Formel 1 - Dreher-Parade: Deshalb flogen Vettel und Co. ab

Wenig Downforce - viele Dreher

Viel los in den Trainings zum Kanada GP: Das halbe Feld flog mindestens einmal ab. Manche Fahrer erwischte es sogar dreimal. Die Gründe der Pirouetten-Parade.
von

Motorsport-Magazin.com - Die Trainings-Sessions gehören üblicherweise nicht zu den großen Spannungselementen der Formel 1. In Kanada war es anders. Wer sich schon am Freitag an die Strecke begab, wurde bestens unterhalten. Wenn auch zum Unwohlsein zahlreicher Fahrer. In Montreal reihte sich in den Trainings ein Dreher an den anderen. So ziemlich jeder Pilot verlor mindestens einmal die Kontrolle über sein Auto.

Sebastian Vettel erwischte es zweimal, Romain Grosjean fabrizierte gar drei Dreher auf dem Circuit Gilles Villeneuve. "Es reicht mir!", funkte der Haas-Franzose nach dem dritten Ausritt entnervt an den Kommandostand. Immerhin: Keine der Pirouetten hatte schlimmere Folgen, höchstens ein paar zerstörte Reifen. Die berüchtigte Wall of Champions umdrehten die Fahrer größtenteils.

Schmutziges Montreal

Woran lag es, dass es am Freitag so wild zuging auf der Strecke? "Da wurde wohl nicht genügend saubergemacht", vermutete Red Bulls Teamchef Christian Horner. In der Tat: Der Asphalt präsentierte sich zum Auftakt des Kanada-Wochenendes noch verschmutzter als üblicherweise sowieso schon. "Unheimlich viel Staub und Schmutz auf der Strecke. Na ja, das macht es spannender", blieb Horner nur zu sagen.

Unter den Augen seines früheren Teamchefs drehte sich WM-Spitzenreiter Vettel munter durch die Trainings. Vor allem am Vormittag präsentierte sich der Asphalt, ohnehin schon nicht mit Grip gesegnet, in schlechtem Zustand. Vettel: "Es war rutschig und richtig schmutzig. Wir versuchen unser Bestes - manchmal funktioniert es, manchmal eben nicht."

Carlos Sainz hatte den Dreh noch nicht ganz raus... - Foto: Sutton

Wenig Downforce - viele Dreher

Neben den schlechten Streckenverhältnissen sorgten die Einstellungen der Autos für Probleme. Montreal ist ein so genannter Low-Downforce-Track, es steht also nur wenig Abtrieb zur Verfügung. Das macht das Fahren natürlich kniffliger. Umso mehr mit den breiten Reifen und generell hohen Reifendrücken, die die Auflagefläche des Gummis verringern.

"Wegen der Low-Downforce-Konfiguration ist die Strecke von Natur aus ziemlich knifflig", erklärte Kimi Räikkönen, der im 2. Training die Bestzeit erzielte. "In machen Kurven, wie den Schikanen, muss man die Kerbs stark nutzen, um schnell fahren zu können. Aber wegen des geringen Abtriebs hoppelt das Auto und es fühlt sich immer rutschig an." Räikkönen war der erste Fahrer am Morgen, den es erwischte. In Kurve 7 rutschte er weg, wenig später ereilte Vettel das gleiche Schicksal in Kurve 2.

Valtteri Bottas im Mercedes erwischte es am Nachmittag - Foto: Sutton

Kann passieren

Auch WM-Gegner Mercedes war nicht gefeit von Drehern. Valtteri Bottas segelte am Nachmittag einmal quer über die Strecke. "Die Bedingungen waren wie immer am ersten Tag in Kanada sehr knifflig", erklärte Mercedes-Technikchef James Allison. "Der Grund dafür waren das niedrige Grip-Niveau und die Tatsache, dass die Strecke heute besonders schmutzig zu sein schien."

Obendrein bereitete der Wind den Fahrern so einige Probleme. Man kennt es: Windböen können die Balance der Autos komplett durcheinander bringen, ein Dreher ist schon fast programmiert. "Viele Autos haben sich gedreht", beobachtete Sergio Perez, dessen Force-India-Kollege Esteban Ocon im 1. Training absegelte. "Das passiert, wenn man mit diesen Autos und Reifen ans Limit geht. Der Wind hat es noch schwieriger gemacht."


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter