Formel 1 - Zwischenbilanz: So lief das erste Saisonviertel

Force India als große Überraschung

Das erste Viertel der Saison 2017 ist bereits vorbei. Motorsport-Magazin.com zieht Bilanz aus fünf spannenden Rennen.
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Motorsport-Magazin.com - Von Saisonbeginn an etablierte sich ein packender Kampf zwischen Ferrari und Mercedes, während Red Bull als Lückenfüller zwischen den Top-Teams und dem Mittelfeld agierte. Motorsport-Magazin.com analysiert den Saisonstart aller Fahrer und Teams und präsentiert die Gewinner und Verlierer.

Die Teams - Gewinner

Force India: Force India ist der große Gewinner des ersten Saisonviertels. Zwar hat Ferrari ein um fünf Punkte besseres Delta als das indische Team, doch durch die 39 Punkte mehr im Vergleich zu 2016 liegt das Team von Sergio Perez und Esteban Ocon in der Konstrukteurswertung drei Positionen besser und ist der stärkste Verfolger der Top-3.

Mercedes Ferrari Red Bull Force India
Position 2017 1 2 3 4
Punkte 161 153 72 53
Siege 3 2 0 0
Podien 7 6 2 0
Top-5 8 9 6 2
Position 2016 1 2 3 7

Ferrari: Die Scuderia Ferrari hat 2017 in den ersten vier Rennen um 44 Punkte zugelegt. Durch zwei Siege von Sebastian Vettel ist das Team aus Maranello voll im Kampf um die WM-Führung. In Spanien verlor das Team durch eine konservative Strategie sogar noch einen möglichen Sieg. Doch das wird aufgrund der guten Ausgangssituation zu verkraften sein.

Renault: Das Team aus Enstone zählt zu den Siegern, denn der Saisonstart verlief deutlich stärker als noch im Vorjahr. Aus 6 Zählern wurden in den ersten fünf Rennen 14 Punkte. Dabei kämpft Renault sogar noch mit der Rennpace, die nicht so konstant ist und dadurch immer wieder Plätze im Rennen kostet.

Sauber: Auch der Schweizer Rennstall zählt nach fünf Rennen zu den Gewinnern. Schon allein deshalb, weil das Team nicht mehr um eine weitere Saison ohne WM-Zähler sorgen muss. Mit dem achten Platz in Spanien hat das Team bereits doppelt so viele Punkte wie in der gesamten Saison 2016.

Die Teams - Verlierer

Williams: Ganz klar der größte Verlierer ist Williams. Statt wie im letzten Jahr im Kampf um den vierten Platz zu sein, muss das Team aus Grove sich anstrengen, nicht auch noch von Renault eingeholt zu werden. Mit gerade einmal 18 Punkten liegt Williams 47 Zähler hinter der Marke des vergangenen Jahres nach fünf absolvierten Rennen. Da muss der Traditionsrennstall zweifelsohne nachbessern.

Red Bull: Für Red Bull sieht es ebenso düster aus. Allerdings ist zu bedenken, dass das Team aus Milton Keynes im vergangenen Jahr den Spanien GP gewann. Das relativiert die 22 fehlenden Punkte bereits wieder. Allerdings fehlt Red Bull derart viel Performance auf die Spitze, dass der Frust bei allen groß ist. Da tröstet es auch nicht, dass man das drittstärkste Team der Königsklasse ist.

Mercedes: Zwar liegt Mercedes nach fünf Rennen wie schon 2016 in Führung, doch der Vorsprung ist mit acht Zählern im Vergleich zu 48 Punkten im Vorjahr deutlich geringer. Die Silberpfeile müssen sich im Kampf gegen Ferrari ranhalten. Ein Davonfahren wie im vergangenen Jahr gibt es nicht mehr und daher zählt Mercedes trotz vier WM-Punkten mehr als 2016 nach fünf Rennen zu den Verlieren.

Williams fehlen satte 47 Punkte auf die Leistung des letzten Jahres - Foto: Sutton

Haas: Im vergangenen Jahr überzeugte Haas durch einen starken Saisonstart. Diesen konnte das US-amerikanische Outfit nicht wiederholen. Stattdessen gehen die Probleme, insbesondere mit den Bremsen, weiter und es ist nicht abzusehen, wann die beiden Piloten das erste Rennen ohne Schwierigkeiten absolvieren können.

Toro Rosso: Toro Rosso hat in diesem Jahr einen kleinen Rückschritt gemacht. Aus noch 26 WM-Punkten nach fünf Rennen im Jahr 2016 wurden 21 Zähler nach dem ersten Saisonviertel 2017. Der Verlust von Max Verstappen zeigt sich bei dieser Betrachtung deutlich, denn der Niederländer bestritt die ersten vier Rennen des vergangenen Jahres noch für das Red-Bull-Schwesterteam.

McLaren: Wenn die letzten beiden Saisons schon ein Desaster waren, dann ist diese Saison die reinste Katastrophe. Der Honda-Motor ist unzuverlässiger denn je und so stellte McLaren einen traurigen Rekord für die Ewigkeit auf. Bereits im vierten Rennen kassierte das Team eine Strafe für das Überschreiten der erlaubten vier Ausführungen von gleich zwei Komponenten.

Die Fahrer - Gewinner

Sebastian Vettel: Der große Gewinner bei den Fahrern ist Sebastian Vettel. Statt wie 2016 nach fünf Rennen auf dem vierten Platz zu stehen, führt der viermalige Weltmeister die Fahrerwertung an. Die beiden Siege waren absolut verdient und spätesten mit der Pole Position in Russland hat der Heppenheimer deutlich gemacht, dass er 2017 zu den Favoriten zählt.

Sebastian Vettel Lewis Hamilton Valtteri Bottas Kimi Räikkönen Daniel Ricciardo Max Verstappen
Position 2017 1 2 3 4 5 6
Position 2016 4 3 8 2 5 6
Punkte 104 98 63 49 37 35
Siege 2 2 1 0 0 0
Podien 5 4 3 1 1 1
Top-5 5 5 3 4 3 3

Lewis Hamilton: Auch Lewis Hamilton zählt zu den klaren Gewinnern der Saisonanfangsphase. Zwar steht er wie im Vorjahr nach dem ersten Saisonviertel auf dem zweiten Platz, aber dank 41 Punkten mehr und zwei Siegen ist er auf einer Höhe im Titelkampf gegen Sebastian Vettel.

Valtteri Bottas: Dass der Finne die Saison 2017 besser starten wird, war nach dem Wechsel zu Mercedes keine große Überraschung. Doch in den ersten fünf Rennen für ein Top-Team erzielte er bereits seine erste Pole Position und seinen ersten Sieg. Deshalb ist Valtteri Bottas ohne Zweifel ein Gewinner.

Sergio Perez: Statt 8 Punkten 34 WM-Zähler auf dem Konto zu haben, macht einen auch zu einem Gewinner. Sergio Perez blieb seinem Team treu und profitiert dadurch von einem starken Auto. Der Mexikaner kann die Leistung auch umsetzen und ist daher verdient der beste Verfolger der sechs Top-Team-Piloten.

Wehrlein wurde von Sauber wie ein Sieger gefeiert - Foto: Motorsport-Magazin.com

Nico Hülkenberg: Für Nico Hülkenberg hat sich der Wechsel zu Renault zumindest nicht negativ ausgewirkt. Statt nur sechs Zähler auf dem Konto zu haben, darf er sich nach fünf Rennen für sein erstes Werksteam bereits über 14 Zähler freuen. Damit sorgt der Deutsche alleine dafür, dass sein Team nur knapp hinter Williams liegt.

Carlos Sainz: Der Spanier zählt in diesem Saisonanfang auch zu den Gewinnern. In den fünf Rennen fuhr er viermal in die Punkte und schlug jedes Mal seinen Teamkollegen. Dabei sammelte er insgesamt fünf WM-Zähler mehr als 2016 im gleichen Zeitraum und liegt direkt im Nacken von Esteban Ocon und Felipe Massa.

Pascal Wehrlein: Schon 2016 leistete Pascal Wehrlein ein wahres Wunder, als er im Manor einen Punkt holte. Ähnliches gelang ihm im Sauber bereits im fünften Rennen. Der Deutsche wurde von seinem Team wie ein Sieger gefeiert, denn er bewahrte sein Team davor, sich lange Gedanken über die nächste punktlose Saison zu machen.

Die Fahrer - Verlierer

Felipe Massa: 18 Punkte fehlen dem Brasilianer auf seine Leistung aus dem Vorjahr. Damit fuhr der Williams-Pilot nur die Hälfte der Punkte ein, die er 2016 nach fünf Rennen auf dem Konto hatte. An der Leistung von Felipe Massa liegt es dabei nicht allein, denn auch das Auto gibt noch nicht das her, was das Team aus Grove erwartet.

Daniil Kvyat: Der Toro-Rosso-Pilot ist ein klarer Verlierer der ersten fünf Rennen. Magere vier Zähler fuhr der Russe im ersten Saisonviertel 2017 ein. Seinem Teamkollegen konnte er dabei zu keinem Zeitpunkt das Wasser reichen. Wenn Daniil Kvyat nicht bald was einfällt, könnte seine Karriere in der Formel 1 sehr früh beendet sein.

Romain Grosjean: Nachdem Romain Grosjean im letzten Jahr einen fulminanten Saisonstart erlebte, sind 2017 beinahe nur noch seine Funksprüche der Rede wert. Allerdings kämpft der Franzose mit dem Auto, das scheinbar seit dem Saisonstart im vergangenen Jahr keine echten Fortschritte machen will.

Kimi Räikkönen: Trotz eines starken Ferrari zählt Kimi Räikkönen zu den Verlierern des Saisonstarts. Denn der Finne kann die Leistung anders als sein Teamkollege nicht umsetzen. Als Einziger der vier Top-Team-Piloten erzielte der Finne bisher keinen Sieg und nur ein Mal gelang ihm der Sprung auf das Podium.

Alonso erreichte bisher nur einmal das Ziel - Foto: Sutton

Daniel Ricciardo: Der stets lachende Australier hat im Moment nicht viel zu lachen. Trotz bester Bemühungen kämpft Daniel Ricciardo nicht um Podien, geschweige denn um Siege. Dafür sind Mercedes und Ferrari einfach zu weit entfernt. In Spanien erbte der Red-Bull-Pilot seine einzige Podestplatzierung in diesem Jahr, als sowohl Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas ausfielen.

Fernando Alonso: Ohne Zweifel der größte Verlierer in diesem Jahr ist Fernando Alonso. Während 2016 die unterlegene Honda-Power-Unit wenigstens hielt und dem Spanier erlaubte, durch herausragende Leistungen Punkte zu holen, bleibt dem McLaren-Piloten in diesem Jahr nur übrig, bis zum Ausfall mit dem Auto zu kämpfen. Zu Saisonbeginn lag er zweimal in den Punkterängen, als er das Rennen aufgeben musste.

Max Verstappen: Auch Max Verstappen zählt zu den Verlierern nach den ersten fünf Rennen. Obwohl er im vergangenen Jahr die ersten vier Rennen mit Toro Rosso bestritt, konnte der Niederländer in dieser Saison bislang nicht einmal so viele Punkte sammeln wie 2016 in den ersten fünf Grand Prix. Die Wiederholung seines Sieges aus dem Vorjahr scheint nach aktuellem Stand unmöglich.

Kevin Magnussen: Von der reinen Punktzahl betrachtet ist der Däne ein Verlierer des Saisonstarts. Allerdings gilt es auch zu berücksichtigen, dass Kevin Magnussen in der Winterpause das Team wechselte und sich jetzt mit dem Haas-Boliden abmühen muss, mit dem auch ein Fahrer des Kalibers von Romain Grosjean zu kämpfen hat. Wirklich positiv macht das den Saisonstart des Haas-Piloten aber auch nicht.

Palmer steht nach fünf Rennen 2017 ohne Punkte auf dem Konto - Foto: Sutton

Jolyon Palmer: Wie schon im vergangenen Jahr gelang es Jolyon Palmer in den ersten fünf Rennen nicht zu punkten. Sein Teamkollege Nico Hülkenberg zeigte hingegen, dass das mit dem Renault-Boliden durchaus möglich ist. Der Deutsche hatte sogar mehrmals in den Rennen Pech, sodass ihm mehr Punkte verwehrt blieben.

Marcus Ericsson: Ebenso blieb Marcus Ericsson im ersten Saisonviertel punktlos. Allerdings kämpft der Schwede auch mit deutlich schlechterem Material. In Spanien verpasste Ericsson zudem auf dem elften Rang nur knapp seinen ersten WM-Punkt seit Monza 2015.

Die Fahrer - Rookies

Esteban Ocon zeigte von Beginn an starke und konstante Leistungen - Foto: Sutton

Esteban Ocon: Würde man Esteban Ocon einordnen, so würde er klar zu den Gewinnern zählen. Nach fünf Rennen liegt der Franzose mit 19 Zählern auf dem achten Rang und schlägt sich trotz des Erfahrungsrückstandes tapfer gegen Sergio Perez. Klar ist: Ocon hat sich zur richtigen Zeit für das richtige Team entschieden.

Stoffel Vandoorne: Zwar bestritt Stoffel Vandoorne im vergangenen Jahr ein Rennen und holte auch einen WM-Zähler, doch der Belgier ist mit sechs bestrittenen GP nach wie vor ein F1-Rookie. Daher ist es umso ärgerlicher, dass er durch ein unzuverlässiges Auto daran gehindert wird, mehr Erfahrung zu sammeln.

Lance Stroll: Das Urteil für Lance Stroll ist relativ hart. Gegen Felipe Massa sieht er nicht die geringste Chance und der Brasilianer ist nicht mehr in seiner Höchstform. Der Kanadier fiel schon bei den Tests mehr durch Unfälle als durch gute Leistungen auf. In den ersten fünf Rennen hat er noch keine gute Leistung gezeigt.


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