Formel 1 - Bereit für die WM-Niederlage, Lewis Hamilton?

Ausgerechnet Brasilien

In Brasilien kann Nico Rosberg den WM-Titel einsacken. Die Vorzeichen könnten nicht besser sein. So geht Lewis Hamilton mit der abzusehenden Niederlage um.
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Mercedes-Star Rosberg: F1-Titel verdient?: (01:42 Min.)

Die Rechnung könnte einfacher nicht sein. Gewinnt Nico Rosberg das nächste Rennen in Brasilien, ist er vorzeitig Weltmeister. Im Falle eines Sieges wäre es völlig egal, wo Titelrivale Lewis Hamilton landet. Ausgerechnet Interlagos, eine von Rosbergs Lieblingsstrecken. 2014 und 2015 gewann der WM-Favorit auf dem Traditionskurs. Hamilton? Beide Male Zweiter. Kommt es in zwei Wochen zum gleichen Ergebnis, wäre die Weltmeisterschaft durch.

"Natürlich befinde ich mich jetzt in einer Situation, in der die Chance größer ist, den Titel zu verlieren als ihn zu gewinnen", musste Hamilton kurz nach seinem Sieg beim Mexiko Grand Prix einräumen. "Das ist eine bittere Pille, aber so sieht es nun einmal aus. Na ja, das Leben geht weiter. Ich habe ja immer noch drei Weltmeisterschaften." Dass in nächster Zeit ein vierter Titel hinzukommt, glaubt nun kaum noch jemand. Zu sehr stehen die Vorzeichen auf Rosberg, der sich jetzt kontinuierlich zum WM-Triumph hamstert.

Wolff: Jetzt weniger Druck für Rosberg

Trotz aller Vorzeichen blieb er seinen Prinzipien weiter treu. Weltmeisterschaft? Will er nichts von wissen... "Es ist cool, in dieser Situation zu sein", sagte Rosberg nur. "Aber meine Herangehensweise habe ich nicht geändert. So funktioniert es am besten für mich. Es sind ja noch zwei Rennen, da kann alles passieren. Ich verschwende keine Energie auf Dinge, die ich nicht beeinflussen kann." Nach seinem siebten Podestplatz in Folge liegt Rosberg mit 19 Punkten Vorsprung auf Hamilton an der Spitze. Ein mehr als komfortables Polster.

Er hat es in seinen Händen. Das ist vielleicht ein bisschen einfacher für ihn mit weniger Druck.
Wolff über Rosberg

Vor allem befindet sich Rosberg jetzt in einer neuen Situation. Mit einem Sieg kann er alles klarmachen. Ein Vorteil beim intensiven Schlussspurt? "Vielleicht", glaubte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Weil das ganze Gerede, dass er Zweiter werden muss, jetzt vorüber ist. Er hat es in seinen Händen. Das ist vielleicht ein bisschen einfacher für ihn mit weniger Druck, weil er noch eine zweite Chance in Abu Dhabi hat."

Angesichts dieser Voraussetzungen hätte Hamilton vor einigen Jahren womöglich die Flinte ins Korn geworfen und den Titel abgehakt. Stattdessen fährt er in diesen Wochen von Sieg zu Sieg, wahrt seine kleine Chance auf bestmögliche Weise. "Das ist ja nichts Neues, dass er voll motiviert ist und voll konzentriert an die Arbeit geht", sagte Rosberg zu Motorsport-Magazin.com. "Da hat sich nichts verändert, das habe ich ja die ganze Zeit gesagt."

Die WM-Matrix zum Brasilien GP: Gelb = Rosberg holt den Titel - Foto: Motorsport-Magazin.com

Vorbereitet auf die Niederlage?

Was soll Hamilton auch sonst machen? In Austin und Mexiko präsentierte sich der Brite in bestechender Form, Rosberg konnte ihm nicht das Wasser reichen. Gelingt Hamilton der Debütsieg in Interlagos, würde er in der ewigen Siegerliste sogar an Alain Prost vorbeiziehen. Derzeit liegen beide auf dem geteilten zweiten Platz mit 51 Siegen hinter Michael Schumacher. "Ehrlich gesagt, bin ich jetzt nicht auf die Weltmeisterschaft fokussiert", sagte Hamilton. "Ich versuche einfach, die Rennen zu gewinnen. Das ist auch das Ziel in Brasilien. Ich gebe nicht auf."

Ich weiß nicht, wie man sich aufs Verlieren vorbereiten kann.
Lewis Hamilton

Seit dem Wechsel zu Mercedes hatte Hamilton die Oberhand im Silberpfeil-Duell. Jetzt schickt sich Rosberg an, seinen Teamkollegen vom Thron zu stoßen. Eine ungewohnte, aber nicht gänzlich neue Erfahrung für Hamilton. Er sagte; "Ich weiß nicht, wie man sich aufs Verlieren vorbereiten kann. Aber ich habe das schon vorher erlebt. Ich habe 2007 verloren. Ich weiß, dass es jetzt nicht so schmerzhaft wäre wie damals. Ich hab viele Rennen und Meisterschaften verloren in meiner Karriere. Es ist also nicht so, dass ich das nicht kennen würde..."


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