Seit dem 19. Juni dieses Jahres ist in der Formel 1 Welt nichts mehr so, wie es vorher war. Denn seit der Schmach von Indianapolis diskutiert nicht nur der F1-Paddock über die Zukunft der Formel 1 - und zwar nicht nur in Amerika.

Denn am morgigen Mittwoch steht in Paris die Anhörung der sieben Michelin-Teams vor dem FIA World Motor Sport Council auf dem Programm, welche noch für viele Schlagzeilen, Sperren und möglicherweise sogar einen Boykott des Frankreich GP sorgen könnte.

Vor diesem richtungweisenden Meeting sprach motorsport-magazin.com mit dem ehemaligen Rennfahrer und ARD-DTM-Kommentator Klaus Ludwig über die US-Farce und den arg gescholtenen FIA-Präsidenten Max Mosley. Dabei stellte sich Ludwig klar auf die Seite von Minardi-Teamboss Paul Stoddart...

Die Fans bekommen in der DTM eine Menge geboten. Ganz im Gegensatz zu den Besuchern des US Grand Prix in der Formel 1. Wie haben Sie den Indy-Skandal erlebt?

Klaus Ludwig: Die Leute haben sich dort riesig auf einen Grand Prix gefreut, der dann nicht stattgefunden hat, was im Grunde genommen ein echter Skandal ist. Man hätte vielleicht auf die Punkte verzichten müssen, aber man hätte auf jeden Fall fahren sollen. Aber natürlich nicht gegen die Anweisung von Michelin. Wenn Michelin sagt, dass die Reifen dort nicht durchhalten, dann muss man das akzeptieren. Da die meisten Teams mit Michelin-Reifen fahren, hätte die FIA anders reagieren müssen. Schließlich kann man nicht die Teams dafür verantwortlich machen, wenn Michelin nicht den passenden Reifen dabei hat. Michelin ist ein Zulieferer und sie haben bis jetzt einen sensationell guten Job gemacht und in dieser Saison die besten Reifen gebaut, was sich ja auch in der Ferrari-Misere zeigt, die nur auf die Reifen zurückzuführen ist. Und da hat Bridgestone nicht gut genug gearbeitet. Denn der Reifen ist an einem Rennauto das wichtigste Teil.

Und wie hätte man das Problem lösen können?

Klaus Ludwig: Man hätte sich einfach irgendwie einigen müssen. Sie hätten keine Punkte vergeben und dafür alle Autos mit einer Schikane fahren lassen sollen. So dass man an dem Punkt wo man vorher 330 km/h erreicht dann nur noch 270/280 km/h gefahren wäre. Das wäre keine große Umbaumaßnahme gewesen. Ich weiß natürlich, dass dies gegen die Regeln verstößt, aber man hätte hier einfach der weltweiten Fangemeinde Tribut zollen müssen. Man hätte für die Zuschauer fahren müssen und der Rest wäre zweitrangig gewesen.

Hat die F1 jetzt überhaupt noch eine Zukunft in den USA?

Klaus Ludwig: Das kann ich nicht beurteilen, aber ich denke einmal ja. Jeder der ein bisschen darüber nachdenkt, wird es verstehen. Keine Zukunft hätte bei mir hingegen die FIA, in dieser Form wie sie jetzt regiert wird. Da gehört einfach mehr Flexibilität dazu. Vielleicht ist der Herr Mosley wirklich zu alt für den Job. Denn es ist eine Katastrophe, dass er nicht vor Ort war. Schließlich ist der FIFA-Präsident bei den entscheidenden Fußball-Länderspielen ebenfalls vor Ort und somit sollte auch Herr Mosley beim US Grand Prix einfach präsent sein. Und wenn er das nicht mehr will, weil er keine Lust hat 20 Stunden im Flugzeug zu sitzen, oder es vielleicht auch nicht mehr kann, dann soll er zu Hause bleiben und seinen Job aufgeben. Ich war noch nie ein großer Fan von ihm und seine gesamten Entscheidungen in Sachen Formel 1 halte ich alle samt für schlecht. Er sollte wirklich besser zurücktreten.