Formel 1 - Kommentar: Warum spricht keiner von Wehrlein?

Multi Million Dollar Baby

Pascal Wehrlein fährt eine starke Debüt-Saison und muss 2017 zumindest ein Cockpit bekommen - meint Motorsport-Magazin.com-Redakteur Christian Menath.
von

Motorsport-Magazin.com - Noch immer kommt der Fahrermarkt nicht so richtig in Schwung. Force India und Renault haben noch jeweils ein Cockpit frei, Haas mindestens eins und Sauber und Manor sogar zwei. Die heißesten Plätze sind klar Force India und Renault. Renault, weil der Konzern richtig investiert, Force India, weil sich das einst dauer-klamme Team 2016 als viertbester Konstrukteur etabliert hat.

Als heißester Kandidat für die heißen Plätze hat sich zuletzt Esteban Ocon herauskristallisiert. Auch Marcus Ericsson und Kevin Magnussen sollen Chancen haben. Nur Pascal Wehrlein taucht immer seltener in Verbindung mit den besseren Plätzen auf. Warum?

Wehrlein fährt eine starke Debüt-Saison. Ihm ist es zu verdanken, dass Manor bis zwei Rennen vor Ende der Saison noch um Platz zehn zittern darf. Dieser eine Punkt aus Österreich wird Manor wahrscheinlich Millionen bringen. "Sollte Wehrlein einen oder gar mehr WM-Punkte machen, die für den Paydriver- wenn auch nur geringfügig langsamer- nicht erreichbar sind, können diese Punkte zweistellige Millionenbeträge wert sein", sagte Norbert Haug vor der Saison.

Wehrlein versägt Ocon und Haryanto

Rio Haryanto - seines Zeichens Paydriver, dem nach der Sommerpause das Geld ausging - war weit von Punkten entfernt. Während Wehrlein in den ersten zwölf Rennen dreimal unter die ersten 14 fahren konnte, war Haryantos beste Platzierung Rang 15 in Monaco. Wehrlein 1, Paydriver 0.

Gegen Pascal Wehrlein sah Rio Haryanto blass aus - Foto: Sutton

Doch seit der Sommerpause hat Wehrlein einen neuen Teamkollegen - keinen Paydriver mehr, sondern Wunderkind Esteban Ocon. Der Franzose gewann in der Formel 3 den Titel und ließ Max Verstappen hinter sich, in der GP3 gewann er ebenfalls auf Anhieb. Als er sich in der DTM schwer tat, kam der rasche Aufstieg in die Formel 1.

Doch auch hier hat Ocon Probleme im direkten Vergleich mit seinem Teamkollegen. Im Qualifying-Duell steht es 5:2 führ Wehrlein, durchschnittlich fehlen dem Franzosen knapp drei Zehntelsekunden auf seinen Teamkollegen. Auch im Rennen sieht Ocon im Vergleich blass aus. Wehrlein 1, Wunderkind 0.

Klar, Wehrlein hat den Erfahrungsvorsprung bei Manor, aber Ocon kam keineswegs unvorbereitet. Er testete in diesem Jahr schon für Mercedes und Renault, absolvierte vor seinem GP-Debüt knapp 700 Rennrunden in Formel-1-Boliden. Zudem konnte er in der GP3 Erfahrung mit Pirelli-Reifen sammeln - ein nicht zu unterschätzender Erfahrungswert, auch wenn die Unterschiede zur Formel 1 natürlich riesig sind.

Magnussen? Palmer? Lieber Wehrlein!

Neuer Teamkollege, altes Bild: Wehrlein ist der Schnellere - Foto: Sutton

Ja, Wehrlein hat den Erfahrungs-Vorsprung gegenüber Ocon, aber er fährt aktuell mindestens um diesen besser. Wenn Jolyon Palmer und Kevin Magnussen bessere Chancen auf ein attraktiveres Cockpit haben sollen, dann läuft etwas schief. Dabei hat Renault Teamchef Frederic Vasseur erst gesagt, dass Geld keine Rolle beim zweiten Fahrer spielt.

Dass er auch 2017 noch in der Formel 1 fährt, ist wahrscheinlich - das sagte Wehrlein zuletzt auch selbst. Ein besseres Cockpit wäre ihm aber zu wünschen, er hätte es verdient. Er hat dafür gesorgt, dass Manor noch im Kampf um Platz zehn ist - nicht Haryanto, nicht Ocon. Palmer und Magnussen hätten hingegen fast dafür gesorgt, dass Renault auch noch im Rennen um Platz zehn ist...


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter