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Formel 1 - Interview - Danner: Ferrari muss nicht mehr auf Fehler hoffen

Seb hat echt gebissen!

Christian Danner analysiert für Motorsport-Magazin.com den Australien GP: Was ging bei Mercedes schief, wie stark ist Ferrari und wo hat Red Bull Probleme.
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Motorsport-Magazin.com - Christian, beim Start dachten alle, das Rennen sei schon gelaufen...
Christian Danner: Ja, stimmt. Die Mercedes haben sich prophylaktisch gegen einen Undercut verteidigt. Das ging aber ein bisschen in die Hose. Erstens wegen des Verkehrs, was ich aber nicht ganz verstehe: Normalerweise weiß Mercedes genau, wer wann und wie aus der Box rauskommt. Auch wichtig: Gegen Rennende hatte Hamilton ein paar Probleme mit den Reifen.

Und Vettels Leistung?
Christian Danner: Sebastian ist großartig gefahren. Besonders gut gefallen hat mir, dass er nicht locker gelassen hat, als Hamilton vor ihm fuhr. Danach hat Seb dann auch nicht lockergelassen. Der hat echt gebissen! Ein bisschen Glück hat er natürlich auch gehabt.

Lag es auch an Ferraris Pace im Rennen?
Christian Danner: Eines hat sich ganz klar bewahrheitet: Mercedes ist in der Dirty Air schlechter als Ferrari, auch beim Überrunden. Ansonsten hätte Hamilton doch an Verstappen vorbeikommen müssen. Das war eindeutig. So könnte es immer laufen. Seb muss im Prinzip immer nur schauen, dass die Mercedes hinter einem anderen Auto herfahren.

Erster Sieg für Ferrari seit Singapur 2015 - Foto: Sutton

Ist Ferrari jetzt das Team, das es zu schlagen gilt?
Christian Danner: Der Albert Park ist eine sehr spezielle Strecke. Warten wir mal ab, was in China oder Bahrain passiert. In Shanghai spielen die Temperaturen mit Blick auf die Reifen immer eine gewisse Rolle. Bahrain gehört zu den Standard-Strecken. Da wissen wir schon eher, was los ist in der Formel 1. Ich sehe Ferrari jetzt nicht groß im Vorteil. Sie können mithalten, das ist schon mal gut. Und: Sie müssen jetzt nicht mehr so eklatant auf einen Fehler der Konkurrenz hoffen wie früher in Malaysia. Sie sind näher dran und können Mercedes unter Druck setzen. Und das hat dazu geführt, dass die jetzt mit dem frühen Boxenstopp einen kleinen Fehler gemacht haben.

Wie war Bottas bei seinem Debüt für Mercedes?
Christian Danner: Bottas ist stark gefahren hier. Das muss man sich einmal vorstellen: Der war aus dem Stand auf Rosberg-Niveau. Mein Kompliment! Das ist ein richtig harter Bursche. Wenn man sich allein mal anschaut, wie unzufrieden er nach dem Qualfiying war.

Valtteri Bottas konnte beim Mercedes-Debüt gut mithalten - Foto: Sutton

Red Bull war das ganze Wochenende unzufrieden...
Christian Danner: Schwierig. Verstappen ist im Rennen ja zweitweise nur so schnell gefahren, weil er Supersoft-Reifen aufgezogen hatte. Das hat sich ja sonst keiner getraut. Red Bull hat aktuell verschiedene Baustellen. Das ist ja nicht nur der Motor von Renault, sondern auch das eigene Konzept mit der Aufhängung, dem Aero-Mapping und so weiter. Dem Team steht definitiv noch viel Arbeit bevor.

Wie hat Ihnen allgemein das erste Rennen der neuen Saison gefallen?
Christian Danner: Es hat mir ausgesprochen gut gefallen, weil ich mich als Kommentator wieder auf die Dinge besinnen konnte, auf die es ankommt: Was macht der Kerl da im Cockpit eigentlich? Das ist nach wie vor das Tollste, das es gibt. Ja, Undercuts, Strategien und nachlassende Reifen sind interessante Themen, aber jetzt konnten die Fahrer bis zum Schluss hart fahren - und das gefällt mir eben noch besser.


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