Formel 1 - Wolff sicher: Bottas und Hamilton funktioniert

Bottas nimmt Rosbergs Rolle ein

Mercedes hat einen turbulenten Winter hinter sich: Spontane Fahrersuche, Abgang von Paddy Lowe und nebenbei ein neues Auto. Doch Dramen blieben aus - bislang.
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Motorsport-Magazin.com - Mercedes hat einen anstrengenden Winter hinter sich. Nicht nur, weil die Regeländerungen zur Saison 2017 ein komplett neues Auto erfordern, auch wegen teaminterner Aufgaben. "Wegen Nicos Rücktritt gab es diesmal keine Ferien", so Mercedes Motorsportchef Toto Wolff. "Die Saisons gingen nahtlos ineinander über, es gab keine Zeit zu relaxen und um die Batterien aufzuladen."

Mit seinem überraschenden Rücktritt Anfang Dezember stellte Nico Rosberg sein Team vor eine große Aufgabe. Trotz des leergefegten Fahrermarktes musste ein adäquater Ersatz für den Weltmeister gefunden werden. Mercedes entschied sich letztendlich nicht für die interne Lösung mit Pascal Wehrlein, sondern holte Valtteri Bottas aus seinem Vertrag mit Williams.

Auch zwischen Hamilton und Rosberg krachte es ab und zu - Foto: Sutton

Dass es nicht Wehrlein, sondern Bottas wurde, hat vorwiegend menschliche Gründe. "Die Balance zwischen Valtteri und Lewis funktioniert", konstatiert Wolff. "Sie sind zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Für uns war es wichtig, Nicos Lücke zu füllen. Und Nico hatte eine bestimmte Rolle im Team und Valtteri passt da gut rein."

Während Hamilton seit vier Jahren der Heißsporn bei Mercedes ist, war Rosberg stets der besonnene Teamplayer. Der Deutsche hielt sich an Abmachungen und folgte Anweisungen vom Kommandostand, der britische Superstar setzte öfter seinen eigenen Willen durch. Zwei Heißsporne, das wollte Mercedes verhindern. "Lewis und Pascal wären eine explosive Mischung", gab Wolff selbst zu.

Bei der Fahrerpaarung Bottas/Hamilton sieht Wolff diese Gefahr nicht: "Wir glauben, dass die Interaktion, die Dynamik zwischen den Fahrern gut funktionieren wird. Sie respektieren sich gegenseitig. Soweit ich gesehen habe, hat sich Valtteri gut eingelebt."

Die Personalabteilung hatte im Winter aber nicht nur mit den prominentesten Angestellten zu tun. "Die Fahrerfrage war schwierig, aber auch Paddy Lowe", meint Wolff. "Man muss genau evaluieren, welche Schritte man unternimmt, um das Team in Zukunft stärker zu machen." Technikchef Lowe verlässt die Silberpfeile in Richtung Williams. Mit James Allison soll sein Nachfolger bereits parat stehen.

Wolff: Haben uns aggressive Ziele gesetzt

Toto Wolff im Interview: Bottas, Hamilton & das neue Auto: (6:42 Min.)

Derweil laufen in Brackley und Brixworth die letzten Vorbereitungen für den neuen Silberpfeil auch ohne Technik-Chef. "Es gibt keine größeren Dramen", bestätigt Wolff. "Die Fabriken geben Vollgas, um beim Motor und beim Chassis die Performance-Ziele zu erreichen, die wir uns selbst gesetzt haben und um das Auto zuverlässiger zu machen. Wir haben uns selbst aggressive Ziele gesetzt, wo wir glauben, dass das Auto sein sollte. Wir geben alles, um diese Ziele zu erreichen, aber die Frage ist: Werden diese Ziele genug sein oder werden andere Teams besser aus dem Startblock kommen?"

Auch nach drei Jahren der absoluten Dominanz mit 51 Mercedes-Siegen in 59 Rennen hält in Brackley die Selbstgefälligkeit nicht Einzug - das Erfolgsgeheimnis des Teams. "Ob es eine Regeländerung gibt oder nicht: Das ist immer die Zeit im Jahr, in der wir sehr skeptisch sind und in der wir uns selbst hinterfragen, ob der Job, den wir gemacht haben, gut genug ist. Das ist die Mentalität des Teams. Das macht unsere Tage nicht angenehmer, aber so funktionieren wir."


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