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Formel 1 - Belgien GP: Die Renn-Analyse

Mercedes serviert Ricciardo den Sieg

Daniel Ricciardo gewann den Belgien GP dank starker eigener Leistung und Fehlern von Mercedes. Motorsport-Magazin.com analysiert.
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Motorsport-Magazin.com - Zwei Mercedes starteten in Spa-Francorchamps aus der ersten Reihe und am Ende grinste trotzdem Daniel Ricciardo von der obersten Stufe des Podiums. Motorsport-Magazin.com erklärt, wie Red Bull den Großen Preis von Belgien trotz vermeintlicher Silberpfeil-Überlegenheit gewinnen konnte.

Silberpfeile kollidieren

Ricciardo startete wie alle Spitzenpiloten auf den weichen Reifen und nahm das Rennen von der fünften Position auf. Durch die Kollision zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton in Runde zwei und dem daraus resultierenden Reifenschaden des Briten verlor der Red-Bull-Pilot bereits früh einen Hauptkonkurrenten um den Sieg.

Rosberg nahm Hamilton aus dem Rennen - Foto: Sutton

Doch nicht nur Hamilton war aus dem teaminternen Duell beschädigt hervorgegangen, auch Nico Rosbergs Frontflügel befand sich nicht mehr in bester Verfassung, weshalb es dem WM-Leader an Downforce fehlte und es ihm nicht gelang, sich wie in vielen vorangegangenen Rennen von der Konkurrenz abzusetzen.

Nachdem Ricciardo Kimi Räikkönen und seinen Teamkollegen Sebastian Vettel überholt hatte, der in Pouhon einen Fahrfehler beging, lag der Australier in Runde sechs bereits an der zweiten Stelle. Zwei Umläufe später stoppte Rosberg, wechselte auf die Medium-Reifen und holte sich einen neuen Frontflügel ab. Dadurch erbte Ricciardo die Führung, die er bis zu seinem ersten Stopp in Runde elf behielt.

Der Australier kam an vierter Stelle zurück auf die Strecke. Weil die vor ihm klassierten Valtteri Bottas, Fernando Alonso und Jenson Button aber ebenfalls stoppten, befand er sich rasch wieder an der Spitze des Feldes. Hinzu kam, dass Alonso infolge von Batterieproblemen, wegen der seine Mechaniker zu lange in der Startaufstellung gearbeitet hatten, eine Fünf-Sekunden-Strafe absitzen musste.

Vettel leistet Schützenhilfe

Durch seinen frühen Stopp war Rosberg auf den vierten Platz zurückgefallen und hing hinter Vettel fest, an dem er trotz des starken Mercedes-Motors und DRS auf der Kemmel-Geraden einfach nicht vorbeikam. Red Bull hatte sich entschieden, mit einem extremen Low-Downforce-Paket an den Start zu gehen und zudem noch den Getriebe-Joker gezogen, um die Gänge länger zu übersetzen. Das zahlte sich aus, denn während Ricciardo vorne wegstürmte, hielt ihm Vettel den Rücken frei und blockte Rosberg ab.

In Runde 17 kam es zu einem weiteren Zwischenfall im Mercedes-Lager, der Ricciardo letztlich in die Karten spielen sollte. Rosberg verbremste sich nach einem Duell mit Vettel in der Busstopp-Schikane, was Vibrationen an seinem Silberpfeil zur Folge hatte. Deshalb ging Rosberg in Runde 20 zum bereits zweiten Mal an die Box und ließ erneut Medium-Reifen aufziehen.

Vettel hielt Ricciardos Verfolger auf - Foto: Sutton

Zwar konnte der Deutsche mit seinen frischen Pneus zunächst die bis zu diesem Zeitpunkt schnellste Rennrunde drehen, doch schon bald befand sich Rosberg wieder im Verkehr, was ihn einbremste. Nachdem er Alonso überholt hatte, lag Rosberg an der dritten Stelle und rückte durch Bottas' Stopp auf den zweiten Rang nach vorne.

Ricciardo lief in der 28. Runde zum zweiten und letzten Mal die Boxen an. Der Red-Bull-Pilot griff dem Reglement entsprechend zu den mittleren Reifen und kam vor Rosberg zurück auf die Strecke. Der Abstand zwischen den beiden Piloten pendelte sich bei konstanten drei Sekunden ein - Rosberg gelang es nicht, den Rückstand zu reduzieren.

Ungekrönte Aufholjagd

Da Rosberg seinen zweiten Stopp bereits ungeplant früh absolviert hatte, musste er, im Gegensatz zu Ricciardo, noch ein drittes Mal die Boxen anlaufen, was in Runde 34 geschah. Der Mercedes-Pilot wechselte zum ersten Mal seit dem Start-Stint auf die weichen Reifen und setzte in den letzten zehn Runden zu einer Aufholjagd an. Zunächst musste Rosberg allerdings Räikkönen und Bottas passieren, was ihn wertvolle Zeit kostete und Mercedes wohl so nicht geplant hatte.

Nachdem Rosberg an den beiden Finnen vorbeigegangen war, hatte er an zweiter Stelle liegend freie Fahrt und holte mit großen Schritten auf Ricciardo auf. Teilweise fuhr Rosberg knapp drei Sekunden pro Runde schneller als der australische Leader, was man auch am Red-Bull-Kommandostand bemerkte. "Wir haben ihm das Ziel ausgegeben, Rundenzeiten von 1:53 oder 1:54 Minuten zu fahren, um auf Rosbergs 1:51er-Zeiten zu reagieren", erklärte Teamchef Christian Horner.

Der Plan ging auf. Ricciardo rettete 3,3 Sekunden Vorsprung ins Ziel und feierte seinen dritten Saisonsieg. Wäre das Rennen ein oder zwei Runden länger gegangen, hätte ihn Rosberg vermutlich abgefangen, wobei unklar ist, ob es dem Mercedes-Piloten gelungen wäre, ein Überholmanöver zu setzen - an Vettel hatte er sich bekanntlich mangels Top-Speeds die Zähne ausgebissen.

Ricciardo feierte seinen dritten Saisonsieg - Foto: Sutton

Schlussendlich konnte sich Ricciardo bei Mercedes bedanken, dass er schon wieder sein Siegerlächeln aufsetzen durfte. Wäre es nicht zur Kollision gekommen, die nicht nur Hamilton zurückwarf, sondern auch Rosberg einbremste und zu einer Drei-Stopp-Strategie zwang, hätte es der Australier äußerst schwer gehabt, die Ziellinie als Erster zu überqueren.

Nicht unerwähnt bleiben darf aber Red Bulls gelungener Setup-Kniff, mit dem das Weltmeisterteam auch in Monza mehr als nur konkurrenzfähig sein sollte.


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