Formel 1 - Tops & Flops des Malaysia GP 2016

Hamilton hadert mit dem Schicksal, Ricciardo spricht über Karma

Ein feiernder Daniel Ricciardo, ein trauernder Lewis Hamilton, ein torpedierender Sebastian Vettel. Das und noch viel mehr in den Tops und Flops aus Malaysia.
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Mann des Rennens: Daniel Ricciardo

Wie sehr litt man mit Daniel Ricciardo mit, als er in Monaco wie ein Häufchen Elend auf dem Podium stand. Das Bittere: Ricciardo war der schnellste Fahrer und hatte im Rennen keinen Fehler begangen. Er hatte es seiner Crew zu "verdanken", dass der Sieg flöten ging. In Malaysia kehrte sich dieses Spiel nun um. Hamilton war der schnellste Fahrer, er machte keinen Fehler - den Sieg aber holte sich der Sunnyboy der Formel 1. Auf dem Podium sprach Ricciardo sogar von Karma. Wenige Sekunden später genoss Ricciardo dann einen extra großen Schluck Champagner aus seinem Stiefel. Verständlich nach dem längst überfälligen ersten Saisonsieg.

Shoey für alle! - Foto: Sutton

Spruch des Rennens: Nur Räikkönen erinnert sich an das Team-Meeting

In der Anfangsphase des Rennens wurde der zu diesem Zeitpunkt auf Rang drei liegende Kimi Räikkönen von seinem Renningenieur gefragt, wie denn der Zustand seiner Reifen zu bewerten sei. Räikkönen antwortete zunächst, dass alles in Ordnung sei. Im gleichen Satz aber fragte der Finne auch: "Warum machen wir es nicht, wie wir es im Meeting besprochen haben?" Was genau er damit meinte, blieb jedoch unklar.

Manöver des Rennens: Rosberg (un-)fair gegen Räikkönen

Auf seiner Aufholjagd vom letzten Platz aus hatte Nico Rosberg nach eigener Aussage "das Messer zwischen den Zähnen". Kam er durch den Schwanz des Feldes noch gut durch, tat sich der Mercedes-Pilot gegen Kimi Räikkönen etwas schwerer. Der sonst eher zurückhaltende Rosberg hatte an diesem Nachmittag aber keine Lust auf Warten, er quetschte sich in Kurve zwei innen an dem Ferrari-Piloten vorbei. Es flogen Teile, vornehmlich vom Boliden des Finnen. "Bei Rosberg hatte ich schon irgendwie das Gefühl, dass er etwas versuchen wurde. Er hatte in Kurve 1 schon eine seltsame Linie. Ich habe eingelenkt und plötzlich habe ich ihn im Spiegel aufblitzen sehen", erklärte Räikkönen die Szene.

Es ist nicht eindeutig überliefert, ob die rote Farbe des Autos nach dem Vorfall am Rennstart mit Sebastian Vettel besonders anstachelnde Wirkung auf Rosberg hatte. Klar ist nur, dass Rosberg den Weg vorbeifand und Räikkönen mit einem ramponierten Auto zu kämpfen hatte. "Die Kalkulationen besagen, dass er zehn Punkte Anpressdruck verloren hat. Es war unmöglich für ihn, in dieser Situation aufzuholen", so Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene. Die Rennkommissare belegten Rosberg mit einer Zehn-Sekunden-Strafe, was dieser wiederum nicht verstand. "Ich dachte ehrlich gesagt, dass es ein aggressiver, aber immer noch akzeptabler Angriff gewesen ist. Dafür fahren wir Rennen!"

Szene des Rennens: Hamilton-Sieg geht in Rauch auf

Der Moment, in dem Hamiltons Sieg-Träume platzten - Foto: Sutton

Noch 16 Runden war Lewis Hamilton von der Übernahme der WM-Führung entfernt, doch dann folgte die Szene des Rennens und möglicherweise auch des Jahres. Auf der Start-Ziel-Geraden ging seine erst zwei Rennen alte Power Unit in die Luft, der Brite funkte verzweifelt in Richtung seiner Crew. Doch niemand konnte etwas machen. Hamilton musste sein Auto abstellen und hockte kurz darauf erschüttert neben seinem Boliden.

Getroffen von diesem bitteren Rückschlag konnte Hamilton sein Pech gar nicht fassen. "Mercedes hat in diesem Jahr 40 Motoren gebaut und drei zusätzlich für mich, weil meine schon einmal kaputt gegangen sind. Von den 43 Motoren sind nur meine kaputt gegangen - das ist einfach nur komisch", nährte er scheinbar Verschwörungstheorien. Doch die Schuld suchte er eher beim Schicksal. "Eine höhere Macht will es nicht. Es fühlt sich so an, als ob der Herr oben oder eine höhere Macht etwas dagegen hätten", zeigte er sich beinahe schon desillusioniert.

Boxenstopp des Rennens: Massa 2.0

Seinen letzten Formel-1-Auftritt in Malaysia wird Felipe Massa mit Sicherheit schnell abhaken wollen. Beim Start in die Einführungsrunde funktionierte sein Gaspedal nicht, er musste aus der Box hinterher fahren. Kurz darauf fuhr er sich dann auch noch einen Plattfuß ein. Welch ein gebrauchter Tag. Immerhin: Seine Crew machte einen super Job. In 2,0 Sekunden fertigten sie Massa bei seinem Boxenstopp ab - Bestwert des Rennens.

Topspeed des Rennens: Mercedes-Dominanz an der Spitze

Die Strecke in Malaysia galt bereits vor dem Wochenende als ein Kurs, der von den Motoren einiges abverlangt. Das explodierte Aggregat von Lewis Hamilton dient als unschönes Beispiel. Dass Mercedes dennoch nach wie vor über die besten Motoren verfügt, beweist der Blick auf die Topspeeds. Unter den Top 10 finden sich acht Fahrer mit Mercedes-Antrieb im Heck. Dagegen fehlt Renault komplett in der Liste. Überraschend stark: Fernando Alonso mit seinem Honda-Motor auf Rang sieben.

Platz Fahrer Team Motor Geschwindigkeit
1 Nico Rosberg Mercedes Mercedes 333,0 km/h
2 Esteban Ocon Manor Mercedes 331,1 km/h
3 Nico Hülkenberg Force India Mercedes 330,2 km/h
4 Felipe Massa Williams Mercedes 329,4 km/h
5 Pascal Wehrlein Manor Mercedes 328,9 km/h
6 Lewis Hamilton Mercedes Mercedes 328,4 km/h
7 Fernando Alonso McLaren Honda 326,9 km/h
8 Esteban Gutierrez Haas Ferrari 326,4 km/h
9 Valtteri Bottas Williams Mercedes 326,3 km/h
10 Sergio Perez Force India Mercedes 326,1 km/h

Unsung Hero des Rennens: Jolyon Palmer

Im 16. Rennen der Karriere hat es Jolyon Palmer endlich geschafft! Der Brite in Renault-Diensten fuhr seinen Boliden auf den zehnten Platz und damit erstmals in diesem Jahr in die Punkte. Damit ist Kevin Magnussen nicht mehr der alleinige Punktelieferant für Renault. Vor dem Malaysia GP gingen alle bisher geholten Zähler auf das Konto des Dänen. Zugegeben: es waren nur sieben...

Depp des Rennens: Torpedo-Vettel

Sebastian Vettel räumte am Start Nico Rosberg ab - Foto: Sutton

Geträumt hatte Sebastian Vettel am Samstag noch vom Podium und insgeheim sogar von einem Sieg, falls bei Mercedes etwas schiefgeht. Um das zu erreichen, wäre es aber hilfreich, sein Auto nicht bereits in der ersten Kurve aus dem Rennen zu nehmen. Genau das aber tat Vettel. Er verpasste seinen Bremspunkt für Kurve eins und fuhr Nico Rosberg ins Auto, der gerade in die Kurve einbog. Dabei war der Winkel für Vettel so ungünstig, dass seine linke Vorderradaufhängung direkt abknickte. Für Vettel das frühe Aus.

"Es war eine Kettenreaktion. Ich denke, Max [Verstappen; Anm. d. Red.] und ich haben einfach um die erste Kurve gekämpft und am gleichen Ort gebremst. Ich hatte dann die innere Linie, natürlich mit dem schlechteren Ausgang, weil Nico reingezogen ist auf seiner Linie. Dann konnte ich den Unfall nicht mehr vermeiden", schilderte Vettel den Vorfall aus seiner Sicht. Rosberg sprach von einem "Torpedo", der ihn getroffen habe. Die Rennkommissare sahen die Schuld beim Ferrari-Piloten und belegten ihn für den Japan GP am kommenden Wochenende mit einer Strafversetzung um drei Positionen.

Tweet des Rennens: Besonderer Shoey von Ricciardo

Daniel Ricciardo hat uns den Shoey als australische Tradition inzwischen näher gebracht. In Malaysia nahm er einen besonders ausgiebigen Schluck Champagner aus seinem Rennschuh. Und nicht nur das: Er reichte seinen Stiefel sogar an alle Anwesenden auf dem Podium weiter. Und tatsächlich probierten sowohl Max Verstappen, Christian Horner, als auch Nico Rosberg das doppelt feuchte Erlebnis. Auf der Pressekonferenz danach meinte Rosberg auf den Geschmack angesprochen nur: "Ich hoffe, er gewinnt dieses Jahr keine Rennen mehr."

Tipp des Rennens: Überraschungsmann Ricciardo

Am Vortag eines jeden Rennens fragt Motorsport-Magazin.com seine User stets, wer das Wochenende als strahlender Sieger abschließt. So auch in Malaysia. Mit Daniel Ricciardo hatte aber niemand gerechnet. Gerade einmal fünf Prozent setzten ihre Hoffnungen in den Australier. Top-Favorit mit 36 Prozent war Nico Rosberg, Lewis Hamilton folgte auf Platz zwei mit 26 Prozentpunkten. Und auch die MSM-Redakteure lagen komplett daneben. Zwei Kollegen sahen Ricciardo immerhin auf dem Podest - nicht aber auf der obersten Stufe. Der Malaysia GP zeigte einmal mehr, dass selbst ausgeklügelte Analysen im Nachhinein nur Schall und Rauch sein können.


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