Formel 1 - Ferrari außer Form: Vettel hadert mit sich selbst

Nicht mehr Kapitän des eigenen Schiffs

Sebastian Vettel übt sich nach dem Trainingsfreitag zum Spanien GP in Barcelona in Selbstkritik. Wohin ist die sonst so starke Ferrari-Frühform verschwunden?
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Motorsport-Magazin.com - Zuletzt in Russland am Freitag und Samstag noch unantastbar dominant, muss sich Ferrari zwei Wochen später in Spanien mit einem mauen Freien Training abfinden. Auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya kommt Mercedes weitaus besser in Fahrt. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Session bilden die Silberpfeile die Doppelspitze vor dem Ferrari-Duo.

Am Vormittag fehlt der Scuderia fast eine ganze Sekunde auf Silber, am wichtigeren Nachmittag ist der Rückstand immerhin geschmolzen. Doch sieht Ferrari mit drei Zehnteln Rückstand für Kimi Räikkönen und noch einer mehr für Sebastian Vettel auf Lewis Hamiltons Bestzeit alles andere als in Spitzen-Verfassung aus.

Ich hatte etwas mit dem Rhythmus zu kämpfen, mit der Balance des Autos und mit den Bedingungen - mehr ich als das Auto.
Sebastian Vettel

"Ich bin heute nicht zufrieden. Es war sehr schwierig und rutschig. Das Auto war nicht gut", kommentiert Vettel seinen Tag. Hörbar angefressen stellt sich der Deutsche den Interview-Fragen kurz nach einem wilden Ausritt durchs Kiesbett Ende FP2, macht er sich doch auch selbst für den Rückstand verantwortlich. "Ich hatte etwas mit dem Rhythmus zu kämpfen, mit der Balance des Autos und mit den Bedingungen - mehr ich als das Auto. Ich habe nicht alles zusammen bekommen", gesteht Vettel.

Ferraris Vorschau auf den Spanien GP in Barcelona: (01:28 Min.)

Vettel sicher: Ferrari kann mit Mercedes kämpfen

Grundsätzlich sehe er in seinem Ferrari aber durchaus Potential, mit Mercedes zu kämpfen. "Ich weiß nicht, was Mercedes gemacht hat. Was die Zeitabstände angeht habe ich nicht so drauf geschaut. Es wird sich zwischen ihnen und uns entscheiden. Ich war nicht glücklich, aber es steckt noch viel drin, das ich noch nicht gefunden habe. Das Auto fühlt sich schon schnell an, wir haben es nur nicht abgerufen. Das müssen wir jetzt ansehen. Ich denke, wir können da noch ein bisschen zulegen", sagt Vettel.

Ich habe mich nicht immer als Kapitän des Schiffs gefühlt.
Sebastian Vettel

Doch nicht nur er selbst machte sich in Barcelona das Leben selbst schwer, sondern auch die delikaten Wetter- und Streckenbedingungen. "Ich habe mich nicht immer als Kapitän des Schiffs gefühlt, manchmal hat es sich angefühlt, als würde jemand mein Schiff steuern. Aber ich hoffe der verschwindet morgen - wer auch immer das war", übt sich Vettel in Galgenhumor light.

Bei Kimi Räikkönen lief es im Spanien-Training einen Tick besser als bei Vettel - Foto: Sutton

Räikkönen: Schneller als Vettel, aber unzufrieden

Besser aufgelegt als Vettel präsentierte sich indessen Kimi Räikkönen. Nicht nur seine schnellste Runde war besser als die seines Teamkollegen, auch im Longrun hatte der Finne die Nase zumindest auf Augenhöhe. Dennoch hadert auch der Iceman mit seinem Training, wunderte sich schon während der Session über die gefühlt schwache Performance.

Wir können jetzt ein paar Dinge versuchen und kommen dann hoffentlich morgen damit klar.

"Es war ein schwieriger Tag. Die Bedingungen waren tricky, besonders am Ende", sagt Räikkönen, relativiert jedoch: "Aber das ist hier immer so. Bei den Testfahrten lief alles gut, aber dann kommst du hier her wenn es wärmer ist und schon ist es rutschig." Für das restliche Wochenende wirkt Räikkönen nicht vollends überzeugt von einer Besserung: "Wir können jetzt ein paar Dinge versuchen und kommen dann hoffentlich morgen damit klar."

Ende FP1 war bei Vettel Schieben angesagt - Foto: Sutton

Vettel über Ferrari-Updates: Qualität statt Quantität

Eine Anspielung auch auf die Updates am Ferrari. Ärgerlich seien die unwirtlichen Bedingungen gerade wegen dieser in Barcelona üblichen, größeren Neuerungen gewesen, ergänzt Vettel. "Wir haben mal so probiert, dann mal so. Es ist im Moment noch schwer zu sagen, aber es scheint alles hinzukommen", sagt Vettel, vorsichtig optimistisch. Besorgt wegen des augenscheinlich viel größeren Pakets an Neuerungen bei Mercedes ist Vettel indessen nicht. "Ich denke, es kommt nicht darauf an wer die meisten, sondern wer die besten gebracht hat. Manche sind sichtbarer als andere. Ich bin zufrieden mit dem was wir haben", sagt der Ferrari-Star.

"Wir wären aber gerne mehr damit gefahren", sagt Vettel mit Blick auf die schwierigen Bedingungen. "Das war heute war es ein ziemlicher Schock, wenn du dir die Longruns anschaust. Ich habe nur einen sehr kurzen fahren können. Am Ende noch auf dem Medium - das war ziemlich rutschig. Und auf dem Soft hatten wir viel mit dem Verschleiß zu kämpfen, aber auch die anderen."

Ich dachte erst, es sei etwas am Getriebe, aber das war es doch nicht.
Sebastian Vettel

Für eine kurze Unterbrechung im Ferrari-Programm sorgte noch dazu ein Zwischenfall am Vormittag. Plötzlich blieb Vettel am Boxenausgang stehen, funkte, das Getriebe sei defekt. Später stellte sich heraus: Entwarnung, es war nur ein defektes Rad. "Wir hatten ein Problem hinten links an Aufhängung und konnten es dann relativ schnell beheben. Ich dachte erst, es sei etwas am Getriebe, aber das war es dann doch nicht", klärt Vettel auf.


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