Formel 1 - Abu Dhabi GP: Die neun Antworten zum Rennen

Hamilton-Schleichfahrt, Ferrari-Strategie, Palmer-Strafe

Nico Rosberg ist Weltmeister 2016. Doch das Rennen war keine Spazierfahrt. Die Antworten zum Finale gibt es hier.
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Wie verlief das Rennen für Nico Rosberg?

Ziemlich stressig. Nach dem Start verblieb Rosberg auf Rang zwei. Nach dem ersten Boxenstopp aber fiel er hinter Max Verstappen zurück, der erst später seine Reifen wechselte. Rosberg kam lange nicht am Niederländer vorbei, riskierte in Runde 20 dann aber doch ein Manöver. Dieses gelang, sogar ohne Berührung. "Das war großartiges Fairplay, Reifen an Reifen. Ein unglaubliches Gefühl in dem Moment, so intensiv. Das habe ich noch nie gefühlt", sagte Rosberg hinterher.

Es war echt extrem die letzten Runden, große Emotionen. Das war nicht sehr angenehm, als die beiden da noch ankamen.
Nico Rosberg

Als der zweite Boxenstopp erledigt war, schien Rosberg einem ungefährdeten zweiten Platz entgegenzufahren. Doch an der Spitze fuhr Lewis Hamilton so langsam, dass die Verfolger um Max Verstappen und Sebastian Vettel noch aufschließen konnten! Es entwickelten sich extrem spannende Schlussrunden. Denn wären beide an Rosberg vorbeigekommen, wäre Hamilton mit einem Sieg Weltmeister gewesen. "Es war echt extrem die letzten Runden, große Emotionen. Das war nicht sehr angenehm, als die beiden da noch ankamen", pustete Rosberg nach dem Rennen kräftig durch.

Warum fuhr Lewis Hamilton so langsam?

Lewis Hamilton legte eine Schleichfahrt an der Spitze hin - Foto: Sutton

Statt an der Spitze vorneweg zu rasen, ließ es Lewis Hamilton in Abu Dhabi bedächtiger angehen. Sogar sehr bedächtig. In der Schlussphase drosselte der Brite das Tempo extrem. Der Grund ist recht simpel: Hamilton wollte Rosberg unter Druck durch die Verfolger bringen. Denn ein noch so überlegener Sieg hätte Hamilton in der WM nichts gebracht, wenn Rosberg Zweiter geworden wäre. Und so wollte er die Konkurrenz in Angriffsposition gegen Rosberg bringen - was auch gelang. Max Verstappen und Sebastian Vettel waren am Ende sehr nah am Deutschen dran, ein Überholmanöver jedoch gelang nicht mehr.

Ich hatte gehofft, dass Seb dann die Pace mitgehen und da noch was ausrichten kann.
Lewis Hamilton

"Ich wusste: Wenn ich führe, verliere ich die WM. Ich hatte gehofft, dass Seb dann die Pace mitgehen und da noch was ausrichten kann. Er hat aber gesagt, dass die Reifen zu sehr abgebaut haben und Nico hat keinen Fehler gemacht", erklärte ein sichtbar enttäuschter Hamilton. Toto Wolff war von der Fahrweise seines Schützlings gar nicht begeistert. Nicht, weil er Rosberg damit gefährdet habe, sondern den Rennsieg. "Das ist unsere eiserne Regel seit drei Jahren, dass dem Rennsieg alles unterstellt wird. Diese Anweisung hat er missachtet", stellte er klar. Ein gewisses Verständnis zeigte er aber trotzdem.

Wie eng war es am Ende wirklich?

Ganz zum Schluss war es nicht mehr so eng wie etwa fünf Runden vor dem Ende. Max Verstappen war bereits im DRS-Fenster zu Rosberg, als Sebastian Vettel auf frischeren supersoften Reifen von hinten angeflogen kam. Für kurze Zeit waren die beiden also miteinander beschäftigt, Rosberg konnte etwas davon ziehen. Als Vettel aber vorbei war, wurde es brenzlig für den neuen Weltmeister. Der Ferrari-Pilot versuchte mehrfach einen Angriff, den Rosberg aber jeweils abwehren konnte. Entschieden war das Ganze, als Verstappens Reifen abbauten und er abreißen lassen musste. So langsam Hamilton an der Spitze fuhr - Rosberg war in der letzten Runde nicht mehr in Gefahr, von beiden Gegnern überholt zu werden.

Wie kam Sebastian Vettel auf das Podium?

Sebastian Vettel gelang der Sprung auf das Podium - Foto: Sutton

Dass Vettel überhaupt auf das Podium kam, war einer - aufpassen! - guten Strategie von Ferrari zu verdanken. Denn statt im Strom mitzuschwimmen und zweimal auf Softs zu wechseln, zog Ferrari den Mittelstint bei Vettel sehr lang. Somit konnte der viermalige Weltmeister am Schluss die weicheren Supersofts nehmen und flog fortan durch das Feld. Statt Rang sechs gab es für Vettel somit das Podium. Kimi Räikkönen, Daniel Ricciardo und auch Intimfeind Max Verstappen konnten nichts gegen Vettel aussetzen. Die Pace des Ferraris trieb sogar dem Mercedes-Kommandostand die Sorgenfalten auf die Stirn, da die Verantwortlichen den Rennsieg durch Hamiltons Schleichfahrt in Gefahr sahen.

Warum war Kimi Räikkönen der große Verlierer?

So gut Vettels Strategie war, bei Kimi Räikkönen hat sich Ferrari wieder einmal überrumpeln lassen. Red Bull nutzte beim zweiten Boxenstopp die Chance, Daniel Ricciardo früher reinzuholen. Mit dem Undercut kam der Australier am Finnen vorbei, der nur eine Runde später stoppte. Auch Max Verstappen, der auf einer Ein-Stopp-Strategie unterwegs war, kam an Räikkönen vorbei. Statt Rang drei blieb für den Iceman nur der sechste Platz.

Wie verlief das Abschiedsrennen für Jenson Button und Felipe Massa?

Irgendetwas ist kaputtgegangen am Auto, was uns sonst nie passiert. Das ist eine Stärke von unserem Team, aber heute ist es passiert.
Jenson Button

Höchst unterschiedlich. Jenson Button musste bereits nach zwölf Runden aufgeben. Die rechte Vorderradaufhängung gab den Geist auf. Button brachte seinen Boliden zwar noch an die Box zurück, die Mechaniker konnten aber freilich nichts mehr machen. Am Funk äußerte sich der Brite noch fassungslos über die Art des Schadens, ähnlich zeigte er sich später am TV-Mikrofon. "Ich weiß nicht wirklich, was das Problem war. Irgendetwas ist kaputtgegangen am Auto, was uns sonst nie passiert. Das ist eine Stärke von unserem Team, aber heute ist es passiert", so ein enttäuschter Button nach seinem vermutlich letzten Rennen.

Einen deutlich besseren Abschluss legte Felipe Massa hin. Nach einem teaminternen Duell mit Valtteri Bottas zu Rennbeginn ging es für den Brasilianer im weiteren Verlauf bis auf Rang neun, wodurch Massa noch einmal Punkte holte. "Ich bin sehr stolz, dass ich bis zur letzten Runde so gekämpft habe, wie in der ersten Runde meiner Karriere", so Massa nach dem Rennen. Als Abschiedsgeschenk erhält Massa zudem seinen aktuellen Boliden von Williams. "Ich bin mit dem Auto extra sorgsam umgegangen, in dem Wissen, dass es nun meins sein wird", erklärte der Brasilianer.

Felipe Massa fuhr noch einmal in die Punkte - Foto: Sutton

Warum wurde Jolyon Palmer bestraft?

Ausgerechnet, als Jolyon Palmer und Carlos Sainz von der Spitze überrundet wurden, kam es zur Kollision zwischen den beiden. Dabei rauschte der Brite in Renault-Diensten dem Spanier ins Heck. Zunächst konnten beide weiterfahren, ehe kurze Zeit später das Getriebe von Sainz' Boliden den Geist aufgab. Die Rennleitung leitete eine Untersuchung gegen Palmer ein und verhängte gegen ihn eine Fünf-Sekunden-Strafe.

Wer konnte das letzte Saisonrennen nicht beenden?

In dieser Saison gab es bereits Rennen ohne einen einzigen Ausfall, das Finale zählte nicht dazu. Fünf Fahrer konnten das Rennen nicht beenden. Den Anfang machte Kevin Magnussen, der in der Startphase in eine Kollision verwickelt war. Zwar versuchte man durch einen Wechsel des Frontflügels, eine Weiterfahrt zu ermöglichen. Doch nach fünf Runden war Feierabend für den Dänen. Einen Umlauf später musste auch Valtteri Bottas seinen Williams abstellen, seine Aufhängung war gebrochen. Dasselbe Problem ereilte Jenson Button, dessen letztes Rennen ebenfalls durch eine gebrochene Radaufhängung beendet wurde. Ebenfalls nicht das Ziel erreichten beide Toro-Rosso-Piloten. Sowohl bei Daniil Kvyat, als auch bei Carlos Sainz versagte das Getriebe.

Welchen Rekord hat jetzt Stirling Moss?

Insgesamt 23 Siege hatte Nico Rosberg auf dem Konto, ohne einen WM-Titel eingefahren zu haben. Diese Marke ist nun natürlich Geschichte. Neuer Spitzenreiter mit den meisten Rennsiegen ohne Weltmeister-Ehren ist Stirling Moss. Er sammelte 16 Siege ein.


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