Formel 1 - Wolff: Rosberg im Hamilton-Duell der Bösewicht

Nico setzte alle Waffen ein

Im Duell zwischen Hamilton und Rosberg waren die Rollen damals klar verteilt - scheinbar. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sah das offenbar nicht so.
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Motorsport-Magazin.com - Laut Lewis Hamilton sind er und sein ehemaliger Widersacher Nico Rosberg sich seit dem WM-Finale 2016 lediglich ein Mal über den Weg gelaufen: Reinzufällig, beim Joggen in London. Doch obwohl das WM-Duell mit Sebastian Vettel in der Saison 2017 im vollen Gange ist, nimmt Hamilton nach wie vor gerne die eine oder andere Gelegenheit mit, einen Seitenhieb in Richtung Rosberg auszuteilen. Und so richtig ad acta legen kann die vier gemeinsamen Saisons der Beiden bei Mercedes auch Teamchef Toto Wolff offenbar nicht. Er erklärte nun gegenüber der Daily Mail, das im Krieg der Sterne nicht immer alles so war, wie es nach außen hin schien.

Er war der Bösewicht: Nico hat einfach versucht, alle ihm verfügbaren Waffen einzusetzen.
Toto Wolff

In der Öffentlichkeit wurde der extrovertierte und kompromisslose Hamilton gerne als böser Gegenspieler des deutschen Saubermanns Rosberg gesehen. Wenn es um psychologische Kriegsführung ging, war laut dem Österreicher aber nicht der Brite die treibende Kraft. "Es war der, der jetzt nicht mehr hier ist" so die überraschende Aussage Wolffs. "Er war der Bösewicht: Nico hat einfach versucht, alle ihm verfügbaren Waffen einzusetzen."

Dass Hamilton selbst kein Kind von Traurigkeit war, lässt sich kaum abstreiten. Der dreimalige Weltmeister sparte nie an verbalen Sticheleien und spätestens beim Saisonfinale in Abu Dhabi zog er auch auf der Strecke ohne jegliches Versteckspiel alle Register, um den Stallgefährten zu bezwingen. Doch Rosberg, so Wolff, war keineswegs ein Unschuldslamm: "Er machte alle Psychospielchen, die du spielen kannst, um deinen Gegner zu destabilisieren.

Eine dieser Aktionen Rosbergs fand höchstwahrscheinlich beim Qualifying zum Monaco GP 2014 statt, als sich der Deutsche in der Mirabeau-Kurve verbremste und so für gelbe Flaggen auf Hamiltons entscheidender fliegender Runde sorgte. "Ich habe eine Antwort, aber ich denke auch daran, wie man darüber schreiben würde", blieb Wolff zweideutig. Seine Wirkung hatte die Aktion Rosbergs aber keinesfalls verfehlt. "Es hat zu Spannungen in der Beziehung geführt. Das war eine heftige Aktion", fügte er an.

Lewis Hamilton und Nico Rosberg schenkten sich im teaminternen Duell nichts - Foto: Sutton

Vorgeschichte sorgte für verstärktes Konkurrenzdenken

Während der als Naturtalent geltende Hamilton in sämtlichen Rennserien von Sieg zu Sieg und Titel zu Titel eilte, blieben für den Arbeiter Rosberg oft nur die Krümel vom großen Kuchen übrig. Vom Go-Kart bis in die Königsklasse standen sich die beiden immer wieder gegenüber. "Sie kamen aus unterschiedlichen Verhältnissen und traten gegeneinander an, während sie aufwuchsen. Es war klar, dass es keine Spazierfahrt würde, wenn die beiden ein Auto haben, das gut genug für den Gewinn der Weltmeisterschaf ist", so Wolff.

Wenn du als Sportler auf diesem hohen Level antrittst, bist du definitiv sensibel. Beide waren es und es hat sie deshalb beide beeinträchtigt.
Toto Wolff

Bereits in der ersten gemeinsamen Saison gerieten Hamilton und Rosberg in Malaysia aneinander, als dem Weltmeister-Sohn von Seiten des Teams nicht gestattet wurde, den auf Platz drei liegenden Hamilton anzugreifen. Ab 2014 befanden sich die Beiden jedes Jahr im WM-Kampf und die Spannungen nahmen sukzessive zu. "Mit ihrer Vergangenheit und den Spielchen, die getrieben wurden, gab es jedes Jahr eine Auseinandersetzung, die auf ihre Beziehung große Auswirkungen hatte", so Wolff.

Rosberg musste laut Wolff stets in die Trickkiste greifen, um dem schnelleren Hamilton auf lange Sicht das Wasser abzugraben. Letztendlich war dies auch einer der Gründe, weshalb Rosberg nach dem Titelgewinnt mehr oder weniger unvermittelt aus seinem laufenden Vertrag und aus der Formel 1 ausstiegt: "Wenn du als Sportler auf diesem hohen Level antrittst, bist du definitiv sensibel. Beide waren es und es hat sie deshalb beide beeinträchtigt", so Wolff.


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