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Formel 1 - Interview - Christijan Albers: Kämpfe um Caterham

Das ist ein Riesenauftrag

Motorsport-Magazin.com sprach mit Neo-Caterham-Teamchef Christijan Albers über Entlassungen, fehlender Erfolg und die Popularität der Formel 1.
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Motorsport-Magazin.com - Caterham hat sich in den letzten Wochen neu aufgestellt. Seitdem hat sich eine Menge getan, viele Leute wurden entlassen.
Christijan Albers: Sie müssen verstehen, dass ich darüber aus rechtlichen Gründen nicht viel sagen kann. Wir haben uns als Team zu diesem Schritt entschieden. Diese Entscheidung musste getroffen werden. Es musste etwas passieren. Man darf nicht vergessen, dass man vor zwei Monaten hier noch den Stecker ziehen wollte. So gesehen läuft es im Moment sehr gut.

Gibt es Neuigkeiten von den entlassenen Mitarbeitern?
Christijan Albers: Kein Kommentar.

Muss man weitere Kürzungen beim Personal erwarten?
Christijan Albers: Wir arbeiten weiterhin hart an unserem Weg. Die Strukturen sehen aktuell sehr gut aus. Ich sehe momentan keinen Grund zur Veränderung, aber das kann jeden Tag anders sein. Wenn einer nicht performt, dann muss eine Entscheidung getroffen werden. Wir haben nicht zwei Jahre Zeit, um etwas gutzumachen.

Motorsport-Magazin.com sprach mit Albers in Spa - Foto: Sutton

Wie viele Leute braucht man, damit ein Team richtig funktioniert?
Christijan Albers: Wir haben immer noch zu viele Leute. Bei uns arbeiten im Moment 260 Leute. Das ist sehr viel.

Was ist das untere Limit?
Christijan Albers: Marussia arbeitet mit 140 Leuten.

140?
Christijan Albers: Sie sind von der Presse, Sie sollten das wissen. Wir haben 120, 130 Leute mehr. Das ist fast das Doppelte.

Da kann es eigentlich nicht sein, dass man sportlich da steht, wo man steht.
Christijan Albers: Das ist das Problem. Wir stehen hier mit diesen Resultaten und dieser Performance, obwohl in all den Jahren so viel Geld reingeflossen ist. Das ist nicht gut. Das muss sich sofort ändern. Da kann man nicht sechs, sieben oder acht Jahre dran arbeiten. Die Zeit haben wir nicht.

Ich vertraue Renault
Christijan Albers

Sie haben gesagt es muss schnell gehen. Es ist kein Geheimnis, dass Renault nicht den besten Motor liefert. Für nächste Saison ist eine Veränderung in diesem Bereich wohl unmöglich, aber danach könnte Caterham über einen anderen Hersteller nachdenken.
Christijan Albers: Renault hat uns das Versprechen gegeben, alles zu geben, um die Entwicklung des Motors für 2015 zu verbessern. Ich vertraue ihnen, dass sie einen guten Motor bauen werden.

Haben Sie keine Angst…
Christijan Albers: Angst hab ich jeden Tag, nicht nur wegen Renault. Mir machen viele Dinge Angst. Mein Job ist es, diese Angst zu vertreiben und das Beste für alle rauszuholen. Das ist auch mein Vorteil als Rennfahrer. Das ich einfach normal und logisch nachdenke. Ich habe vom geschäftlichen und technischen Bereich Ahnung. Das ist meiner Meinung nach mein Erfolgsgeheimnis. Colin Kolles ist auch ein sehr guter Berater. Er besitzt Erfahrung aus anderen Teams.

Kolles nur Berater

Herr Kolles ist ja sehr engagiert. Es wirkt so, als wäre er mehr als nur ein Berater. Kann man sagen, dass Sie ein Teamchef-Duo sind oder sind Sie wirklich Teamchef und Kolles nur Berater?
Christijan Albers: Ich bin Teamchef und Kolles ist Berater. In dieser Position hat er auch Erfahrung. Natürlich kann ich von ihm lernen.

Aber es ist kein Duo an der Spitze?
Christijan Albers: Du musst ein Duo sein. Wir haben ein Ziel und zwar, das Team voran zu bringen und effizienter zu machen. Das ist ganz wichtig.

Bei Renault fällt 2015 wahrscheinlich mit Lotus ein Kundenteam weg. Das heißt es sind noch drei mit RBR, STR und Caterham.
Christijan Albers: Gibt´s da schon ein Presseaussendung?

Noch nicht, aber Lotus soll mit Mercedes fahren. Besteht da die Gefahr, dass sich Renault zu sehr auf RBR fokussiert und da auch bei STR gewisse Synergien bestehen und Caterham so auf der Strecke bleibt?
Christijan Albers: Das hoffe ich nicht.

Wir wollen das Beste vom Besten.
Christijan Albers

Also hundertprozentiges Vertrauen?
Christijan Albers: Wir sind ein Formel-1-Team. Wir wollen das Beste vom Besten. So einfach ist das. Ich glaube, wir sind ein sehr guter Kunde.

Sie haben schon gesagt, dass sie Business-Erfahrung haben. Wollen Sie sagen, was das war?
Christijan Albers: Ich habe viele andere Geschäfte gemacht und das mache ich auch noch immer. Ich habe 2000 angefangen und war nebenher als Rennfahrer aktiv. Ab 2008 habe ich das intensiviert, dann ist meine Frau krank geworden und ich habe zwei Jahre nichts gemacht. Jetzt habe ich durch Colin Kolles diese Möglichkeit bekommen. Er hat mich gefragt, ob ich für eine Herausforderung bereit bin und mir gesagt, dass er glaubt, dass ich das kann. Wir haben uns an einen Tisch gesetzt und ich habe zugesagt. Es ist natürlich ein Riesenauftrag. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber als ich das erste Mal in die Fabrik gelaufen bin, war mein Eindruck wirklich cool. Alles ist da. Das sieht besser aus als bei anderen Teams.

Was war die größte Überraschung für Sie?
Christijan Albers: Die Maschinen, das Eigentum.

Caterham fordert immer wieder Performancegewichte…
Christijan Albers: Da möchte ich mich noch nicht einmischen. Ich will mich erstmal auf das Team fokussieren. So dass da alles super läuft. Das hat Priorität. Für mich hat es im Moment keinen Sinn, sich da einzumischen. Natürlich mache ich mir darüber Gedanken, auch über Tests und alles. Das kann alles viel besser werden. Wo können wir junge Rennfahrer testen? Da gibt es keine Möglichkeiten. Das kann es nicht sein. Ich habe viele Ideen zur Verbesserung, aber das hat für mich nicht Priorität. Erst einmal will ich um dieses Team kämpfen.

F1 ist nicht mehr so populär

Wie gefällt ihnen die Richtung, in die die Formel 1 aus sportlicher Sicht geht?
Christijan Albers: Ich denke, dass viele Veränderungen nicht schlecht sind. Vielleicht könnten wir den Sound verbessern. Das macht den Sport aus und es ist komisch, nichts zu hören. Andererseits gewöhnen wir uns auch dran. Alles was anders ist, ist am Anfang immer schlecht.

Es ist nicht mehr wie früher
Christijan Albers

Insgesamt sehen Sie die Formel 1 aber nicht so schlecht?
Christijan Albers: Man merkt natürlich, dass sie nicht mehr so populär ist. Das ist aber nicht nur die Formel 1, sondern alle Sportarten. Es gibt Handys, also müssen Leute nicht mehr wo hingehen, um die Resultate zu sehen. Alles wird weniger angesehen. Es ist nicht mehr wie früher. Früher haben Fußball auch mehr Leute angesehen, das wird auch weniger.

In Deutschland immer noch viel.
Christijan Albers: Weniger als früher oder nicht?

Ich glaube nicht. Die WM hatte richtige Rekordzahlen.
Christijan Albers: Okay, aber das sind einzelne Momente. Es gibt jetzt viel mehr. Früher konnten wir nur miteinander sprechen. Dann kam das Telefon. Jetzt hat jeder Facebook, Whatsapp, Text, Telegramm, Email, Telefon. Wir arbeiten viel mehr als früher. Das ist das Leben. Alles geht mit. Mehr Sportarten sind populär. Das ist immer wie ein Jojo.


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