Formel 1 - WM-Duell: Vettel und Hamilton setzen sich ab

Räikkönen und Bottas nur Statisten?

In fünf Saisonrennen nahm der WM-Kampf bereits einige Wendungen. Nach dem Spanien GP deutet alles auf einen Zweikampf. Motorsport-Magazin.com blickt zurück.
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Motorsport-Magazin.com - Genau ein Viertel der Formel-1-Saison 2017 ist absolviert. Und in der WM deutet sich ein echter Kampf zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton an. Zum ersten Mal seit Einführung der Hybrid-Motoren besteht das WM-Duell also nicht aus zwei Teamkollegen. Ein großer Gewinn für die Königsklasse, sollte Ferrari das Entwicklungstempo von Mercedes mitgehen können. Aktuell trennen die beiden Kontrahenten gerade einmal sechs Punkte. Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas mussten in Barcelona einen schweren Rückschlag hinnehmen. Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf die Entwicklung der WM-Situation.

Australien: Mercedes erstmals seit Malaysia 2014 nicht vorne

Vor der Saison war Ferrari bestenfalls Außenseiter, doch bereits beim ersten Rennen in Australien deutete sich die Geschichte der Saison an. Hamilton gegen Vettel, Mercedes unter ungewohntem Druck. Und Druck erzeugt Fehler. Die Silberpfeile patzten bei der Strategie, die Führung verschwand im Verkehr hinter Max Verstappen. Ferrari stoppte später und plötzlich war Vettel in Führung. Statt eines Angriffes zog der Deutsche auf und davon, siegte und setzte sich in der WM an die Spitze. Zum ersten Mal seit dem Malaysia GP 2014 war Mercedes plötzlich in der Verfolgerrolle.

Sebastian Vettel gewann in Australien - Foto: Ferrari

Doch die Blicke waren in Australien auch auf den Nachfolger von Weltmeister Nico Rosberg gerichtet. Würde er es schaffen, die großen Fußstapfen erwartungsgemäß auszufüllen? Oder würde er am Druck zerbrechen? Im ersten Rennen unter silberner Flagge fuhr Bottas sofort auf Platz drei. Niki Lauda sah ihn sofort auf Rosberg-Niveau. "Da kommt noch mehr. Das war nur das erste Rennen, ich kann mich noch stark verbessern", antwortete Bottas darauf.

China: Hamilton dreht Spieß um

In China aber verbarg er diese Verbesserung zumindest im Rennen. Während der Safety-Car-Phase drehte er sich von der Strecke und musste danach Kritik über sich ergehen lassen. An der Spitze aber brillierte dieses Mal Lewis Hamilton, der vom Start weg dominierte. Sebastian Vettel hatte dieses Mal Pech, betrieb mit Platz zwei aber maximale Schadensbegrenzung.

In China schlug Lewis Hamilton zurück - Foto: Sutton
Natürlich will er mich da draußen töten und besiegen. Das gilt auch andersherum.
Lewis Hamilton über Sebastian Vettel

Die Konturen der Saison schärften sich allmählich, und das Vokabular wurde deftiger. "Natürlich will er mich da draußen töten und besiegen. Das gilt auch andersherum", stellte Lewis Hamilton klar, um im selben Atemzug aber die gegenseitige Wertschätzung hervorzuheben. Vettel gab sich bescheiden. "Einmal waren wir jetzt davor, einmal dahinter. Ich versuche, die Dinge nicht zu verkomplizieren. Schauen wir einfach, was nächste Woche passiert", sagte Vettel mit Blick auf den Bahrain GP.

Dessen Teamkollege Kimi Räikkönen kam in den ersten zwei Rennen gar nicht in Tritt, in China folgte sogar eine Schelte aus der Chefetage. Der Finne drohte, bereits früh in der Saison den Nummer-2-Status zu erhalten. Auch sein Gegenpart Bottas spürte nach seinem Fehler erstmals etwas Gegenwind.

Bahrain: Teamorder gegen Bottas, Vettel triumphiert

Dies änderte sich aber in Bahrain, als Bottas erstmals auf Pole fuhr. Hamilton geschlagen, Durchbruch gelungen? Noch nicht, denn im Rennen hatte Bottas Pech. Ein kaputter Generator vermasselte seinen ersten Stint, danach nahm er die härteren Reifen, was seinem Auto gar nicht entgegenkam. Und schlussendlich musste Bottas auch noch eine Teamorder über sich ergehen lassen. Denn der Kampf um den Sieg spielte sich mal wieder zwischen Hamilton und Vettel ab. Wieder war es die Strategie, die das Rennen entschied. Per klassischem Undercut kam der Ferrari-Pilot an den Mercedes-Piloten vorbei.

Bahrain: Bottas muss Hamilton Platz machen - Foto: Mercedes-Benz

Pünktlich zum Osterfest war klar: Ferrari ist keine Eintagsfliege. Drei Strecken, drei komplett unterschiedliche Bedingungen, und Ferrari war immer vorne dabei. Doch eine Kampfansage in Richtung WM kam immer noch nicht. "Das schaue ich mir nicht an, es ist noch eine lange Saison", stellte Vettel klar. Apropos Ferrari: Kimi Räikkönen wartete zu diesem Zeitpunkt noch immer auf seinen ersten Podestplatz. Die kritischen Stimmen wurden lauter.

Russland: Statisten schlagen zurück

Doch in Russland schlug dann die Stunde der vermeintlichen Statisten. Valtteri Bottas legte nach Rang zwei im Qualifying einen fulminanten Start hin und diktierte das Rennen fortan bis zur Zieldurchfahrt. Erster Sieg im 81. Rennen für den Rosberg-Nachfolger. Und Kimi Räikkönen zeigte sein bestes Wochenende der Saison, welches mit Platz drei belohnt wurde. Großer Verlierer war Lewis Hamilton, der das gesamte Wochenende über nicht zurechtkam und nur Platz vier belegte. Genug Trost für Vettel, der seinen dritten Saisonsieg verpasste.

Kleine Details können einen großen Unterschied in der Endabrechnung machen.
Kimi Räikkönen

Nach dem vierten Rennen der Saison lagen alle vier Fahrer innerhalb von 37 Punkten. Es bahnte sich ein echter Thriller an. "Kleine Details können einen großen Unterschied in der Endabrechnung machen", wusste Räikkönen damals bereits. Was er nicht wusste, war, dass nur zwei Wochen später ein empfindlicher Rückschlag auf ihn warten sollte.

In Sochi schlug die große Stunde für Valtteri Bottas - Foto: Sutton

Spanien: Bittere Ausfälle für Bottas und Räikkönen

Denn in Barcelona schieden sowohl Bottas, als auch Räikkönen aus. Am Auto des silbernen Finnen versagte der Motor seinen Dienst, während der rote Finne eben von Bottas in der Startphase in eine Karambolage mit Max Verstappen gedrängt wurde. An der Spitze war also wieder einmal die Zeit des Mega-Duells gekommen. Und zum ersten Mal kam es zum direkten Aufeinandertreffen auf der Strecke, Rad an Rad. Hamilton gewann das Rennen und verkürzte den Rückstand auf Vettel in der WM auf sechs Zähler. Dies spiele aber ohnehin keine Rolle, meinte Hamilton.

Es ist nicht wichtig, dass ich die WM nach dem nächsten Rennen anführe, sondern nach dem letzten Rennen.
Lewis Hamilton

"Es ist nicht wichtig, dass ich die WM nach dem nächsten Rennen anführe, sondern nach dem letzten Rennen", stellte er klar. Entsprechend gäbe es auch keine taktischen Spielereien. Vettels Vorsprung auf Bottas ist durch dessen Ausfall auf 41 Punkte angewachsen, Räikkönen fehlen sogar bereits 55 Zähler. Doch noch sind drei Viertel der Saison zu fahren. Schon in Monaco könnte es die nächste Wendung geben.


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