Formel 1 - Team für Team - Brasilien GP: Rennen

Wer im Regen-Chaos die Nerven behielt

Unfälle, starke Manöver, mutige Auftritte und falsche Strategien: Wohl kein GP hatte 2016 mehr zu bieten als der in Brasilien. Wir analysieren Team für Team.

Mercedes: Hamilton vertagt die WM-Entscheidung

Fahrer Grid Ergebnis Schn. Runde Stopps MSM-Note
Lewis Hamilton P1 P1 1:25.639 0 1
Nico Rosberg P2 P2 1:26.222 0 2

  • Statistik: Hamilton ist mit 52 F1-Siegen nun alleiniger Zweiter dieser Wertung hinter Michael Schumacher (91), zudem hat er als erster Königsklassen-Pilot auf 24 verschiedenen Strecken gewonnen; es war im 58. Rennen der 50. Sieg von Mercedes im Zeitalter der Power Units
  • Besonderheiten: Hamilton vertagt die WM-Entscheidung; Rosbergs Vorsprung nun: zwölf Punkte, ein 3. Platz in Abu Dhabi würde ihm auf jeden Fall reichen
  • Techn. Probleme: -
  • Strafen: -
  • Lewis Hamilton: "Ich habe soeben zum ersten Mal den Großen Preis von Brasilien gewonnen!"
  • Nico Rosberg: "Lewis hat heute bessere Arbeit abgeliefert und verdient den Sieg."

Lewis Hamilton ließ sich vom Regen- und Crash-Chaos in Sao Paulo nicht beeindrucken und fuhr souverän und fehlerlos zum Sieg. Er verkürzte damit seinen Rückstand auf seinen Teamkollegen in der Weltmeisterschaft um sieben auf nun zwölf Punkte. Der Brite müsste bei einem Sieg zum Saisonfinale in Abu Dhabi mindestens Zweiter werden, davon ausgehend, es reicht nur für Rang neun bei Rosberg. Letzterer wackelte in Brasilien kurz, als er Max Verstappen passieren lassen musste, profitierte dann aber von der verpatzten Reifen-Strategie bei Red Bull. Ihm würde nun ein dritter Platz in Abu Dhabi auf alle Fälle zum Titel reichen.

Red Bull: Verstappen wird Mann des Tages

Verstappen setzte zeitweise sogar Hamilton unter Druck - Foto: Sutton
Fahrer Grid Ergebnis Schn. Runde Stopps MSM-Note
Max Verstappen P4 P3 1:25.305 5 1
Daniel Ricciardo P6 P8 1:25.532 5 3

  • Statistik: Verstappen fuhr die absolut schnellste Rennrunde, die erste in seiner F1-Karriere
  • Besonderheiten: -
  • Techn. Probleme: -
  • Strafen: Ricciardo erhielt fünf Sekunden Zeitstrafe, weil er in die Boxengasse fuhr, obwohl sie gesperrt war, nachdem Marcus Ericsson sein Auto mitten auf der Pit Lane abgestellt hatte
  • Max Verstappen: "Es hat wirklich viel Spaß gemacht, Nico außenherum zu überholen."
  • Daniel Ricciardo: "Es war ein frustrierendes Rennen, da ich nie das Gefühl hatte, auf der richtigen Strategie zu sein."

Red Bull überraschte das restliche Feld mit seiner Reifen-Strategie. Das Team zog Max Verstappen und Daniel Ricciardo Intermediates auf, obwohl die Strecke noch sehr nass war. Damit belegten die beiden Piloten zwar die Plätze eins und zwei in der Kategorie "Schnellste Rennrunde", doch im anhaltenden Regen war es letztlich zu riskant, sodass auf Kosten vieler Positionen erneut gewechselt werden musste. Max Verstappen lieferte ein sensationelles Rennen mit bärenstarken Manövern ab. Im Regen von Sao Paulo fand er gegen alle Konkurrenten die bessere Linie und kam somit fast immer vorbei. Allein die missglückte Strategie verhinderte, dass er um den Sieg mitfahren konnte.

Ferrari: Räikkönen crasht, Vettel von Verstappen vernascht

Für Räikkönen war nach einem Dreher das Rennen frühzeitig beendet - Foto: Sutton
Fahrer Grid Ergebnis Schn. Runde Stopps MSM-Note
Kimi Räikkönen P3 - 1:28.847 0 4
Sebastian Vettel P5 P5 1:26.195 1 3

  • Statistik: Es war Räikkönens 250. F1-Rennen
  • Besonderheiten: Räikkönen sorgte mit seinem Crash für eine Rennunterbrechung und schied aus; Vettel produzierte einen Dreher, bei dem er viele Positionen verlor
  • Techn. Probleme: -
  • Strafen: -
  • Kimi Räikkönen: "Das größte Problem war Aquaplaning, dass ich dort bekam, wo ich es nicht erwartete."
  • Sebastian Vettel: "Es war am Ende noch eine starke Aufholjagd."

Es war einmal mehr nicht das Rennen der Scuderia. Kimi Räikkönen hatte Glück bei seinem Crash auf Start und Ziel, dass ihn keiner der nachfolgenden Fahrer rammte. Er schied aus. Sebastian Vettel warf ein Dreher in der elften Runde, bei dem er kurzzeitig entgegen der Fahrtrichtung stand, weit zurück. Er kämpfte sich zwar wieder nach vorne, musste aber kurz vor dem Ende noch Max Verstappen passieren lassen und wurde letztlich Fünfter, was seiner Startposition entsprach.

Force India: Erneut nutzt Perez die Gunst der Stunde

Hülkenberg verlor durch einen Reifenschaden seine Podiumschancen - Foto: Sutton
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Sergio Perez P9 P4 1:27.093 0 1
Nico Hülkenberg P8 P7 1:26.728 1 2

  • Statistik: -
  • Besonderheiten: Reifenplatzer bei Hülkenberg
  • Techn. Probleme: -
  • Strafen: -
  • Sergio Perez: "Es ist schade in den letzten beiden Runden noch das Podium zu verlieren, aber Max war zu schnell."
  • Nico Hülkenberg: "Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll, denn ich denke wir haben ein mögliches Podium verloren."

Es war wie schon so oft bei Force India: Wenn sich eine Chance nach vorne auftut, ist Sergio Perez da. Der Mexikaner hatte das Qualifying-Duell gegen Nico Hülkenberg knapp verloren. Doch als sich im Regen-Chaos auf dem Autodromo Jose Carlos Pace die Lücke auftat, stach Perez vor bis auf Platz vier. Ohne die fulminante Aufholjagd des Max Verstappen hätte er sogar einen erneuten Podiumsplatz geholt. Hülkenberg hatte dagegen mal wieder Pech mit einem Reifenpatzer in der entscheidenden Phase des Rennens. Er wurde immerhin Siebter.

Williams: Emotionaler Abschied für Massa

Nach seinem frühzeitigen Aus nahm sich Massa zumindest etwas Zeit, um sich zu verabschieden - Foto: Sutton
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Valtteri Bottas P11 P11 1:26.062 2 3
Felipe Massa P13 - 1:26.767 2 3-

  • Statistik: Massas letzter Heim GP endete mit einem Ausfall
  • Besonderheiten: Der Brasilianer crashte kurz vor Schluss
  • Techn. Probleme: -
  • Strafen: Massa bekam zuvor fünf Sekunden aufgebrummt, weil er am Ende der ersten Safety-Car-Phase zu früh überholte
  • Valtteri Bottas: "Wir haben das Auto heile gelassen, aber es war nicht einfach."
  • Felipe Massa: "Es ist unmöglich meine Gefühle nach dem Rennen zu beschreiben."

Die entscheidenden Szenen in Sachen Williams spielten sich nicht auf dem Asphalt ab, sondern knapp daneben. Felipe Massa setzte sein Auto kurz vor Rennende in die Streckenbegrenzung und stieg so unversehrt wie traurig aus. Sein zu Fuß absolvierter Rückweg zur Box bei seinem letzten Heimrennen wurde zur emotionalen Ehrerbietung des Publikums. Mit brasilianischer Flagge und Tränen in den Augen bedankte sich der baldige Formel-1-Rentner bei seinen Fans. Teamkollege Valtteri Bottas kam im Chaos von Sao Paulo gar nicht zurecht. Auch für ihn waren - unter anderem aufgrund der verpatzten Strategie des Rennstalls - keine Punkte drinnen. Das Duell mit Force India um Platz vier in der Konstrukteurswertung dürfte nun verloren sein, obwohl Williams noch am Freitag viel stärker aussah.

McLaren: Button lustlos, Alonso holt einen Punkt

Alonso ärgerte sich im Rennen über Vettel - Foto: Sutton
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Jenson Button P17 P16 1:26.983 3 4-
Fernando Alonso P10 P10 1:27.104 1 3

  • Statistik: -
  • Besonderheiten: Alonsos Dreher kurz vor dem Ende kostete ihn einige Plätze
  • Techn. Probleme: -
  • Strafen: -
  • Jenson Button: "Nach dem heutigen Rennen müssen wir schauen, was mit dem Auto nicht gestimmt hat."
  • Fernando Alonso: "Ich denke wir hatten mehr erwartet."

Auch McLaren dürfte nach dem turbulenten Tag in Brasilien eher enttäuscht sein. Fernando Alonso warf - von Rang zehn gestartet - eine bessere Position aufgrund eines Drehers kurz vor Schluss weg und holte nur einen Punkt. Jenson Button lieferte nach ohnehin bereits sehr dürftigem Qualifying eine eher unmotivierte Vorstellung ab. Der Brite konnte im Chaos des Rennens weder seine Routine noch die Ausfälle vor ihm für eine entscheidende Verbesserung seiner Position nutzen. Er belegte unter jenen Fahrern, die das Ziel erreichten, den letzten Platz. Offenbar sehnt der 36-Jährige das Ende der Saison (und damit wohl auch das Ende seiner Formel-1-Karriere) herbei.

Haas F1: Zum ersten Mal echter Ärger

Teamchef Günther Steiner stand nach dem Doppelausfall im Regen - Foto: Sutton
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Romain Grosjean - - - - 5
Esteban Gutierrez P12 - 1:27.805 3 3

  • Statistik: -
  • Besonderheiten: Grosjean konnte nicht ins Rennen gehen, weil er auf dem Weg in die Startaufstellung crashte
  • Techn. Probleme: Ein Elektronik-Defekt zwang Gutierrez zur vorzeitigen Aufgabe des Rennens
  • Strafen: -
  • Romain Grosjean: "Es tut mir für alle Haas-Fans leid."
  • Esteban Gutierrez: "Wir hatten eine gute Pace und sahen die Chance auf Punkte."

Kurz vor dem Ende dieser langen Saison wurde es beim bislang so unaufgeregten Formel-1-Neuling doch noch mal negativ hektisch. Romain Grosjean setzte seinen Boliden schon auf dem Weg in die Startaufstellung in die Streckenbegrenzung und konnte gar nicht erst starten. Dies war besonders ärgerlich, weil der Franzose dank eines exzellenten Qualifyings von Position sieben ins Rennen hätte gehen dürfen. Esteban Gutierrez lag lange Zeit auf Kurs, um endlich seine ersehnten ersten WM-Punkte für Haas zu holen. Nachdem ihn dann doch noch ein Elektronik-Schaden stoppte, ließ er in der Box seinem Frust relativ freien Lauf. Vor laufenden Kameras geriet er ein wenig mit Teamchef Günther Steiner aneinander.

Toro Rosso: Sainz stark

Kvyat fing sich hinter dem Safety-Car einen Reifenschaden ein - Foto: Sutton
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Carlos Sainz Jr. P15 P6 1:27.153 0 1-
Daniil Kvyat P14 P13 1:27.476 2 3

  • Statistik: -
  • Besonderheiten: -
  • Techn. Probleme: -
  • Strafen: -
  • Carlos Sainz Jr.: "Der Regentanz hat gewirkt und was für ein Rennen das war."
  • Daniil Kvyat: "Nach einem Reifenschaden während des Safety-Cars musste sich stoppen und fiel zurück."

Ähnlich wie bei Force India zeigte sich auch bei Toro Rosso ein gewohntes Bild. Wenn sich für den technisch deutlich im Nachteil befindlichen Rennstall eine Möglichkeit zu einer höheren Punkte-Ausbeute auftut, dann nutzt sie fast immer Carlos Sainz. Der Spanier trotzte Regen, Crashs und der Konkurrenz, fuhr auf Platz sechs und bestätigte damit sein starkes Ergebnis aus den USA. Daniil Kvyat kam, obwohl einen Platz vor dem Teamkollegen gestartet, nur auf Rang 13. Allerdings hatte der Russe auch Pech, als Jolyon Palmer in sein Auto hineinrutschte und es leicht beschädigte.

Renault: Palmer fällt aus, Magnussen riskiert zu viel

Magnussen verpasste die Punkteränge nur knapp - Foto: Sutton
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Jolyon Palmer P16 - 1:34.334 1 4
Kevin Magnussen P18 P14 1:26.524 2 4

  • Statistik: -
  • Besonderheiten: Palmer schied nach einer Kollision mit Kvyat vorzeitig aus
  • Techn. Probleme: -
  • Strafen: -
  • Jolyon Palmer: "Leider musste ich nach einem Kontakt mit Kvyat aufgeben."
  • Kevin Magnussen: "Ich denke wir waren sind Nassen zu vorsichtig. Es liegt an uns Fahrern, langsamer zu machen."

Bei Renault war schon vor dem Rennen Feuer unter dem Dach, nachdem beide Piloten medial übereinander gelästert hatten. Der Regen von Interlagos konnte dies nur bedingt löschen, im Gegenteil: Palmer schied nach einer selbstverursachten Kollision mit Daniil Kvyat aus. Magnussen ließ sich sehr früh Intermediates aufziehen, als die Bedingungen dies eigentlich noch nicht zuließen. Er kam damit jedoch wenig überraschend nicht zurecht.

Manor: Im Chaos alles verloren?

Ocon konnte sich am Ende nicht mehr verteidigen - Foto: Sutton
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Pascal Wehrlein P19 P15 1:27.919 1 2-
Esteban Ocon P22 P12 1:27.796 0 1

  • Statistik: -
  • Besonderheiten: -
  • Techn. Probleme: -
  • Strafen: -
  • Pascal Wehrlein: "Die Bedingungen waren grauenhaft, selbst als der Regen nachließ, stand überall Wasser."
  • Esteban Ocon: "Es wäre schön gewesen, wenn ich heute meinen ersten WM-Punkt hätte einfahren können."

Für Manor ist der Albraum wahr geworden. In einem Chaos-Rennen von dem das Hinterbänklerteam ebenso hätte profitieren können, sammelte die Konkurrenz von Sauber mehr Punkte und verdrängte das Team dadurch auf den letzten Platz bei den Konstrukteuren. Zwar lagen Esteban Ocon und Pascal Wehrlein langezeit auch in den Punkten, aber gegen Konkurrenten wie Fernando Alonso, Sebastian Vettel und Valtteri Bottas war kein Kraut gewachsen.

Sauber: An Manor vorbeigezogen

Nasr rettete für Sauber zwei Punkte ins Ziel - Foto: Sutton
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Felipe Nasr P21 P9 1:27.547 0 1
Marcus Ericsson P20 - 1:31.265 1 4

  • Statistik: Nasr holt die ersten Sauber-Punkte 2016, das Team zieht in der Konstrukteurswertung damit an Manor vorbei
  • Besonderheiten: Ericsson crashte in der Boxengasse und schied aus
  • Techn. Probleme: -
  • Strafen: -
  • Felipe Nasr: "Mir fehlen die Worte, um in diesem Moment zu sagen, wie glücklich ich bin."
  • Marcus Ericsson: "Das war für mich ein sehr enttäuschendes Ende dieses Regenrennens – ein Ausfall aufgrund der sehr schwierigen Streckenverhältnisse."

Für Sauber ist der Knoten endlich geplatzt. Zwei Punkte sicherte Felipe Nasr durch den neunten Platz und eroberte damit den zehnten Platz in der Konstrukteurswertung von Manor. Das Team aus der Schweiz kann also endlich aufatmen. Allerdings traf das Team aus Hinwil nicht immer die richtigen Entscheidungen. Marcus Ericsson holte sich recht früh Intermediate-Reifen, die jedoch für die Wetterbedingungen noch ungeeignet waren. Die Folge war ein Dreher und ein beendetes Rennen für den Schweden. Nasr stoppte gar nicht und wechselte die Reifen nur während der Unterbrechungen, was ihn zeitweise sogar auf Platz sechs vorspülte. Die Position konnte er aber nicht halten.

Rundenprotokolle der Fahrer und Teams

Das Wochenende hatte am Freitag für Williams doppelt gut begonnen: Starke Zeiten in den Freien Trainings-Sessions und viele absolvierte Runden beider Fahrer. Doch gleichzeitig mit den schlechter werdenden Ergebnissen in Qualifying und Rennen büßte der Rennstall auch bei der Anzahl der Kurs-Umfahrungen seine gute Position ein. Am Ende behielt nur Valtteri Bottas bei den Fahrern seine Führung. Genau wie in der Konstrukteurswertung zog Force India davon und auch Red Bull kam bei der Rundenanzahl in Brasilien noch vorbei.


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