Formel 1 - Magnussen vs. Sainz: Duell um Renault-Cockpit?

Wer fährt 2017 für Renault?

Renault hat noch keinen Fahrer für 2017 bestätigt. Das ärgert Kevin Magnussen, der nun Konkurrenz von Carlos Sainz bekommen könnte.
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Motorsport-Magazin.com - Der Kampf um die Cockpits für die Formel-1-Saison 2017 geht in die heiße Phase. Im Fokus steht dabei nicht zuletzt Renault, das noch keinen Fahrer für das nächste Jahr bestätigt hat und auch sichtlich keine Eile hat, was die Personalplanung betrifft.

Renault zeigt Interesse an Magnussen

Während Kevin Magnussen und Jolyon Palmer auf eine Weiterverpflichtung hoffen, steht im Raum, dass Sergio Perez und/oder Carlos Sainz bei den Franzosen anheuern könnten. Während bei Perez ein Force-India-Verbleib jedoch wahrscheinlich ist, verdichten sich die Anzeichen, dass Sainz Toro Rosso in Richtung Renault verlassen könnte - trotz erst kürzlich verlängerten Vertrags per gezogener Option durch Red Bull. Am Rande des Malaysia GP bestätigte der Spanier nun erstmals Interesse seitens Renaults an seiner Person.

Für mich ist es eine Ehre, das Interesse eines Herstellers geweckt zu haben
Carlos Sainz

"Für mich ist es eine Ehre, das Interesse eines Herstellers geweckt zu haben und dass er möchte, dass ich ein Auto mit ihm zusammen entwickle", fühlt sich Sainz geschmeichelt. Allzu viele Gedanken über einen Teamwechsel will sich der Spanier derzeit allerdings gar nicht machen, sondern sich vielmehr auf den Job auf der Strecke konzentrieren.

"Ich kenne nicht alle Details. Erstens, weil ich mich auf die Saison konzentriere und nicht zu viel über mein Zukunft nachdenken will, wenn noch sechs Rennen zu fahren sind. Wichtige und harte sechs Rennen. Und zweitens ist es zwar auch mein Job, darüber informiert zu sein, aber es ist letztendlich mehr der Job von Helmut Marko und meinem Management", betont der 22-Jährige.

Carlos Sainz ist begehrt - Foto: Sutton

Wenngleich Sainz mehrfach unterstreicht, welch Auszeichnung es ist, auf der Liste eines Herstellers wie Renault zu stehen, insgeheim verfolgt der Spanier doch andere Ziele. "Letztendlich ist mein Hauptziel, so wie ich immer gesagt habe, vielleicht nicht 2017, aber 2018, um eine WM zu kämpfen - und das hoffentlich mit Red Bull", würde er gern eine Karriere hinlegen, wie es vor ihm Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo taten. "Alles, was ich momentan will, ist, dass das passiert. Und jetzt muss ich den kürzesten Weg finden, um das zu erreichen."

Angesichts der bisher an den Tag gelegten Performance ist es zumindest fraglich, ob Renault in absehbarer Zeit in der Lage sein wird, um den Titel zu kämpfen - trotz des bevorstehenden Umbruchs im Technischen Reglement. Die Franzosen halten aktuell nur bei sieben Punkten und stehen damit abgeschlagen auf dem neunten Platz der Konstrukteurs-Wertung. "Über Renault habe ich noch nicht genügend Informationen, ob sie nächstes Jahr schon abliefern können oder ob es zwei oder drei Jahre dauert. Ich habe keine Ahnung, ob sie nächstes Jahr auf Top-Level fahren werden oder erst in drei Jahren", tappt Sainz selbst im Dunkeln.

Magnussen wartet auf Renault-Entscheidung

Ein Opfer der im Raum stehenden Sainz-Verpflichtung könnte Kevin Magnussen werden, obwohl der Däne für sämtliche Punkte, die sich auf Renaults WM-Konto befinden, verantwortlich zeichnet. "Natürlich ist es frustrierend nicht zu wissen, was man nächstes Jahr macht. Ich will es so bald wie möglich wissen", drängt Magnussen auf eine rasche Entscheidung.

Natürlich ist es frustrierend nicht zu wissen, was man nächstes Jahr macht
Kevin Magnussen

In Anbetracht der momentanen Ungewissheit kommen unschöne Erinnerungen an 2014 hoch, als Magnussen von McLaren bis in den Winter hingehalten wurde, ehe er sein Cockpit an Fernando Alonso abtreten musste. "Das ist eine Erfahrung, die ich nicht noch einmal erleben möchte. Aber ich denke nicht, dass es dazu kommen wird, es wird früher oder später eine Entscheidung geben", will er diesmal nicht so lange warten. "Ich werde nicht annährend bis eine Woche vor dem ersten Test warten, aber ich bin mir sicher, das wird nicht notwendig sein."

Gespräche mit dem Renault-Management gibt es trotz der unklaren Situation aktuell keine. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich viel sagen muss", sieht Magnussen allerdings auch gar keinen großen Redebedarf. "Ich versuche zu fahren und den bestmöglichen Job auf der Strecke zu machen und lasse das für sich selbst sprechen."

Muss sich Magnussen schon wieder von Renault verabschieden? - Foto: Sutton

Sollte sich Renault gegen eine Weiterverpflichtung des Dänen aussprechen, könnte er etwa bei Sauber anheuern, das ebenfalls noch keine Fahrerentscheidung für 2017 getroffen hat - das nötige Kleingeld vorausgesetzt. "Ich habe nicht wirklich ein Management. Ich kenne sehr viele Leute im Paddock. Ich fahre erst zwei Jahre, bin aber schon viele Jahre im Paddock", bleibt Magnussen jedenfalls vage, was Verhandlungen mit potenziellen anderen Arbeitgebern betrifft.

Auch bei Haas ist noch alles offen

Jemand, der weiß, wie der Hase bei Renault läuft und ebenfalls noch keinen neuen Vertrag in der Tasche hat, ist Romain Grosjean. Der Franzose steht zwar vor einer Verlängerung bei Haas, noch ist die Tinte allerdings nicht trocken. "Es ist noch nicht sicher, aber ich bin zuversichtlich. Ich sage nicht 100 Prozent, sondern irgendetwas zwischen 1 und 99 Prozent", so Grosjean, der noch nicht weiß, wann die angestrebte Bestätigung erfolgen wird. "Keine Ahnung. Ich bin nicht besorgt."

Haas hat noch zwei freie Cockpits - Foto: Sutton

Ob es der Leistung zuträglich ist, in eine ungewisse Zukunft zu blicken, möchte Grosjean nicht pauschal beurteilen. "Der Sport ist sehr herausfordern und die Performance kommt daher. Einige Fahrer haben lieber einen unterschriebenen Vertrag für nächstes Jahr, dann können sie besser fahren. Andere mögen den Druck. Es ist immer viel Druck da. Aber wir sind alle unterschiedlich."

Während auch noch Esteban Gutierrez auf eine Weiterbeschäftigung bei Haas hofft, wird GP3-Leader Charles Leclerc, der aus dem Ferrari-Fahrernachwuchs stammt und für Haas bereits Trainingseinsätze absolvierte, 2017 definitiv kein Stammcockpit erhalten. "In der Position, in der wir uns befinden, ist er zu unerfahren", erklärt Teamchef Günther Steiner. "Wir brauchen jemanden, der Punkte machen kann. Wir müssen das Team entwickeln und können nicht den Fahrer entwickeln."


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