Formel 1 - Red Bull bringt seinen Monaco-Joker ins Spiel

Wiedergutmachung für Ricciardo?

Red Bull präsentierte sich am ersten Trainingstag in Monaco als zweite Kraft. Ricciardo nahm den Kampf mit Ferrari auf, während Verstappen unfallfrei blieb.
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Motorsport-Magazin.com - Red Bull war am ersten Trainingstag in Monaco blendend aufgelegt. Während Mercedes strauchelte, legte sich Daniel Ricciardo mit Ferrari an. Teamkollege Max Verstappen hinkte zwar etwas hinterher, blieb nach seiner Crash-Orgie 2016 am Donnerstag aber zumindest einmal sauber. Angesichts des starken Auftakts ins Wochenende rechnen sich die Bullen bessere Chancen aus, Lewis Hamilton und Sebastian Vettel erstmals in dieser Saison richtig Konkurrenz zu machen. Vor allem Ricciardo lechzt nach Wiedergutmachung für seinen im Vorjahr verpassten Triumph.

Ich habe hier natürlich noch eine Rechnung offen und werde tun, was ich kann.
Daniel Ricciardo

Auf die Bestzeit von Vettel fehlte Ricciardo am Nachmittag zwar eine knappe halbe Sekunde, dennoch konnte er in seinem RB13 im Zeitentableau auf den zweiten Platz nach vorne fahren. Mercedes war am Ende der Top-10 meilenweit entfernt und auch Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari musste sich hinter dem Australier anstellen. Red Bull präsentierte sich in Monaco bisher überraschend als zweite Kraft. "Im Moment sehen wir ziemlich gut aus. Wir hatten einige gute Runden und sind sehr glücklich mit unserer Position nachdem ersten Tag", so das Fazit Ricciardos.

Dem Polesitter von 2016 scheint sich auch dieses Jahr auf den Straßen des Fürstentums pudelwohl zu fühlen, denn dem Stallgefährten brummte er knappe drei Zehntel auf. Seinen Willen, die Schmach aus dem Vorjahr wiedergutzumachen, als ein verpatzter Boxenstopp ihn um den sicheren Sieg brachte, verdeutlichte Ricciardo bereits vor dem Start ins Wochenende. "Ich habe hier natürlich noch eine Rechnung offen und werde tun, was ich kann."

Ricciardos dominante Vorstellung blieb 2016 unbelohnt - Foto: Sutton

Boxencrew zur Disziplin gezüchtigt

Getan was kann hat er am Donnerstag offenbar, denn Bisher scheint für ihn bei seinem Vorhaben alles nach Plan zu verlaufen. Und auch seine Crew sollte nach dem Boxenstopp-Desaster in diesem Jahr besser gewappnet sein. "Wir haben ein paar 'old school' Prügeltechniken angewandt. Mit großen Holz... Cricketschlägern, könnte man sie nennen", scherzt Ricciardo. Tatsächlich zog die Boxencrew der Bullen vergangenes Jahr schon für das auf Monaco folgenden Rennen in Kanada ihre Konsequenzen.

Wir haben ein paar 'old school' Prügeltechniken angewandt.
Daniel Ricciardo

"Wir hatten daraufhin sofort ein paar Systeme geändert. Statt nur Funk-Kommunikation wurden in der Garage zusätzlich Displays aufgestellt, die für die Leute dort ersichtlich machen, was los war. Das war besser als nur verbale Kommunikation, die gerade in solchen Momenten in der Hitze des Gefechts eher verwirrend sein kann. Wir haben das also sofort gelöst", erklärt der viermalige Grand-Prix-Sieger.

RB13 in Monaco besser als je zuvor

Bevor ein Boxenstopp am kommenden Sonntag erneut die Rennentscheidung bringen kann, muss Red Bull seine Form vom Donnerstag ins Qualifying retten. In Monaco könnte dem Team dies vielleicht gelingen, denn Ricciardos Arbeitsgerät scheint seinen Befehlen deutlich bisher zu folgen als bisher: "Wir haben hier einen guten Anpressdruck. Das Heck des Autos scheint besser zu funktionieren, als bisher in diesem Jahr."

Das Setup gibt mir viel Selbstvertrauen. Ich denke nicht, dass wir da allzu viel dran ändern müssen.
Daniel Ricciardo

Dementsprechend optimistisch ist er, dass er am Samstag den Kampf mit Ferrari aufnehmen kann. "Wenn wir die Reifen auf Temperatur bekommen, könnten wir am Samstag ziemlich nah dran sein", so der 27-Jährige, der mit der Abstimmung seines Boliden offensichtlich mehr als glücklich ist: "Das Setup gibt mir viel Selbstvertrauen. Ich denke nicht, dass wir da allzu viel dran ändern müssen. Vielleicht ein paar Kleinigkeiten über Nacht."

Auch Red Bulls Chefingenieur Paul Monaghan verzeichnete einen klaren Aufwärtstrend, will jedoch die Silberpfeile längst noch nicht abschreiben: "Es ist schön, unser zweifelsohne näher an der Spitze zu sehen, als es bisher der Fall war. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Mercedes heute schon alle Karten auf den Tisch gelegt hat. Es wird am Samstag sicherlich sehr eng", so der Brite.

Eine Runde in Monaco mit Max Verstappen: (02:39 Min.)

Verstappen hat aus seinen Fehlern gelernt

Während der Stallgefährte im Fürstentum wieder ganz hoch hinaus will, ging Max Verstappen mit einer anderen Vorgeschichte in sein drittes Rennwochenende in Monaco. Vergangenes Jahr kam er als Sensations-Sieger des Spanien GP zum Traditionsrennen an der Mittelmeerküste, und sorgte mit Unfällen am Fließband für Sorgenfalten bei seiner Crew. Beim Trainingsauftakt für den diesjährigen Grand Prix zügelte er sich und blieb fehlerfrei.

Ich habe aus den letzten Jahren gelernt, dass du am Donnerstag hier nicht der Schnellste sein musst.
Max Verstappen

"Ich habe aus den letzten Jahren gelernt, dass du am Donnerstag hier nicht der Schnellste sein musst. Hier zu fahren erfordert viel Konzentration, und ein kleiner Fehler kann bedeuten, dass du in der Mauer landest und deine Session vorbei ist", erklärt der geläuterte Niederländer, der sich als Sechstplatzierter hinter Ricciardo und den beiden Autos vom Schwesterteam Toro Rosso einsortierte.

Verstappen sorgte 2016 in Monaco für reichlich Schrott - Foto: Sutton

Allerdings hinderte ihn die durch Lance Strolls Unfall hervorgerufene Unterbrechung daran, eine bessere Rundenzeit in den Asphalt zu brennen. "Die rote Flagge im zweiten Training hat mir den Run versaut, denn ich bekam dadurch keine Chance, auf neuen Reifen das volle Potential auf einer schnellen Runde zu zeigen", erklärt der 19-Jährige, der letztes Jahr nach einem Unfall von ganz hinten ins Rennen gehen musste.

Dementsprechend bedacht ist er darauf, sich in dieser Saison in eine bessere Ausgangslage zu bringen. "Das Qualifying ist hier in Monaco sehr wichtig, denn wenn du im Rennen im Verkehr steckst, ist es sehr schwierig voran zu kommen - und vor allem sehr riskant, es überhaupt zu versuchen", so Verstappen weiter.


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