Formel 1 - Japan GP – Strecke: Suzuka Circuit

Höchste Ansprüche an Fahrer und Auto

Der Japan GP zählt zu den Lieblingsrennen der Fahrer, denn der Kurs ist extrem anspruchsvoll, bietet aber einen fantastischen Fluss.
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Motorsport-Magazin.com - Der Japan GP 2016 könnte die Vorentscheidung in der Meisterschaft werden. Sollte Nico Rosberg gewinnen, braucht Lewis Hamilton in den letzten vier Rennen Schützenhilfe, denn dann würde es dem Deutschen reichen, in jedem Rennen hinter Hamilton anzukommen, um seinen ersten Titel zu feiern. Doch die Strecke ist tückisch und mit dem vorhergesagten Wetterbedingungen wird es ein spannendes Wochenende.

  • 12. Rennen auf dem Layout von 2003
  • Neue Drainagen bei den Kurven drei, vier und zwischen fünf und sechs
  • Zusätzlicher Trümmerzaun links vor Kurve zehn
  • Eine DRS-Zone auf der langen Geraden
  • Von den aktuellen Fahrern haben nur die Weltmeister in Suzuka gewonnen

Streckenname: Suzuka International Racing Course

Die Streckengrafik vom Japan GP - Foto: Motorsport-Magazin.com

1962 wurde die Strecke nach einer Vorlage von Hans Hugenholtz als Teststrecke von Honda errichtet. Anbei wurde sogar ein Vergnügungspark mit dem Namen Motopia Park für die Mitarbeiter und Familien gebaut. Die Strecke hat als einzige im Formel-1-Kalender die Bauform einer Acht, sodass sich die Links- und Rechtskurven in etwa die Waage halten.

Nachgebastelte Autos auf den Köpfen der Fans sind in Japan keine Seltenheit - Foto: Sutton

Von den Fahrern wird Suzuka als klassische Old-School-Strecke gefeiert, denn es ist eine der wenigen Strecken, wo es noch Kiesbetten gibt. Fahrfehler werden also im schlimmsten Fall gleich doppelt bestraft. Durch das verwinkelte Layout mit vielen Kurvenkombinationen hat die Strecke einen eigenen Fluss, den alle Fahrer im Feld lieben. Zugleich ist die Anforderung an den Fahrer enorm hoch. Auf kaum einer Strecke kann ein Fahrer einen so großen Unterschied machen wie hier.

Die Strecke selbst ist zum 28. Mal im Rennkalender und da sie beinahe immer am Ende des Rennkalenders stand, wurden bereits elf Weltmeister nach dem Japan GP gekrönt. Neben der Strecke sind aber auch die japanischen Fans bei den Fahrern beliebt. Kein anderes Land hat so verrückte Fans wie die Japaner.

Streckenverlauf: Highlight für alle Fahrer

Strecken-Vorschau Japan GP mit Christian Danner: (1:34 Min.)

Eine beste Passage beim Suzuka Circuit herauszusuchen ist genau so schwierig, wie bei einem Hamburger den besten Bissen zu suchen. Die Strecke ist einfach einzigartig und wird von allen Fahrern geliebt. Die Strecke ist eine Herausforderung mit vielen schnellen Kurven und Mutpassagen wie der berühmten 130R. Die Strecke verläuft als einzige im gesamten Formel-1-Kalender in Form einer Acht und hat daher ein relativ ausgeglichenes Verhältnis zwischen Links- und Rechtskurven.

Die schnellste und gleichzeitig gefährlichste Passage ist ohne Frage die 130R mit Vollgas fahren die Boliden bei Geschwindigkeiten von über 300 km/h um die Ecke. Ein Reifenschaden oder ein Fahrfehler können dort schwere Folgen haben. Die seitlichen Kräfte die dort auf die Fahrer wirken, erreichen knapp 4g, was selbst für einen F1-Boliden ein enormer Wert ist. Zugleich ist es aber auch eine wichtige Passage, besonders im Zweikampf, denn es folgt eine von nur zwei guten Überholmöglichkeiten des Kurses.

Für die Rundenzeit sind die Esses zu Beginn des Kurses von extremer Wichtigkeit. Durch die Kurven drei bis sieben gilt es einen guten Rhythmus zu finden und schon ein kleiner Fahrfehler kostet gleich massiv Zeit, denn die Linie für die folgenden Kurven stimmt nicht. Ebenso ist die Spoon-Corner, oder zu deutsch: die "Löffel"-Kurve, nicht zu unterschätzen. Wer hier einen Fehler macht, verliert auf der folgenden Geraden sowie durch die 130R viel Zeit.

Streckendaten Suzuka Circuit
Länge: 5,807 km
Runden: 53
GP-Distanz: 307,771 km
Rundenrekord: 1:31.540 Minuten(Rai, 2005)
Kurven: 18
Weg bis Kurve 1: 405 m
Länge Boxengasse: 392 m
Zeit in Box bei 80 km/h: 17,65 s

Technik-Herausforderung: Optimale Balance

Auf dem Suzuka International Racing Course bedarf es einem optimalen Kompromiss aus Abtrieb und Höchstgeschwindigkeit. Zwar gibt es nur zwei längere Geraden, doch genau die sind auch die besten Überholmöglichkeiten auf dem technisch anspruchsvollen Kurs. Doch bei zu wenig Abtrieb verliert man in den vielen schnellen Kurven zu viel Zeit. Die richtige Balance ist also entscheidend.

Zudem muss der Fahrer besonders in den Mutkurven uneingeschränktes Vertrauen ins Auto haben, sonst verliert er da schon zu viel Zeit. Wie kurvenreich die Strecke ist, zeigt ein Blick auf die Distanz, die unter Vollgas zurückgelegt wird. Das ist gerade einmal die Hälfte der Runde. Andere Strecken kommen dabei auf deutlich höhere Werte.

Die Strategie: 2-Stopp-Rennen

Zwar liefert Pirelli die drei härtesten Reifenmischungen nach Japan, doch durch die enormen Belastungen in den Kurven haben die Reifen auch extrem viel zu arbeiten. Im letzten Jahr siegte Lewis Hamilton nach zwei Boxenstopps, doch die Strategie hängt auch davon ab, ob es ein Safety-Car gibt oder nicht. Das war drei der fünf letzten Rennen der Fall. Das muss dementsprechend auch in die Strategieberechnung einfließen.

Ein Boxenstopp kostet dabei nicht einmal viel Zeit und kann durch die hohe Reifenabnutzung auch noch einen großen Vorteil bringen, da die Reifen gegen Ende der Lebenszeit sehr viel Grip verlieren. Die ganze Strategieplanung könnte durch den Regen dann auch noch durcheinandergeworfen werden. Denn dann gibt es keine Pflichtreifen mehr und die Strecke wird eine noch größere Herausforderung als sie eh schon ist.

Das Wetter: Hohe Chance auf Regen

Der Japan GP in Suzuka zählt nicht zu den großen Regenrennen. In den letzten 15 Jahren regnete es ein einziges Mal. Im Jahre 2014 zog sich das Rennen durch den Regen in die Länge und wurde nach dem schweren Unfall von Jules Bianchi sogar abgebrochen. Doch auch an diesem Wochenende könnte es wieder regnen. Insgesamt regnete es in den letzten fünf Jahren nur in drei Sessions.

Am Freitag bleibt es laut aktuellen Vorhersagen noch trocken, doch die Wolkendecke verdichtet sich bei Tageshöchsttemperaturen bis zu 22 Grad. Der Samstag soll bereits mit Regen beginnen, doch auch während des Trainings und der Qualifikation soll es nass bleiben. Am Renntag soll es sogar noch öfter Schauer geben und sogar Gewitter könnten den Nachmittag in Suzuka prägen. Die Regenwahrscheinlichkeit für das Rennen liegt daher bei 90 Prozent.

Streckenname: Unvergessene Momente

Moment 1:1989 kämpften die Teamkollegen Alain Prost und Ayrton Senna gegeneinander um die Weltmeisterschaft. Der Rückstand von Senna war jedoch so groß, dass selbst ein Sieg nur die Titelchancen erhalten hätte, wenn Prost ohne Punkte ausgeht. Es kam zur Kollision, für die Senna disqualifiziert wurde. Dadurch wurde die Meisterschaft entschieden.

Senna und Prost: Kollision beim Japan GP 1989: (02:50 Min.)

Moment 2:Ein weiteres Highlight war die Meisterschaftsentscheidung elf Jahre später. Beim vorletzten Rennen hatte Mika Häkkinen nur noch relativ geringe Chancen. Er musste gewinnen und beim Start ging er auch in Führung. Doch durch eine geschickte Strategie siegte Schumacher und errang seinen ersten Weltmeistertitel mit Ferrari.

Moment 3:Niemand wird den tragischen Unfall von Jules Bianchi von 2014 vergessen. Der junge Franzose kam im Marussia von der Strecke ab und prallte unglücklich gegen ein Bergungsfahrzeug. Durch die schweren Verletzungen, die er dabei erlitt, verstart er 2015.

Japan GP: Die letzten Rennen

Jahr Sieger 2. Platz 3. Platz Pole Schn. Runde
2015 Lewis Hamilton Nico Rosberg Sebastian Vettel Nico Rosberg Lewis Hamilton
2014 Lewis Hamilton Nico Rosberg Sebastian Vettel Nico Rosberg Lewis Hamilton
2013 Sebastian Vettel Mark Webber Romain Grosjean Mark Webber Mark Webber
2012 Sebastian Vettel Felipe Massa Kamui Kobayashi Sebastian Vettel Sebastian Vettel
2011 Jenson Button Fernando Alonso Sebastian Vettel Sebastian Vettel Jenson Button

Japan GP: Fakten zum Rennen

  • 28. Rennen der Formel 1 in Suzuka
  • Hamilton hat die Chance auf Sieg Nr. 50
  • Rosberg könnte die 30. Pole Position holen
  • 60. Sieg für Mercedes möglich

Wusstest Du schon, dass...

... 1962 bereits die Eröffnung des Suzuka International Racing Course oder auch kurz Suzuka Circuit stattfand? Honda ließ die Strecke als Teststrecke nach einem Plan von Hans Hugenholtz erbauen.

... erst 1987 zum ersten Mal die Formel 1 in Suzuka fuhr? 1976 bestritt die Formel 1 zwar schon ein Rennen in Japan, damals jedoch in Fuji. Nach zwei Rennen dort fand bis 1987 erst einmal kein F1 GP im Land der aufgehenden Sonne statt.

... 2003 der bisher letzte Umbau des Kurses stattfand? Bei drei der vier Umbaumaßnahmen verlor der Kurs etwas an Länge. 1991 war die Strecke noch 5,864 Kilometer lang, jetzt ist die Runde 57 Meter kürzer.

... es 2014 zum bisher einzigen tödlichen Formel-1-Unfall in der Geschichte des Kurses gab? Die Strecke ist zwar extrem schnell, doch die Sicherheit ist extrem hoch. Der Unfall von Bianchi war eine Verkettung unglücklicher Umstände.


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