Longrun-Analyse: So lief es mit Sprit an Bord - Formel 1 - Motorsport-Magazin.com

Formel 1 - Longrun-Analyse: So lief es mit Sprit an Bord

Wer ist Mercedes in Brasilien auf den Fersen?

Der Freitag in Brasilien ist geschlagen. Motorsport-Magazin.com nimmt die Longruns von Sao Paulo genau unter die Lupe.
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Motorsport-Magazin.com - In Brasilien war am Freitag Pärchenbildung angesagt. Zwei Mercedes vor zwei Williams, zwei Red Bull und zwei Ferrari, so stellte sich die Reihenfolge im zweiten Training von Sao Paulo da. Doch wie ist es um die Performance der Teams im Renntrimm bestellt? Motorsport-Magazin.com nimmt die Longruns unter die Lupe.

Zum vorletzten Gra´nd Prix der Saison liefert Pirelli die drei härtesten im Sortiment vertretenen Reifenmischungen: Hard, Medium und Soft. Am Freitag konzentrierten sich die Teams in erster Linie auf Longruns mit den beiden letztgenannten Mischungen, der Hard-Reifen kam hingegen kaum zum Einsatz.

Fahrer Stint-Länge Reifen-Alter Schnitt
Soft
Vettel 9 13 1:16.177
Hamilton 11 16 1:16.188
Ricciardo 8 12 1:16.622
Rosberg 14 20 1:16.743
Verstappen 9 14 1:16.800
Massa 9 13 1:17.132
Bottas 10 15 1:17.592
Medium
Hamilton 16 22 1:16.170
Rosberg 8 12 1:16.290
Verstappen 20 26 1:16.608
Vettel 16 21 1:16.986
Ricciardo 23 27 1:17.010
Massa 17 22 1:17.577
Bottas 22 27 1:17.608

Vettel überrascht auf Soft

Der schnellste Soft-Longrun glückte in 1:16.177 Minuten überraschend Sebastian Vettel. Hinter der Zeit des Ferrari-Piloten steht jedoch ein "aber", denn im Gegensatz zu allen anderen Spitzenfahrern war Vettel erst in der Schlussphase des Trainings auf den gelben Reifen unterwegs, als die Strecke wegen des zusätzlich liegenden Gummis wohl eine Spur schneller war.

Sebastian Vettel war auf Soft der Schnellste - Foto: Sutton

Quasi gleichauf mit Vettel war Lewis Hamilton, der einen Soft-Longrun von 1:16.188 Minuten anschrieb. Ein gutes Stück hinter dem Mercedes-Piloten ordnete sich Red-Bull-Mann Daniel Ricciardo (1:16.622) ein, dicht gefolgt von WM-Leader Nico Rosberg (1:16.743) sowie Max Verstappen im zweiten Red Bull (1:16.800).

"Unsere Long Run-Pace scheint stark zu sein. Entsprechend können wir mit dem Start ins Wochenende zufrieden sein", zog Hamilton, der seinen ersten Sieg in Brasilien feiern muss, um weiterhin realistische Titelchancen zu haben, einen Strich unter den Freitag.

Medium: Hamilton gibt den Ton an

Etwas klarer - im Sinne von Mercedes voran - stellte sich das Kräfteverhältnis aus den Medium-Reifen da, welche die Teams ausführlicher als die Soft-Pneus testeten und voraussichtlich die erste Wahl im Rennen darstellen werden.

Erneut war es Hamilton, der den Ton angab, und eine durchschnittliche Rundenzeit von 1:16.170 Minuten in den heißen brasilianischen Asphalt brannte. Rosberg folgte gut eine Zehntelsekunde dahinter und beschwerte sich anschließend über den Verschleiß der Gummis. "Die weichen Reifen bauen auf den Long Runs schnell ab, auch gibt es Blasenbildung an den Hinterreifen. Aber auch auf dem Medium-Reifen gibt es einen überraschend hohen Abbau", monierte der Deutsche.

Je nach Reifenwahl ist Vettel gleichauf mit uns
Dr. Helmut Marko

Hinter den beiden Mercedes lieferten sich Red Bull und Ferrari ein Duell, das in Person von Verstappen an die Bullen ging - 1:16.608. Vettels Longrun-Zeit war knapp vier Zehntel langsamer als jene des Niederländers, wie schon beim Soft-Run muss aber auch hier der Zeitpunkt als sie gefahren wurde berücksichtigt werden. Weil Vettel früher als die Konkurrenz auf den Medium-Reifen unterwegs war, ist er in Anbetracht des unterschiedlichen Gripniveaus vermutlich etwas näher an Red Bull dran, als die Stoppuhr sagt.

"Je nach Reifenwahl ist Vettel gleichauf mit uns", sieht auch Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko den Heppenheimer als reale Gefahr für die Bullen an. Insgesamt zeigte sich der Österreicher mit dem Freitag zufrieden. "Wir waren auf die Single-Lap vielleicht nicht ganz so schnell, wie wir es normal sind, aber auf den Longruns waren wir wieder klar dort, wo wir sind und ungefähr zwei Zehntel hinter Mercedes", so Marko im Interview mit Motorsport-Magazin.com.

Es deutet somit viel auf einen engen Zweikampf zwischen Ferrari und Red Bull um die Rolle des ersten Mercedes-Verfolgers hin. Ferrari kommen dabei der erste und der letzte Sektor mit den langen und teils steilen Geraden entgegen, Red Bull profitiert hingegen dank der traditionell starken Aerodynamik im kurvenreichen Mittelsektor.

Williams chancenlos

Die große Überraschung des Freitags war Williams. Mittlerweile hinter Force India auf den fünften Platz der Konstrukteurs-Wertung abgerutscht, gelang es Valtteri Bottas und Felipe Massa unverhofft die dritt- beziehungsweise viertschnellste Zeit zu fahren. "Wir sind angenehm überrascht, wie gut unsere Pace heute war", hatte selbst Performance-Chef Rob Smedley nicht mit einer solch starken Vorstellung gerechnet.

Williams war die Überraschung des Freitags - Foto: Sutton

Stark war Williams allerdings nur mit wenig Sprit im Tank. Bei den Volltanktests waren sowohl Bottas als auch Lokalmatador Massa hingegen völlig chancenlos und blieben mit Zeiten im niedrigen bis mittleren 1:17er-Bereich weit hinter der Konkurrenz zurück.

Eine Chance für Williams am Sonntag gibt es aber dennoch, nämlich dann, wenn der vorhergesagte Regen über Sao Paulo niedergeht. Momentan sehen die Prognosen eine enorm hohe Niederschlagswahrscheinlichkeit, was gut und gerne zu einem Chaosrennen führen kann, das Außenseiter bevorzugt - es wäre nicht das erste in Brasilien.

Doch nicht alle trauen den Vorhersagen der Wetterfrösche. "Heute waren 90% Regenwahrscheinlichkeit angesagt und die Sonne sticht noch immer herunter", meinte Marko kurz nach dem zweiten Training. "Ich glaube an all diese Vorhersagen nicht mehr, vor allem, wenn sie genau auf den Rennzeitpunkt zutreffen sollen." Es bleibt somit spannend. Nicht nur, aber auch wegen des Wetters.


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