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Formel 1 - Villeneuve & Co.: Die Kanadier in der F1

Lance Stroll tritt in große Fußstapfen

Lance Stroll ist der insgesamt zwölfte Kanadier, der den Sprung in die Formel 1 schafft. Motorsport-Magazin.com stellt seine Vorgänger vor.
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Motorsport-Magazin.com - Denkt man an Kanada, so kommen einem zu allererst vermutlich schier endlose Wälder, Eishockey und Ahornsirup in den Sinn. Motorsport bringt man mit dem zweitgrößten Land der Erde hingegen wohl nicht unmittelbar in Verbindung, dabei gibt es sie, die Helden auf vier Rädern aus Kanada.

Elf kanadische Piloten schafften bislang den Sprung in die Formel 1. Mit Lance Stroll, der 2017 für Williams an den Start geht, ist das Dutzend nun voll. Motorsport-Magazin.com stellt die F1-Mounties vor, bei denen vor allem ein Name ganz klar dominiert.

Jacques Villeneuve (*1971)

Jacques Villeneuve krönte sich 1997 als bislang einziger Kanadier zum F1-Weltmeister - Foto: Sutton

Der mit Abstand erfolgreichste Kanadier, der je in der Formel 1 fuhr, ist Jacques Villeneuve. Nachdem Villeneuve 1995 die ChampCar Series für sich entschieden hatte, wurde er von Williams engagiert und bereits in seiner ersten Saison F1-Vizeweltmeister. Ein Jahr später, 1997, krönte sich Villeneuve nach einem harten Duell mit Michael Schumacher schließlich zum Champion der Königsklasse.

Jacques Villeneuve gewann elf Rennen für Williams - Foto: Sutton

Der Mann aus Québec, der sowohl mit seinem bunten Look als auch kontroversen Meinungen immer wieder für Aufsehen sorgte, gewann in seinen ersten beiden Saisons in der Formel 1 elf Rennen, danach jedoch kein weiteres mehr. Nach drei Jahren bei Williams wechselte Villeneuve 1999 zu British American Racing, an dem sein Manager Craig Pollock beteiligt war, konnte an seine Erfolge aber nicht mehr anschließen.

Villeneuve fuhr fünf Jahre für BAR, in denen er über zwei dritte Plätze nicht hinauskam, ehe er sich 2003 im Streit vom Team trennte. Daraufhin legte der Kanadier zunächst eine F1-Pause ein, bevor er für die letzten drei Rennen der Saison 2004 von Renault verpflichtet wurde. 2005 wechselte Villeneuve zu Sauber, für das er auch nach der Übernahme durch BMW die ersten zwölf Rennen der Saison 2006 bestritt. Infolge eines Unfalls beim Großen Preis von Deutschland beendete er schließlich nach 162 Rennen seine F1-Laufbahn.

Gilles Villeneuve (1950 - 1982)

Gilles Villeneuve gewann sechs Rennen - Foto: Sutton

Jacques Villeneuve hat die Leidenschaft für das Rennfahren im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt bekommen. Jacques' Vater Gilles Villeneuve startete von 1977 bis zu seinem tragischen Tod 1982 in der Formel 1 und galt als herausragendes Talent. Gilles begann seine Karriere bei McLaren und wurde auf Empfehlung von James Hunt und Chris Amon als dritter Fahrer verpflichtet. Der Kanadier absolvierte jedoch nur ein Rennen für das Team, den Großen Preis von Großbritannien, bei dem er Zehnter wurde.

Unvergessen: Gilles Villeneuve - Foto: Sutton

Nachdem sich McLaren gegen eine Weiterverpflichtung Villeneuves für 1978 entschieden hatte, wechselte er schon für die letzten beiden Saisonrennen 1977 zu Ferrari, wo er erneut zunächst den dritten Wagen übernahm. 1978 gelang Villeneuve, der nun Teamkollege von Carlos Reuttemann war, der Durchbruch. Ausgerechnet in seiner Heimat Montreal gewann er seinen ersten Grand Prix.

1979 fuhr Villeneuve erneut für Ferrari, diesmal an der Seite von Jody Scheckter. Die beiden Teamkollegen lieferten sich ein hartes Duell um den WM-Titel, das letztlich Scheckter mit vier Punkten Vorsprung für sich entschied. Mit drei Siegen und vier weiteren Podestplätzen wurde Villeneuve Vizeweltmeister. Auch in den folgenden Jahren blieb Gilles Villeneuve Ferrari treu, konnte an seine Erfolge aber nicht mehr ganz anknüpfen und gewann nur noch zwei weitere Rennen.

Der Circuit Gilles Villeneuve in Montreal - Foto: Sutton

Beim Qualifying zum Belgien GP 1982 kam es zur Katastrophe. Villeneuve fuhr mit voller Geschwindigkeit auf den auf einer Auslaufrunde befindlichen Jochen Mass auf, woraufhin sein Ferrari in die Luft aufstieg, sich überschlug und gegen einen Erdwall prallte. Villeneuve wurde daraufhin aus dem Wagen geschleudert und brach sich die Wirbelsäule. Am Abend desselben Tages, nach der Abschaltung der lebenserhaltenden Maschinen im Krankenhaus von Löwen, wurde der Tod des 32-Jährigen bekanntgegeben. Zu Ehren Villeneuves wurde ein Monat nach seinem Tod der Circuit Île-Notre-Dame in Montreal in Circuit Gilles Villeneuve umbenannt.

Es gab übrigens noch einen dritten Villeneuve, der sich in der Formel 1 versuchte. Jacques Villeneuve senior (*1953), der Bruder von Gilles Villeneuve und somit Onkel von Jacques Villeneuve. 1981 wurde er von Arrows für die Rennen in Kanada und Las Vegas verpflichtet, und 1983 von March abermals für sein Heimrennen in Montreal. Allerdings scheiterte Villeneuve senior jedes Mal in der Qualifikation, sodass er keine Grand-Prix-Teilnahme zu Buche stehen hat.

George Eaton (*1945)

George Eaton startete für BRM - Foto: Sutton

George Eaton bestritt zwischen 1969 und 1971 elf Rennen in der Formel 1, ohne jedoch Punkte zu machen. Starke Leistungen in nordamerikanischen Rennserien führten dazu, dass sich BRM Eatons Dienste für die letzten beiden Läufe der Saison 1969 in den USA und Mexiko sicherte, bei denen der Kanadier aber nicht das Ziel sah.

1970 erhielt Eaton bei BRM einen Werksvertrag und nannte für zehn Rennwochenenden, konnte sich aber nur für acht Grands Prix qualifizieren. Zudem kam der Mann aus Toronto nicht über einen zehnten Platz hinaus, weshalb sich seine F1-Karriere schon wieder dem Ende zuneigte. 1971 durfte Eaton erneut beim Kanada GP antreten, verpasste als 15. aber auch bei seiner letzten Gelegenheit die Punkteränge deutlich.

Allen Berg (*1951)

Allen Berg bestritt 1986 neun Rennen für Osella - Foto: Sutton

Allen Berg wurde 1984 Vizemeister der Britischen Formel 3. Zwei Jahre später schaffte er den Sprung in die Formel 1 und absolvierte 1986 neun Rennen für das italienische Team Osella. Die Ausbeute war jedoch enttäuschend, Berg fiel fünf Mal aus und blieb mit einem zwölften Rang als bestes Ergebnis weit jenseits der Punkteränge. Seine weitere Laufbahn führte den Kanadier unter anderem 1991 in die DTM, wo er für das BMW-Privatteam Tauber Motorsport drei Punkte erzielte.

Bill Brack (*1935)

Bill Brack startete drei Mal bei seinem Heimrennen - Foto: Sutton

Bill Bracks eigentliches Metier waren die Sportwagen, doch drei Mal durfte er sich auch in der Formel 1 versuchen, jeweils bei seinem Heimrennen. Sowohl 1968, 1969 als auch 1972 trat Brack beim Kanada GP für Lotus beziehungsweise BRM an, sah jedoch nie das Ziel und machte folglich auch keine Punkte. Später war Brack noch ausgesprochen erfolgreich in der Kanadischen Formel Atlantic am Start, die er drei Mal in Folge für sich entschied, ehe er seine Motorsportkarriere beendete und ein Chrysler-Autohaus in Toronto eröffnete.

Al Pease (1921 - 2014)

Al Pease beim Kanada GP 1967 - Foto: Sutton

Aufgewachsen in Großbritannien, wanderte Al Pease nach seiner Zeit in der Britischen Armee, die ihn nach Indien, Rhodesien und Ägypten führte, nach Kanada aus, wo er eine Motorsportkarriere einschlug. Pease war in nationalen Rennserien ausgesprochen erfolgreich, was ihm 1998 sogar den Eintrag in die Canadian Motorsport Hall of Fame bescherte.

Drei Mal - 1967, 1968 und 1969 - ging Pease auch beim Kanada GP der Formel 1 mit einem von ihm eingesetzten Eagle Mk1 an den Start. Dabei sah er allerdings nicht nur nie das Ziel, sondern wurde 1969 sogar als bis dato einziger Pilot in der Geschichte der Formel 1 disqualifiziert, da er zu langsam war. Weil Pease sich trotz großen Rückstands gegen Überrundungen wehrte und die anderen Piloten gefährdete, entschied sich die Rennleitung infolge eines Protests von Jackie Stewarts Teamchef Ken Tyrrell zum drastischen Schritt, Pease aus Grand Prix zu nehmen.

Eppie Wietzes (*1938)

Eppie Wietzes beim Kanada GP 1974 in Mosport - Foto: Sutton

Eppie Wietzes, der im niederländischen Assen geboren wurde, trat in den 60er-Jahren bei zahlreichen Sportwagenrennen in Nordamerika an und mietete für den Kanada GP 1967 den dritten Wagen des Lotus-Teams, womit er Teamkollege von Jim Clark und Graham Hill wurde. Mangels Erfahrung war der Kanadier jedoch chancenlos und verlor im Qualifying mehr als acht Sekunden auf Clarks Pole Position. Im Rennen schied Wietzes mit einem Zündungsschaden aus und wurde nachträglich disqualifiziert, weil er beim Versuch, den Grand Prix wieder aufzunehmen, Fremde Hilfe in Anspruch genommen hatte.

Danach kehrte Wietzes der Formel 1 für einige Zeit den Rücken und absolvierte wieder Sportwagenrennen. 1973 kehrte Wietzes in die Königsklasse zurück und ging beim Kanada GP in Mosport als erster Fahrer des Safety Cars in die F1-Geschichte ein. Im Jahr darauf versuchte er sich ein zweites Mal im Formel-1-Cockpit. Wietzes ging beim Kanada GP 1974 mit einem Brabham BT42 und seinem eigenen Team Canada F1 Racing an den Start, kam im Qualifying jedoch nicht über den letzten Platz hinaus und schied im Rennen mit einem Motorschaden aus.

Peter Broeker (1926 - 1980)

Peter Broeker absolvierte 1963 seinen einzigen Grand Prix - Foto: Sutton

Peter Broeker nannte 1963 mit einem Stebro-Ford für den Großen Preis der USA in Watkins Glen, war mit dem nicht konkurrenzfähigen Wagen jedoch völlig chancenlos. Im Qualifying verlor der Kanadier 15 Sekunden auf die Bestzeit von Graham Hill, und im Rennen sah er zwar die Zielflagge, allerdings mit 22 Runden Rückstand, sodass er nicht in die Wertung kam. Später versuchte sich Broeker mit seinem Stebro auch bei Formel-2-Rennen in Europa, war aber ebenfalls heillos unterlegen.

John Cannon (1933 - 1999)

John Cannon startete beim Kanada GP 1971 für BRM - Foto: Sutton

Der gebürtige Brite fuhr zunächst in Nordamerika Sportwagenrennen, ehe er zum Monoposto-Sport kam. 1971 bestritt Canon sowohl die gesamte Formel-2-Europameisterschaft - jedoch ohne große Erfolge - als auch den Großen Preis der USA. Canon trat in Watkins Glen mit einem Werkswagen von BRM an und belegte mit drei Runden Rückstand auf Sieger Francois Cevert den 14. Platz.

John Cordts (*1935)

Start zum Kanada GP 1969, John Cordts' einzigem F1-Rennen - Foto: Sutton

Eine ganz ähnliche Laufbahn wie John Cannon schlug auch John Cordts ein. Nach herzeigbaren Ergebnissen bei Rennen in Nordamerika, wagte sich der Kanadier 1969 mit einem Brabham BT23B bei seinem Heim-Grand-Prix in Mosport an den Start. Wegen eines Öllecks musste Cordts das Rennen jedoch bereits nach zehn Runden aufgeben. Es war sein einziges Gastspiel in der Formel 1.

Peter Ryan (1940 - 1962)

Peter Ryan absolvierte 1961 seinen einzigen Grand Prix - Foto: Sutton

Peter Ryan machte 1961 mit einem Sieg beim nicht zur Weltmeisterschaft zählenden Kanada GP in Mosport auf sich aufmerksam. Das bescherte ihm einen Lotus-Werksvertrag, der vorsah, 1962 die Formel Junior für Colin Chapmans Team zu bestreiten. Zuvor trat Ryan 1961 in Watkins Glen zu seinem einzigen zur Weltmeisterschaft zählenden Formel-1-Rennen mit einem Lotus 18 von J. Wheeler Autosport an und belegte mit vier Runden Rückstand den neunten Platz. Es gewann Innes Ireland, der Lotus den ersten GP-Sieg bescherte.

Ryans Start in die Formel Junior verlief 1962 dann mit einem Sieg auf der englischen Strecke Mallory Park vielversprechend. Doch am zweiten Rennwochenende in Reims kam es zum Drama. Ryan kollidierte mit dem Wagen von Bill Moss, wurde aus dem Fahrzeug geschleudert und verstarb noch an der Unfallstelle.


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