Formel 1 - Vettel vs. Räikkönen: Das Ferrari-Duell steht Kopf

Wer ist das beste Pferd im Stall?

Kimi Räikkönen liegt 2016 bis dato vor Ferraris Nummer eins Sebastian Vettel. Doch gibt es innerhalb der Scuderia tatsächlich ein neues Kräfteverhältnis?
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Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2016 befindet sich bei noch vier zu fahrenden Rennen in der finalen Phase. Mit dem Titelkampf hat Sebastian Vettel schon lange nichts mehr zu tun, sofern das dieses Jahr überhaupt zu irgendeinem Zeitpunkt der Fall gewesen ist. Ein Umstand der, genau wie das Abrutschen Ferraris auf Position drei bei den Konstrukteuren, hauptsächlich der mangelnden Konkurrenzfähigkeit des SF16-H zuzuschreiben sein dürfte.

Ich hatte dieses Jahr Rennen, in denen ich nicht zufrieden mit mir war.
Sebastian Vettel

Im Jahr 2016 ist allerdings noch etwas anders: Vettel liegt in der Fahrerweltmeisterschaft aktuell mit 165 zu 170 Punkten gegenüber seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen zurück. Eine Situation, die vor der Saison wohl die wenigstens Fans und Experten vorausgesagt hätten - entschied die Ferrari-Speerspitze aus Heppenheim das teaminterne Duell 2015 doch eindeutig zu ihren Gunsten.

Vettel selbst gab sich in Suzuka unwissend, was vermeintlich neue Machtverhältnisse in der Ferrari-Garage angeht. "Ich weiß nicht, da muss man sich den WM-Stand angucken. Allerdings weiß ich nicht einmal, ob ich vor oder hinter Kimi bin. Es ist sehr eng, aber ich kenne die Punktestände nicht auswendig."

Vettel vs. Räikkönen 2015

Sebastian Vettel Kimi Räikkönen
Punkte 278 150
Siege 3 0
Podiumsplätze 12 3
Top-5 17 10
Ausfälle 1 5
Rennduelle 14 4
Pole Positions 1 0
Ø Startposition 4,89 6,89
Qualifyingduelle 15 4

Räikkönen hat nachgelegt

Dass ihm der Teamkollege dieses Jahr deutlich näher gekommen ist, dürfte Vettel allerdings kaum verborgen geblieben sein. In Japan schloss Räikkönen im Qualifying-Duell auf 7:10 zum Deutschen auf. "Ich denke, er hat einfach eine bessere Runde erwischt", so Vettel, der nach dem Zeittraining in Suzuka nicht nach Ausreden suchte. Das Duell am Samstag ist 2016 generell ein deutlich engerer Schlagabtausch als im Vorjahr: 2015 hatte Vettel mit 15:4 klar die Nase vorne. Zwar hatte er im September in Singapur aufgrund eines Defekts sozusagen ein Streichresultat, an Räikkönens positiver Formkurve änderte das jedoch nichts.

Auch die durchschnittliche Startposition der Ferrari-Teamkollegen belegt dies: Beide kommen bisher auf einen Mittelwert von 5,18. Räikkönen persönlich scheint mit seinem Arbeitsgerät in diesem Jahr insgesamt viel glücklicher zu sein, auch wenn die erhofften Siege bisher ausblieben. "Das Fahrverhalten des Autos ist wirklich nicht schlecht. Wir müssen es nur schneller machen, um die anderen besser herausfordern zu können", sagte der Finne nach dem Großen Preis von Malaysia.

Vettel mit Renn-Pech

Die Rennstatistik deckt sich rein statistisch mit dem Kräfteverhältnis am Samstag: Auch hier steht es 7:10 für Vettel. Der viermalige Weltmeister liegt in der Gesamtwertung zwar trotzdem fünf Punkte hinter seinem finnischen Stallgefährten, doch die Erklärung dafür liegt für ihn auf der Hand. "Es gab einige Rennen, in denen wir die karierte Flagge nicht gesehen haben - aus unterschiedlichen Gründen." In der Tat musste Räikkönen mit dem Motorschaden in Melbourne und dem selbstverschuldeten Ausfall in Monaco gerade einmal zwei Nuller verzeichnen.

Bei Vettel waren es bereits vier: Motorschaden in Bahrain, Kvyat-Abschuss in Sochi, Reifenplatzer am Red Bull Ring und die selbstverschuldete Startkollision in Sepang. Vettel gingen damit womöglich mehr als fünf Punkte durch die Lappen, was den Punkterückstand erklärt. Räikkönen musste nach den Startkollisionen in Shanghai und Spa zwar auch Punkte liegen lassen, entging aber kostspieligen Totalausfällen.

Vettel nicht mehr ganz der Alte

Für Räikkönens persönlichen Aufwärtstrend spricht außerdem, dass er bereits jetzt 20 Punkte mehr auf dem Konto hat, als nach der gesamten letzten Saison. Mit vier Podestplatzierungen stand der Weltmeister von 2007 dieses Jahr bereits ein Mal mehr auf dem Treppchen als 2015. Vettel hingegen steht derzeit bei sechs Besuchen auf dem Treppchen. Das sind nur halb so viele wie 2015 - ganz zu schweigen von den drei Siegen, von denen er bisher noch keinen wiederholen konnte.

Für den 29-Jährigen durchaus ein Anlass zur Selbstkritik: "Ich hatte dieses Jahr Rennen, in denen ich nicht zufrieden mit mir war, weil mehr möglich war." In den kommenden vier Rennen wird Vettel noch die Möglichkeit bekommen, die Hackordnung innerhalb des Teams wieder in die für ihn richtige Reihenfolge zu bringen. Wenn nicht, wäre es für ihn nach 2014 gegen Daniel Ricciardo die zweite teaminterne Niederlage seiner F1-Karriere.


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