem mit meinem Sitz und bin im Auto hin und her geschossen wie ein Schluck Wasser.
Nick Heidfeld

Nicht nur im Renault-Motorhome wurden während eines der vielen Teamchefmeetings die Fenster verhängt. Bei Red Bull wurde von Mittwoch an ein menschlicher Schutzwall vor das Heck des RB5 gestellt - kein Fotograf und kein gegnerischer Spion sollte einen freien Blick auf den neuen Doppel-Diffusor von Adrian Newey erhaschen. Dumm gelaufen, dass Vettels Auto nach seinem Unfall am Kran über die Strecke schwebte und freie Sicht auf den kompletten Unterboden bot.

Die Lehre vom Stühlerücken

Nick Heidfeld ist raus. Das war die Meinung einer großen deutschen Boulevardzeitung vor dem Rennwochenende. Er selbst wusste davon ebenso wenig wie sein Boss Mario Theissen. Dennoch wackelte sein Sitz in Monaco gewaltig: "In den letzten 15 Runden hatte ich ein Problem mit meinem Sitz und bin im Auto hin und her geschossen wie ein Schluck Wasser", klagte er. Nicht besser erging es Rubens Barrichello. "Im zweiten Stint wurden meine Sicherheitsgurte locker, ich hörte sie aneinander schlagen." Bislang beklagte er sich noch nicht, dass dies bei seinem Teamkollegen nicht der Fall gewesen sei und dies nach Stallregie rieche...

Die Lehre von Rocky

Der Kran entlarvte Red Bulls neuen Doppel-Diffusor. - Foto: Sutton

Monaco und Hollywood gehören zusammen. Das dachte sich auch Lewis Hamilton auf seiner erfolglosen Aufholjagd vom Ende des Feldes. "Ich habe an einen der 'Rocky'-Filme gedacht, wo er sagt: 'Ich will nur das Ende des Kampfes sehen'." Das Ende des Rennens hat er gesehen, allerdings nicht ohne einen Niederschlag im Qualifying und einen Beinahe-KO bei einer Kollision mit Nick Heidfeld. Vielleicht hätte er sich von George Lucas ein anderes Drehbuch schreiben lassen sollen...

Die Lehre vom Parken

Warum kam Jenson Button zu Fuß aufs Podium? Ein Defekt nach der Zieldurchfahrt? Ein Grund zur Disqualifikation? Nein, er hatte ein ähnliches Problem wie Michael Schumacher im Qualifying 2006 - er war auf Parkplatzsuche. Statt auf der Zielgeraden bei den anderen Podestbesuchern zu parken, folgte er dem Gruppenzwang der anderen Fahrer in die Box. Gestört hat es ihn nicht wirklich. "Ich dachte, dass sie mir die Richtung zeigen würden, aber so machte ich ein Spektakel daraus und rannte die Gerade entlang. Es ist unglaublich, wie viel Energie man hat, wenn man die Ziellinie überquert hat, aber irgendwie war es auch ein bisschen peinlich." In Monaco passte es aber perfekt ins Klischee.


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