Formel 1 - Fahrermarkt 2017: Gerüchte um Nico Hülkenberg

Weiter mit Force India oder ab zu Renault?

Nico Hülkenberg steht für 2017 offenbar vor der Wahl zwischen Force India und Renault. Was könnte seine Entscheidung für die Karriere bedeuten?
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Motorsport-Magazin.com - Seit dem Großen Preis von Japan in Suzuka machen hartnäckige Gerüchte die Runde, wonach Nico Hülkenberg in der Saison 2017 bei Renault andocken könnte. Zwar wurde der Verbleib des deutschen Le-Mans-Siegers bei Force India im Verlauf des Sommers mehrfach bekräftigt - eine endgültige Bestätigung gab es bislang aber nicht. Für Renault gäbe es gute Gründe, Hülkenberg für 2017 in Erwägung zu ziehen. Der 29-Jährige absolviert in diesem Jahr zusammen mit seinem Teamkollegen bei Force India, Sergio Perez, eine bärenstarke Saison. Das hat der Reputation beider Fahrer einen weiteren Schub verliehen.

Bis vor kurzem buhlte Renault noch um die Dienste des Mexikaners. Dieser verkündete jedoch nach dem Rennen in Sepang seine Vertragsverlängerung bei Force India. Mit dem Wegfall der Aktie Perez begann laut den Gerüchten das massive Baggern von Renault um Hülkenberg. Dieser darf sich nun entscheiden: Bleibt er seinem sich im Aufwind befindlichen Arbeitgeber treu, oder wagt er den Absprung zu den bis dato schwächelnden Franzosen?

Pro Renault: Verlockungen eines Werksteams

Wer auf den aktuellen WM-Stand blickt, wird feststellen, dass Renault 126 Punkte weniger auf dem Konto hat als Force India. Doch 2017 kann dies bereits ganz anders aussehen: Das neue technische Reglement wird dafür sorgen, dass die Karten bis zu einem gewissen Grad neu gemischt werden. Und selbst die Misserfolge von 2016 könnten sich im Nachhinein als Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft erweisen.

Renault legte aufgrund des schwachen R.S.16 den Fokus schon früh auf 2017. Wie es sich für einen Automobilkonzern schickt, wurde in diesem Zuge kräftig in Personal und Technologie investiert. Die Franzosen verfügen als waschechtes Werksteam über Ressourcen, von denen Hülkenberg bei Force India nur träumen kann. Es sind allerdings nicht nur diese finanziellen und strukturellen Voraussetzungen, die für Renault sprechen.

Renault will zurück auf die Siegerstraße - Foto: Sutton

Auch die Vergangenheit verspricht deutlich bessere Erfolgsaussichten: Schließlich hat der französische Konzern bei seinen zwei bisherigen Werkseinsätzen in der Formel 1 ganze 35 Siege, 51 Pole Positions und 2 Weltmeistertitel eingefahren. Für Hülkenberg dürften die Erfolge, die Tradition und das Prestige, das mit einem Werksvertrag einhergeht, durchaus verlockend sein. Und nach sechs Jahren im Mittelfeld könnte ein Projekt wie dieses genau das sein, was er für seine weitere Entwicklung und den ersehnten Durchbrauch braucht.

Contra Renault: Erfolgsdruck bei einem Hersteller

Auf der anderen Seite ist ein Engagement bei einem Hersteller auch keine Garantie auf sofortigen Erfolg. Die Aufbauarbeit in einem Werksteam kann eine langjährige und äußerst mühsame Angelegenheit sein. Teams wie Red Bull oder Mercedes brauchten etwa fünf Jahre, um an die Spitze der Königsklasse zu gelangen. Hülkenberg wird unter Umständen jede Menge Geduld mitbringen müssen, wenn er bei Renault eines Tages die Früchte ernten will.

Hinzu kommt der enorme Erfolgsdruck, der im Team eines Automobilkonzerns herrscht. Etwaige Misserfolge oder anhaltende Durststrecken sind nicht gerne gesehen - schließlich werden Unsummen in ein Formel-1-Engagement investiert. Hülkenberg wird zuweilen ein sehr dickes Fell haben müssen, wenn es darum geht, schlechte Ergebnisse zu rechtfertigen. Im schlimmsten Fall kann ein Werkscockpit auf diesem Wege auch zum Schleudersitz mutieren.

In der Geschichte gibt es mindestens genauso viele gescheiterte Versuche, die Formel 1 zu erobern, an deren Ende auch die Fahrer das Nachsehen hatten. Toyota, BMW und Honda schmissen nach einigen Jahren der Stagnation die Brocken hin und beendeten ihre Formel-1-Projekte. Für Fahrer wie Jarno Trulli, Nick Heidfeld oder Timo Glock bedeutete dies ein Karriereende auf Raten.

Pro Force India: Der sichere Hafen

Nico Hülkenberg befindet sich momentan in seiner vierten Saison für den Rennstall von Vijay Mallya. Als er nach seiner Debüt-Saison für Williams Ende 2010 ohne Stammcockpit dastand, nahm sich Force India dem Deutschen an und verhalf ihm nach einem Übergangsjahr wieder zu einem festen Platz in der Königsklasse. Nach einem kurzen Gastspiel bei Sauber, kehrte Hülkenberg erneut zurück.

Hülkenberg fuhr 2012 erstmals für Force India - Foto: Sutton

Dies beweist vor allem eines: Mallya hatte stets großes Vertrauen in die Fähigkeiten des 29-Jährigen. Die gemeinsame Vergangenheit und sein ausgezeichneter Ruf im Team garantieren Hülkenberg beinahe schon ein Stammcockpit - zumindest solange Force India ihm dieses bieten kann und als Privat-Team noch nicht auf Paydriver angewiesen ist. Sorgen um den Verbleib in der Formel 1 braucht sich Hülkenberg dort also nur bedingt machen.

Hinzu kommt, dass sich das Team aktuell auf seinem Zenit befindet und angesichts des neuen Reglements im kommenden Jahr noch einen weiteren Schritt nach vorne machen könnte. Hülkenberg könnte bei Force India also schon in naher Zukunft die Früchte jahrelanger Arbeit ernten - und danach trotzdem die Chance auf den Wechsel zu einem Top-Team haben oder diese sogar noch verbessern.

Contra Force India: Abstellgleis im Mittelfeld

Eine langjährige Zusammenarbeit mit nur einem Team kann sich auf die Karriere eines Fahrers allerdings auch negativ auswirken. Auch wenn Force India 2017 wieder auf dem derzeitigen Level fährt: Hülkenberg belegte in den vergangenen Jahren bereits Top-10 Plätze in der Gesamtwertung, der große Durchbruch oder auch das erste Podium blieben für den Deutschen aber bisher aus. Eine fünfte Saison ohne nennenswerten Fortschritt könnte Hülkenbergs Karriere in die absolute Stagnation treiben.

Wenn er den Absprung verpasst, oder noch schlimmer einen Absturz von Force India miterleben muss, könnte er wie Adrian Sutil oder Kamui Kobayashi trotz guter Leistungen plötzlich ganz ohne Cockpit dastehen. Denn Force India wird sich den Luxus, statt Hülkenberg keinen Bezahlfahrer einsetzen zu müssen, nur so lange leisten können, wie das Team entsprechende Erfolge und Preisgelder einfährt.

Hinzu kommt das Alter von Hülkenberg. Mit bald 30 Jahren zählt er nicht mehr zu den jungen Wilden, während von hinten mit Wehrlein & Co. bereits eine neue Generation drückt. Wenn Hülkenberg bei Force India 2017 keine Akzente setzen kann, könnte er von den Top-Teams beim Generationenwechsel möglicherweise übergangen werden und in der Konsequenz nie den Sprung in ein Werksteam schaffen.


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