Formel 1 - McLaren: Trennung von Honda eine Option

Honda scheinbar nicht WM-fähig

Nach der desaströsen Vorstellung von McLaren Honda könnten die Tage der britisch-japanischen Allianz bald gezählt sein. Zak Brown deutet mögliche Trennung an.
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Motorsport-Magazin.com - Ursprünglich wollte McLaren Honda mit Star-Pilot Fernando Alonso mittlerweile längst um die Weltmeisterschaft kämpfen - doch im dritten Jahr der wiederbelebten Partnerschaft läuft es bis dato schlechter als je zuvor. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters äußerte McLarens Executive Director Zak Brown nun, dass eine Trennung von Honda seitens der Teamführung mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen wird.

"Wir werden uns kein weiteres Jahr wie dieses antun", fand der US-Amerikaner deutliche Worte in Richtung des Motorenherstellers. In der Saison 2017 dümpelt der Traditionsrennstall nach sechs Rennen immer noch punktelos auf dem zehnten und letzten Rang der Konstrukteurswertung vor sich her. Angesichts des neuen Tiefpunktes hat die britisch-japanische Ehe eine kritischen Phase erreicht - und Besserung scheint kurzfristig nicht in Sicht: Ein ursprünglich für Montreal geplantes Upgrade der Power Unit wurde von Honda abgesagt.

Fehlende Upgrades und Upgrades, die nicht hielten was versprochen wurde, kann man nicht ewig tolerieren - und wir sind nahe an der Grenze
Zak Brown

"Fehlende Upgrades und Upgrades, die nicht hielten was versprochen wurde, kann man nicht ewig tolerieren - und wir sind nahe an der Grenze", fügte Brown an. "Wir hatten händeringend auf dieses Upgrade gewartet, genau wie unsere Fahrer, und es ist eine große Enttäuschung, dass es nicht kommt. Es liegt nicht an mangelndem Einsatz [von Honda], aber sie haben einfach Probleme, es richtig hinzubekommen." Angesichts der mittlerweile unendlich schienenden Odyssee sieht die McLaren-Führung für 2018 langsam aber sicher ihre Felle davonschwimmen - und unter Umständen auch ihr kommerzielles Zugpferd Fernando Alonso.

Bisher hielt McLaren gegenüber der Öffentlichkeit immer an seinem ursprünglichen Ziel fest, zusammen mit Honda wieder den Gipfel der Königsklasse erstürmen zu wollen. Mittlerweile wird der Glaube daran von Brown aber auch gegenüber den Medien angezweifelt: "Ich will nicht auf unsere Optionen eingehen. In erster Linie wollen wir zusammen mit Honda die Weltmeisterschaft gewinnen. Aber an irgendeinem Punkt müssen wir entscheiden, ob das überhaupt im Rahmen der Möglichkeiten liegt. Und was das angeht, haben wir ernsthafte Bedenken."

Zak Brown will seinen Superstar Fernando Alonso um jeden Preis halten - Foto: Sutton

Brown: Siege auch mit Kunden-Motoren möglich

Der Vertrag mit Honda läuft Ende 2017 aus und angesichts der bald anstehenden Sommerpause geht es für McLaren jetzt darum, für die Zukunft vorzusorgen. Brown sagte zwar, dass die Entscheidung zur exklusiven Belieferung mit Power Units von Honda "zu 100 Prozent richtig" war, das Team jedoch nun an einem Scheideweg angekommen sei, an dem es sich entscheiden müsse. Dem Formel-1-Geschäft von McLaren könnte eine weitere Seuchen-Saison schwer schaden, weshalb nun auch die Besitzer des Teams laut Brown vermehrt Druck ausüben: "Der Vorstand hat uns die Marschrichtung vorgegeben."

Wenn wir uns anschauen, was wir an FOM-Preisgeldern und Sponsoren verloren haben, schmälert das die kommerziellen Vorteile, die uns Honda eingebracht hat.
Zak Brown

Eine Entscheidung für die Zukunft soll laut Brown innerhalb der kommenden 90 Tage getroffen werden, in denen der Rennstall die Weichen für 2018 stellen will. Klar ist: Wenn Honda den Laufpass erhält, wird McLaren wieder als Kunden-Team antreten. "Glaube ich, dass man mit einem Kundenmotor gewinnen kann? Ich denke, das geht", so Brown, der sich auf die nicht allzu lange zurückliegenden Erfolge von Teams wie Red Bull und Brawn GP berief. Die Vorteile eines Werksteams seien zwar nicht von der Hand zu weisen, doch "bis jetzt hat es nicht funktioniert." Angesichts des bisherigen Honda-Debakels scheint mittlerweile jede Alternative vielversprechender zu sein: "Ein Jahr ist in der Formel 1 eine Ewigkeit, drei Jahre sind wie ein Jahrzehnt. So kann man einfach nicht für immer weitermachen."

Außer Frage steht aber auch, dass der Automobilgigant Honda in den vergangenen Jahren Unmengen an Budget in McLaren gepumpt hat und das Team selbst längst nicht mehr auf das Sponsoren-Portfolio zurückgreifen kann, welches es sich zu seinen Glanzzeiten rühmen durfte. Laut Brown ist das allerdings nur die halbe Wahrheit, denn vor allem durch die anhaltende Erfolglosigkeit sei dem Team in den vergangenen drei Jahren viel Geld entgangen: "Wenn wir uns anschauen, was wir an FOM-Preisgeldern und Sponsoren verloren haben, schmälert das die kommerziellen Vorteile, die uns Honda eingebracht hat."


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