Formel 1 - Hintergrund

Vatertag im Fahrerlager

Die Rennfahrerväter und ihre Söhne - das ist nicht immer leicht, für beide Seiten. Vor allem dann, wenn die Väter große Namen haben. Eine Vatertagsgeschichte.
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Motorsport-Magazin.com - Wissen Sie, dass heute Vatertag ist? "Der volkstümliche Vatertag wird in Deutschland am christlichen Feiertag 'Christi Himmelfahrt' gefeiert, dem zweiten Donnerstag vor Pfingsten", steht zumindest auf Wikipedia, der freien Enzyklopädie geschrieben.

Im Fahrerlager der Formel 1 kann man nicht nur die Piloten, sondern zuweilen auch deren Väter antreffen. Johannes Klien kümmert sich rührend um die Karriere seines Sohnes Christian, wie er das auch zuvor in den Nachwuchsklassen getan hat. Keke Rosberg versucht, seinem Sohn Nico Ratschläge zu geben. Ebenfalls anzutreffen sind die Väter von Anthony Davidson oder Jenson Button. Und manchmal sind auch die alten Herren von Rubens Barrichello oder Michael Schumacher vor Ort.

Dass die Väter der Rennfahrer ihren Söhnen direkt vor Ort die Daumen drücken - das war auch früher schon der Fall. In den alten Tagen war der Vater von John Surtees im Fahrerlager anzutreffen, später auch jene von Emerson Fittipaldi, Elio de Angelis oder Derek Warwick. Meistens jedoch waren diese Väter stille Beobachter, die einfach nur als Zuschauer vor Ort waren. Schwieriger ist die Situation für Vater und Sohn, wenn der Vater ebenfalls Rennfahrer war oder gar noch immer aktiver Motorsportler ist. Noch schwieriger wird es, wenn die Väter große Namen innehaben. Dann kann es schon einmal ein bisschen problematisch werden...

Nelson Piquet in der ersten Phase seiner F1-Karriere. - Foto: Sutton

Weil der Rennsport früher um einiges gefährlicher war, mussten so manche Söhne quasi im Geheimen ihre Karriere starten. Niki Lauda kann ein Lied davon singen. Manche Söhne mussten gar unter einer Art "Decknamen" ihre Motorsportkarriere starten.

Nelson Soutomaior war der Sohn eines brasilianischen Arztes und Kongressabgeordneten, spielte wie sein Vater super Tennis und wurde von seinen Eltern nach Amerika geschickt, um dort Volkswirtschaft zu studieren, wie sich das für einen Politikersohn gehört. Doch der Bursche interessierte sich für Motorsport - als er nach Brasilien zurückkehrte, stieg er in den Kartsport ein - allerdings, um die öffentlichen Interessen seines Vaters zu wahren, unter dem gekürzten Namen seiner Mutter, die Kröger-Piquet hieß.

Nelson Piquet ist heute ein ehemaliger Formel 1-Weltmeister und gehört zu den Rennfahrervätern - sein Sohn Nelson Jr., eines von sieben Kindern, welche Piquet mit vier bis fünf Frauen zeugte, gehört zu den "Weltmeistersöhnen". "Wenn einer meiner Söhne in die Formel 1 will, werde ich ihn mit aller Kraft unterstützen", sagte Piquet schon vor einigen Jahren. Jetzt fehlt nur noch der letzte Sprung, der Junior fährt bereits GP2 - der als manchmal recht schwierig bekannte Piquet Sr. hat sich auch schon heftig aufgeregt in punkto Sohnemann und Formel 1...

Der schwierige Vater

Der Jungspund hatte im Vorjahr eine recht schwierige Saison in der GP2, man habe aber mit Formel 1-Teams verhandelt, diese hätten aber keine Garantien abgeben wollen, beschwerte sich der Vater gegenüber Autosprint: "Wir haben mit verschiedenen Teams über einen Testfahrerposten gesprochen, aber die Forderungen waren nicht akzeptabel. Sie wollten keine Kilometeranzahl garantieren, sprachen niemals vom Fahren und forderten immer nur die Verfügbarkeit des Fahrers."

Nelson Piquet Jr. in der GP2-Serie. - Foto: Sutton

Zudem hätte sich sein Sohn gleich für sechs Jahre vertraglich binden müssen - da platze dem Vater die so genannte Hutschnur: "Unter diesen Voraussetzungen sagte ich allen, dass sie sich verpissen sollten."

Der aufbrausende Vater

Natürlich wollen Väter stets nur das Beste für ihre Söhne. Dabei ist es manchmal schwer, die Fassung zu wahren. Nigel Mansell hat erst unlängst gezeigt, wie schwierig das sein kann. Mansell, der in der Grand Prix Masters-Serie ein unglaubliches Comeback als aktiver Rennfahrer gab, begleitete am vergangenen Wochenende seinen 17jährigen Sohn Greg, der in der britischen Formel BMW antritt, zu einem Rennen in Brands Hatch. Der Sohnemann kollidierte mit einem Konkurrenten - Mansell Senior und der Vater des Konkurrenten sahen sich gemeinsam die Kollision auf einem Monitor an...

Nigel Mansell kann als Vater recht aufbrausend sein. - Foto: Sutton

Offiziell war es ein Rennunfall, doch Vater Mansell hielt das nicht davon ab, den jungen Konkurrenten und auch dessen Vater als "beschissene Idioten" zu bezeichnen. Dabei fungiert Nigel Mansell, dessen zweiter Sohn, der 21jährige Leo, ebenfalls Motorsport betreibt, in der britischen Formel BMW als "Botschafter". Wegen seines Wutanfalls eilte Mansell zur Direktion der Rennserie und bot seinen Rücktritt als "Botschafter" an, was abgelehnt wurde. Man sieht: Es ist nicht leicht, das Leben als Rennfahrervater...

Der stille Ratgeber

Es gibt aber auch ruhigere Rennfahrerväter. Keke Rosberg beispielsweise. Er ist zwar immer vor Ort, wenn sein Sohn Nico einen Grand Prix bestreitet, hält sich aber großteils aus dem Rennfahreralltag des Sohnes raus. Meistens zumindest, wahrscheinlich auch, weil "es ohnehin keinen Sinn macht, ihm Ratschläge zu geben, weil er ohnehin macht, was er will", wie Keke es erst unlängst in einem adrivo.com-Interview formuliert hat.

Nico möchte Vater Keke nicht immer dabei haben. - Foto: Sutton

Gegenüber adrivo.com erklärte auch der Sohn, was er von den väterlichen Ratschlägen hält: "Wenn er was sagen würde, dann sagt er wahrscheinlich: Fahr Dir den Frontflügel nicht in der ersten Kurve ab. Das habe ich nach Bahrain 13.000 Mal gehört. Er hat sehr viel Erfahrung und da muss ich schon zuhören, auch wenn es manchmal schwierig ist."

Das alte Vater-Sohn-Problem. Es fällt den jungen Piloten oft nicht leicht, mit der Präsenz des Vaters klarzukommen. Sohn Nico sprach vor dem Saisonbeginn: "Mein Vater hat zwar angedeutet, dass er bei jedem Grand Prix dabei sein will, aber das wird nicht der Fall sein." Und im bedrohlich klingenden Nachsatz sagte er: "Ich werde dafür sorgen, dass dies nicht der Fall sein wird." Der Grund: "Er ist keine einfache Person. Er kennt den Sport sehr gut und er ist etwas pessimistisch. Das macht es manchmal etwas schwierig." Aber dann sagt Nico auch: "Wenn er da ist, dann ist er eine große Hilfe."

Der kritische Vater

Rosberg, Mansell, Piquet - da fehlt doch noch einer? Richtig, Mathias Lauda, der Sohn von Niki. Auch diese Vater-Sohn-Beziehung war anfangs zumindest nicht völlig komplikationslos. Mathias kam erst spät in den Rennsport, der Vater war der Meinung: "Zu spät!"

Deshalb musste sich Mathias alleine respektive mit seinem Bruder Lukas als Manager die ersten Sporen im Motorsport verdienen. "Ich habe mein Leben lang vom Vater gehört: 'Du wirst keinen Motorsport machen, lern etwas Normales, mach Deine Schule zu Ende'", erzählte Mathias. Doch der Weltmeistersohn stieg rasch auf und fährt heute in der DTM. "Jetzt steht er mir auch für einen Rat zur Seite", sagt Mathias stolz.


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