Formel 1 - Renault: Palmer wird Hülkenbergs Teamkollege

Hülkenberg: Zum Erfolg gezwungen

Renault verzichtet auf weitere Überraschungen für 2017. Jolyon Palmer bleibt bei den Franzosen und wird neuer Teamkollege von Nico Hülkenberg.
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Motorsport-Magazin.com - Esteban Ocon galt als heimlicher Favorit, dazu gab es eine Handvoll weiterer Kandidaten für das zweite Renault-Cockpit an der Seite von Nico Hülkenberg - doch am Ende setzte sich Jolyon Palmer durch. Die Franzosen gaben am Mittwochabend deutscher Zeit die Weiterverpflichtung des Briten für die Saison 2017 bekannt. Damit geht Palmer in sein zweites Jahr bei Renault, während Noch-Teamkollege Kevin Magnussen raus ist. Der Däne wechselt vermutlich zu Haas und ersetzt dort Esteban Gutierrez.

"Ich bin überglücklich, eine zweite Saison mit Renault zu fahren", wurde Palmer in der Renault-Pressemitteilung zitiert. "Ich kann es kaum erwarten, das Vertrauen des Teams auf der Strecke zurückzuzahlen. Seit 2015 arbeite ich in Enstone und ich bin mir der Entwicklung der Infrastruktur des Teams sehr bewusst. Ich bin also genauso gespannt wie das Team auf 2017 und unser neues Auto."

Überraschende Verlängerung

Palmers Verlängerung kam es etwas überraschend, konnte der 25-Jährige in seinem ersten F1-Jahr doch nicht gerade mit Leistungen auf der Rennstrecke glänzen. Seinen ersten und einzigen Punkt in der Weltmeisterschaft holte er beim Malaysia Grand Prix. Magnussen kommt bislang auf sieben WM-Zähler. Doch offenbar ist Renault von den Fähigkeiten des GP-Champions von 2014 überzeugt - und wohl nicht zuletzt von den Sponsoring-Millionen, die er im Gepäck hat.

Renault Sport-Boss Jerome Stoll: "Jolyon hat seinen Hunger, mit uns als Team zu wachsen, unter Beweis gestellt. Seine stetig ansteigenden Leistungen auf der Strecke haben uns im Verlauf der Saison beeindruckt. Wir sind zuversichtlich, dass die Kombination aus Jolyon und Nico eine vielversprechende Kraft ist, mit der wir unsere Ziele erreichen können."

Jolyon Palmer steht vor seiner zweiten Saison in der Formel 1 - Foto: Sutton

Hülkenberg: Zum Erfolg gezwungen

Nach dem schwachen Jahr 2016 will Renault in der kommenden Saison zum Großangriff blasen - und ist als großer Hersteller geradezu zum Erfolg verdammt. Das wusste auch Neuzugang Hülkenberg, wie er Motorsport-Magazin.com im Exklusiv-Interview erzählte: "Ein Konzern wie Renault ist nicht zum Spaß in der Formel 1", so der künftige Renault-Fahrer. "Auf lange Sicht sind sie gezwungen, Erfolge abzuliefern. Sonst wird es bitter enden. Mit dem Masterplan und dem, was sie mir erzählt haben, haben sie mich überzeugt, dass die Zukunft erfolgreich werden kann."

Auf lange Sicht sind sie gezwungen, Erfolge abzuliefern. Sonst wird es bitter enden.
Hülkenberg über Renault

Mit Palmer hat Hülkenberg nun einen Teamkollegen an der Seite, der bereits in die Abläufe in Enstone involviert ist. Auch er dürfte nach dem Lernjahr auf die kommende Saison hoffen, in der es schlagartig aufwärts gehen soll. "Für mich war eine steile Lernkurve in der Formel 1", sagte er. "Ich weiß, dass ich bessere Leistung abrufe als je zuvor - und dass da noch einiges kommt. In Enstone und Viry herrscht ein unbedingter Wille und Enthusiasmus mit Blick auf das nächste Jahr. Ich bin stolz, ein Teil davon zu sein."

Von Hülkenberg profitieren

Laut Renault-Boss Stoll werde Palmer von seinem erfahrenen Teamkollegen profitieren und lernen können. Hülkenberg gilt mit seinen sechs Saisons in der Formel 1 schließlich als erfahrener Hase. Stoll: "Die Fahrerpaarung aus Jolyon und Nico nutzt die Vorteile aus Kontinuität und frischem Blut. Ich bin sicher, dass Jolyon mit Nico als Teamkollege zu größeren Erfolgen gepusht wird."

Wenn man sich die Erfolgsgeschichten im Motorsport ansieht, dann braucht man immer zwei starke Jungs. Man kann nicht mit nur einem Fahrer gewinnen.
Frederic Vasseur

Noch vor der Bekanntgabe von Palmer fragte Motorsport-Magazin.com bei Teamchef Frederic Vasseur nach, worauf es bei der künftigen Fahrerpaarung in Enstone ankomme. "Wir brauchen jemanden, der Performance abliefern und eine gute Beziehung mit Nico aufbauen kann", erklärte der Franzose. "Wenn man sich die Erfolgsgeschichten im Motorsport ansieht, dann braucht man immer zwei starke Jungs. Man kann nicht mit nur einem Fahrer gewinnen. Außer vielleicht du bist ein Top-Team, hast eine Menge Erfahrung und dann kannst du sagen: 'Okay, gute Arbeit.' Aber wo wir heute stehen, brauchen wir zwei starke Fahrer im Team."

Nico Hülkenberg wechselt von Force India zu Renault - Foto: Sutton

Redaktionskommentar: Palmer die richtige Wahl für Renault?

Motorsport-Magazin.com meint: Das zweite Renault-Cockpit ist also gefüllt: Jolyon Palmer bleibt im Team und wird Teamkollege von Nico Hülkenberg. Eine Überraschung. Der Brite fuhr 2016 eine alles andere als beeindruckende Debütsaison für die Franzosen. Klar, das Auto befähigt ihn nicht gerade zu Heldentaten - dafür fehlt es dem Renault auf nahezu jedem Gebiet an zu viel. Dennoch war Palmer in meinen Augen bislang keineswegs der "Rookie of the Year".

Natürlich ist es schön, dass Renault einem seiner beiden Fahrer erneut die Chance gibt, sich in einem dann hoffentlich besseren Auto zu beweisen. Auch das Wegfallen der Eingewöhnungszeit und die Konstante eines verbleibenden Fahrers sprechen für die Entscheidung. Dennoch hätte ich lieber einen Neuzugang wie Esteban Ocon an der Seite von Hülkenberg gesehen. Der Franzose gilt als riesiges Talent, zeigte in diesem Jahr gute Ansätze bei Manor und hat F1-Testerfahrung bei Mercedes und Renault.

Warum wurde der eigene Ersatzfahrer nicht befördert? Laut Toto Wolff würden sich die Silberpfeile der Zukunft ihres Piloten nicht in den Weg stellen. Ich bin überzeugt, dass ein Fahrer vom Schlage eines Esteban Ocon Hülkenberg mehr antreiben und zu besseren Leistungen pushen würde. Wie das geht hat Sergio Perez in den vergangenen Jahren bei Force India gezeigt. Palmer traue ich das nicht zu. In meinen Augen ist das eine verpasste Chance für Renault, die 2018 immerhin eigenen Aussagen zu Folge um Podestplätze kämpfen wollen. Ein zweites Jahr mit Palmer wird sie darauf sicher nicht vorbereiten... (Stephan Heublein)


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