Formel 1 - Kvyat: Niemand braucht asphaltierte Auslaufzonen

Schluss mit den kindischen Diskussionen

Asphalt, Wiese, Kiesbetten oder doch Mauern? Daniil Kvyat sieht in asphaltierten Auslaufzonen nur Nachteile für Formel 1 und auch MotoGP.
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Motorsport-Magazin.com - An mehr als nur an einem Rennwochenende der Formel-1-Saison 2016 waren die Track-Limits das große Thema. Vor allem auf Kursen wie dem Hockenheimring nahmen die Diskussionen kein Ende. Beim Regenrennen in Brasilien regelten die Mauern am Eingang der Start- und Zielgeraden, wer weiter im Rennen blieb - etwas, das wohl ganz nach dem Geschmack Bernie Ecclestones war. Der F1-Zampano hatte wenige Wochen zuvor sogar künstlich errichtete Mauern als Streckenbegrenzungen vorgeschlagen. Allerdings steht er mit dieser Meinung nicht alleine da, wie Daniil Kvyat zeigt.

Die kindischen Diskussionen bei den Fahrerbesprechungen hätten ein Ende. Da würden wir alle viel Zeit sparen.
Daniil Kvyat

Wer glaubt, dass die Fahrer, die vermeintlich ausschließlich von asphaltierten Auslaufzonen profitieren, allesamt Fürsprecher dieser sind, irrt. Der Toro-Rosso-Pilot gehört zu denjenigen, die es ähnlich halten, wie die F1-Promoter. "Je mehr Auslaufzonen es gibt, desto mehr wollen wir sie benutzen", so Kvyat, der sich gegenüber Motorsport-Magazin.com deutlich für die Rückkehr von Kiesbetten ausspricht: "Ich halte es für eine gute Idee, Fahrer für das Abkommen von der Strecke zu bestrafen."

Kvyat glaubt außerdem, dass die größere Herausforderung für die Fahrer sich nicht nur bei der Disziplin auf der Rennstrecke bemerkbar machen würde. "Es wäre spektakulärer, weil Fehler bestraft würden. Und auch die kindischen Diskussionen bei den Fahrerbesprechungen hätten ein Ende. Da würden wir alle viel Zeit sparen", so der Russe.

Kvyat rechnet sich durch mehr Kiesbetten ein größeres Spektakel und weniger Diskussionen aus - Foto: Sutton

Kvyat will klassische Strecken, Ricciardo den Hauch 'old school'

Mit einem Rennauto willst du dich weit raustragen lassen. Du hältst dein Auto nicht mit allen vier Rädern auf der Strecke.
Daniel Ricciardo

Stein des Anstoßes waren die in Interlagos für das diesjährige Rennen modifizierten Kerbs. "Ich hatte sie schon beim Trackwalk bemerkt, aber da wollte mir niemand glauben. Sie ändern die Kerbs jetzt jedes Jahr in wenig. Ich bin aber eigentlich kein Fan der geänderten Kerbs", so Kvyat, der sogleich ein Negativbeispiel anführt: "Am Red Bull Ring sind die Auslaufzonen wirklich schlecht und auch die Kerbs."

Stattdessen wünscht er sich eine Rückkehr zum Rennstrecken-Design, wie es an einigen der klassischen und nur geringfügig modifizierten Austragungsorte noch existiert: "Suzuka ist ein gutes Beispiel, da gibt es keine lächerlichen Kerbs." Für seinen ehemaligen Red-Bull-Teamkollegen Daniel Ricciardo scheint das Überfahren der Begrenzungslinien hingegen zum guten Ton zu gehören.

"Mit einem Rennauto willst du dich weit raustragen lassen. Du hältst dein Auto nicht mit allen vier Rädern auf der Strecke. Das fühlt sich nicht natürlich an", so der Australier gegenüber Motorsport-Magazin.com. Den kompletten Exzess wünscht sich Ricciardo, der diese Saison vor allem in Monaco brillierte und dort zeigte, dass er kaum auf weitläufige Auslaufzonen angewiesen ist, allerdings nicht: "In Kurve 8 gibt es in Interlagos einen Rasen-Streifen hinter dem Kerb, das fühlt sich mehr nach 'old school' an."

Kvyat wurde in Österreich Opfer der aggressiven Kerbs - Foto: Sutton

F1 & MotoGP: Keine erhöhte Verletzungsgefahr durch Kiesbetten

Ich habe mich 2015 in Japan überschlagen, aber es ist nichts passiert. Das sieht nur spektakulär aus.
Daniil Kvyat

Kyvat ist der Ansicht, dass eine Rückkehr zum Strecken-Design im Stile der 1990er Jahre auch in Sachen Verletzungsgefahr keinerlei Nachteile mit sich bringen würde. "Ich denke, erst sollte Wiese kommen und dann das Kiesbett. Suzuka ist das perfekte Beispiel dafür, wie es sein sollte", sagt der 22-Jährige. Dass Kiesbetten ein Formel-1-Auto bei hoher Geschwindigkeit oft kaum abbremsen, wenn es beim Ritt durch den Kies den Kontakt zum Boden verliert, und es sich in Folge dessen sogar überschlagen kann, bereit Kvyat keine Sorgen.

"Ich habe mich 2015 in Japan überschlagen, aber es ist nichts passiert. Das sieht nur spektakulär aus. Ich habe danach zig Nachrichten bekommen, ob es mir gut geht. Aber ich hatte nicht einmal einen Kratzer", fügt Kvyat an, der in den klassischen Auslaufzonen auch einen Vorteil für andere Rennserien sieht: "Es wäre wahrscheinlich sogar sicherer, Kiesbetten zu nehmen, weil dann alle etwas langsamer fahren würden. Im Rahmen der MotoGP gab es in Barcelona einen tödlichen Unfall, von dem gesagt wurde, dass die Überlebenschancen des Piloten mit einem Kiesbett höher gewesen wären."

Dementsprechend sieht Kvyat die Notwendigkeit nach einem Tauziehen um die Sicherheit zwischen Zwei- und Vierradsport erst gar nicht: "Normale Wiese und Kiesbetten sind ein guter Kompromiss zwischen Formel 1 und MotoGP. Es gibt keinen Bedarf für riesige Auslaufzonen. In der MotoGP ist es vielleicht noch verständlich, aber in der Formel 1 ruinieren sie viel."


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