Formel 1 - Bottas oder Wehrlein: Wer ist besser für Mercedes?

Großes Vertrauen in Wehrleins Talent

Valtteri Bottas oder Pascal Wehrlein: Wer wäre der bessere Nachfolger von Nico Rosberg bei Mercedes? Motorsport-Magazin.com hat sich in der Formel 1 umgehört.
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Die Formel-1-Welt wartet seit Wochen gespannt darauf, wer Nico Rosberg ab 2017 bei Mercedes beerben wird. Aktuell zeigt die Tendenz stark in Richtung Valtteri Bottas. Aber wäre der Williams-Pilot wirklich die bessere Lösung als Mercedes-Junior Pascal Wehrlein? Motorsport-Magazin.com hat die Stimmen zum Duell um das freie Cockpit bei den Silberpfeilen.

Christian Danner zu Motorsport-Magazin.com: "Ich persönlich hätte am liebsten Nico Hülkenberg bei Mercedes gesehen. Nachdem Frederic Vasseur bei Renault weg ist, hatte ich irgendwie gehofft, dass Nico in seinem Vertrag eine Klausel hat, mit der auch er gehen kann. Nico wäre der Beste und würde sofort aufs Podest fahren. Nachdem es Hülkenberg nicht wird, müssen wir uns zwischen Bottas und Wehrlein entscheiden. Aus deutscher Sicht hätte ich natürlich sehr gern den Wehrlein gesehen. Wenn Mercedes derart in den Nachwuchs investiert und es einen solch talentierten Nachwuchsfahrer gibt, wäre es schon schön, wenn der dann auch mal ganz oben ankommen würde.

Ich glaube, dass Mercedes eine Kategorie sucht, die Wehrlein noch nicht betreten hat.
Christian Danner

Ich glaube aber, dass es zu 100 Prozent Bottas werden wird, weil er über ein Erfolgs- und Erfahrungs-Konto verfügt. Das entspricht dem Profil des zweiten Fahrers hinter Hamilton viel mehr als das, was Wehrlein zu bieten hat. Ein Team weiß heutzutage ganz genau, wie schnell ein Fahrer ist und was er kann. Die Strategieabteilung rund um James Vowles hat seit Jahren jede Runde von jedem Fahrer vergleichsweise in ein Verhältnis gebracht. Die Bewertung der Ingenieure ist heute also nicht mehr auf ein Bauchgefühl oder Ähnliches zurückzuführen, sondern auf glasklare Daten. Und diese Daten sprechen meiner Meinung nach logischerweise und dramatisch für Bottas. Heißt: Mercedes kann es sich gar nicht leisten, irgendeinen anderen Fahrer als ihn ins Auto zu setzen. Ich glaube, dass Mercedes eine Kategorie sucht, die Wehrlein noch nicht betreten hat."

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Manuel Reuter zu Motorsport-Magazin.com: "Pascal ist ein Mercedes-Mann, ein Deutscher, ein richtig smarter Junge und obendrein günstiger zu haben als Bottas: Deshalb muss er die Wahl für Mercedes sein. Er ist mit relativ wenig Erfahrung aus der Formel 3 in die DTM eingestiegen und hat vom ersten Rennwochenende an performt. Das war sensationell. Was er drauf hat, hat er dann ja auch relativ schnell mit dem Gewinn der Meisterschaft gezeigt. Und wer die Hintergründe kennt, weiß: Es ist nicht einfach, sich bei HWA gegen die erfahrenen Teamkollegen durchzusetzen. Das zeugt davon, dass er mit Druck umgehen kann. In der Formel 1 hat Pascal dann im schlechtesten Team sensationelle Ergebnisse eingefahren. Und für Mercedes selbst hat er richtig gute Testarbeit im Simulator und auf der Strecke abgeliefert.

Das Argument, dass Mercedes wegen des neuen Reglements einen erfahrenen Piloten braucht, lasse ich nicht gelten.
Manuel Reuter

Das Argument, dass Mercedes wegen des neuen Reglements einen erfahrenen Piloten braucht, lasse ich nicht gelten. Letztendlich kommt es darauf an, einen Fahrer mit dem ultimativen Speed zu haben. Das ist das entscheidende Kriterium. Da hat Pascal sicherlich ein größeres Potenzial als Bottas. Man denke nur an Verstappen, der seine Chance genutzt hat. Genau das traue ich Pascal auch zu. Sollte er dann nicht abliefern, kann ihn Mercedes nach einem Jahr immer noch durch einen erfahreneren Mann ersetzen."

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Norbert Haug zu Motorsport-Magazin.com:"Ich habe Pascal damals in die DTM geholt. Wenn ich ihm nicht zugetraut hätte, dass er das Potenzial hat, hätte ich das auch nicht gemacht. Er hat sich sicher weiterentwickelt. Aber er muss jetzt von denen, die ihn zu beurteilen haben, beurteilt werden. Es nutzt nichts, wenn ich das tue. Die Verantwortlichen - Toto Wolff und sein Team - werden das richtig machen. Sie werden ganz genau evaluieren, wer in Frage kommt und sicher die richtige Entscheidung treffen."

Red Bulls Helmut Marko zu Motorsport-Magazin.com: "Die machen ein - im Vergleich zu unserem - aufwändiges Junior-Programm. Dann gibt es die Chance, dass einer dieser Junioren das Cockpit erhält und man sieht sich in der restlichen Welt um. Wie ist das zu verstehen?"

Gerhard Berger bei Auto-Motor-und-Sport: "Ich hätte Wehrlein genommen. Weil ich damit mein Nachwuchsprogramm unterstreiche. Wehrlein gab in diesem Programm ein überzeugendes Bild ab. Wie gut er wirklich ist, kann man sowieso erst sehen, wenn er in einem Top-Auto sitzt. Wehrlein ist im Vergleich zu Bottas sicher ein Risiko. Vielleicht ist deshalb die gescheiteste Lösung nicht immer die nahe liegende und die richtige. Ich halte viel von Bottas. Er ist schnell, ein guter Teamplayer, ein netter Kerl und hat die Chance verdient, sich zu beweisen. Auf der anderen Seite hat er sich von Massa nicht genügend abgesetzt um sich sagen zu können: Er ist der Richtige."

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Nico Rosberg: "Beide sind sicher super Fahrer. Pascal ist eine deutsche Hoffnung für die Zukunft und auch durch den ADAC gefördert. Bei Bottas hingegen weiß man ein bisschen mehr, was man hat. Er ist etwas mehr die sicherere Karte. Aber beide wären eine gute Lösung."

Bei Bottas weiß man ein bisschen mehr, was man hat. Er ist etwas mehr die sicherere Karte.
Nico Rosberg

Lewis Hamilton: "Bringt mir Sebastian, bringt Fernando, wen auch immer sie haben wollen. Ich bin in meinem ersten Jahr gegen Fernando gefahren und habe ihn geschlagen. Das ist also keine Sorge für mich. Ich freue mich, gegen jeden zu fahren. Aber wenn man schaut, was das Beste fürs Team ist, ist das wahrscheinlich nicht die beste Idee. Ich hatte Erfahrungen in der Vergangenheit, die ich einem Team absolut nicht empfehlen würde. Wir haben von Zeit zu Zeit bei anderen Teams gesehen, dass Erz-Rivalitäten zwischen Fahrern einen vergifteten Effekt haben können."

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Marko gegen Lauda bei Servus TV:

Marko: "Ihr habt ein Juniorprogramm und einen hoch geschätzten Herrn Wehrlein. Und dieser Herr Wehrlein kommt laut unseren Informationen nach nicht zum Zug. Das heißt, ihr traut eurem eigenen Juniorprogramm nicht."

Lauda: "Nein, da muss ich korrigieren. Ein Juniorprogramm ist ein Juniorprogramm. Da fängst du an, junge Rennfahrer zu motivieren und zum Team zu bringen, damit sie Erfahrung sammeln. Man kann jetzt darüber diskutieren, ob Wehrlein soweit ist oder nicht. Aber er ist in unserem Juniorprogramm. Ich möchte an Verstappen erinnern, den du bei Toro Rosso geparkt hast, bis er richtig vorn war. Dann hast du ihn rüber geholt."

Marko: "Ihr habt Pascal hat auch bei Manor fahren lassen. Also traut ihr es dem Wehrlein nicht zu..."

Lauda: "Das sage ich jetzt nicht. Aber er ist sehr, sehr jung."

Marko: "Ja, aber: No risk, no fun. Ihr nehmt den Valtteri Bottas, müsst dafür einen zweistelligen Millionenbetrag in Form eines Motoren-Rabatts an Williams spenden. Gut, ihr habt ein Budget von 22 Millionen, das euch der Rosberg gekostet hat. Ihr müsst aber den Wehrlein noch dazu bei einem Team, das einen Konkurrenz-Motor fährt, für einen relativ hohen Betrag einkaufen."


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