Formel 1 - Smedley nach Podium zwiegespalten: War mehr drin

Stolz, aber niemals ganz zufrieden

Mit Platz drei für Valtteri Bottas gelang Williams nach Jahren der Dürre bereits das vierte Podium 2014. Rob Smedley ist zufrieden, schielt jedoch auf Siege.
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Motorsport-Magazin.com - So langsam kehrt beim Traditionsrennstall Williams Selbstverständlichkeit ein. Das ehemalige Weltmeisterteam, das jahrelang nur eine untergeordnete Rolle im Feld der Formel 1 spielte, hat sich mittlerweile zu einem permanenten Podiumskandidaten gemausert. Doch anstatt sich über den Aufschwung erst einmal zu freuen, giert Williams bereits nach mehr. Noch vor Ende der Saison will das Team wieder Siege einfahren - und das gegen die knallharte Konkurrenz von Mercedes, Red Bull und Ferrari.

Irgendwie trauert man als Dritter immer seinen vergebenen Chancen nach
Rob Smedley

Der vierte Podestplatz von Valterri Bottas am Sonntag in Spa brachte für Williams doch noch ein versöhnliches Ende eines schwierigen und nur teilweise befriedigenden Wochenendes. Vor allem Pechvogel Felipe Massa machte seinem Ruf einmal mehr alle Ehre. Nach Bremsproblemen im Qualifying fing sich der Brasilianer im Rennen bereits in der zweiten Runde Teile des zerfetzten Hamilton-Reifens im Unterboden ein. Bis das Problem gegen Mitte des Rennens endlich behoben war, hatte Massa rund 40 Sekunden unnötig verloren - und so die Chance auf Punkte eingebüßt.

Williams stolz auf Kampf mit den 'Großen Drei'

Chefingenieur Rob Smedley sieht das Ergebnis seines Teams mit einem lachenden und einem weinenden Auge, zumal ihn auch die Platzierung von Bottas nicht 100% glücklich macht: "Das Podium ist natürlich großartig, aber irgendwie trauert man als Dritter immer seinen vergebenen Chancen nach. Die Probleme bei Mercedes hätten wir uns heute mit einer besseren Startposition perfekt zunutze machen können", analysiert der Engländer. Dann überwiegt jedoch auch beim ehrgeizigen Perfektionisten der Stolz: "Wir sind trotz unserer großen Historie eigentlich ein kleineres Team, und dass wir hier mit Mercedes, Red Bull und Ferrari auf Augenhöhe kämpfen, ist für alle 600 Mitarbeiter im Team etwas Besonderes."

Mit seinem langjährigen Schützling Felipe Massa hatte Rob Smedley bislang noch wenig zu lachen - Foto: Sutton

Angesichts der aktuellen Topform des FW36 wähnt Smedley Williams stark genug für einen Großangriff in der Konstrukteurswertung. Mit zehn Punkten Rückstand auf Ferrari belegt das Team derzeit nur Rang vier. Für Smedley ist die Ursache hierfür schnell gefunden: "Wir haben in diesem Jahr einfach unglaublich viele Punkte verloren, die wir durch Pech und eigenes Unvermögen haben liegen lassen. Das darf man sich gegen Konkurrenten dieser Klasse natürlich nicht erlauben." Mit seinem jahrelangen Schützling Massa hat Smedley großes Mitleid: "Es ist schon unglaublich, was für ein Pech Felipe bisher hatte. Für das Team und ihn ist das natürlich enttäuschend, denn so stehen wir nicht dort, wo wir hingehören."

Erster Sieg bei Monza-Rückkehr?

Jedoch fasst sich Smedley auch an die eigene Nase: "Wir sind in allen Belangen deutlich weiter als noch vor zwölf Monaten, jedoch machen wir immer noch Fehler in der Führungsebene und am Kommandostand, die in Kombination mit den Patzern auf der Strecke und bei der Technik dann natürlich doppelt schwer wiegen. Beispielsweise sind wir im Regen nicht so stark, wie wir sein wollen. Auch mit dem besten Paket kann der Fahrer jedoch nichts ausrichten, wenn das Team am Kommandostand auf wechselnde Situationen falsch reagiert oder eine falsche Strategie ausarbeitet."

Wir hätten in Spa mit einer besseren Startposition ernsthaft um den Sieg gekämpft
Rob Smedley

Dass es für Williams bis zum Jahresende noch mit dem ersten Sieg klappen kann, ist für Smedley absolut realistisch. Bereits in knapp zwei Wochen kann sein Team auf der 'Motorenstrecke' Monza die Vorteile des Mercedes-Aggregats wieder voll ausschöpfen. "Wir hätten in Spa mit einer besseren Startposition ernsthaft um den Sieg gekämpft, und ich gehe davon aus, dass in Monza dasselbe gelten wird. Wir müssen bereits Samstags stark sein, dann können wir auch im Rennen unser ganzes Potential zeigen und vor allem zugreifen, wenn sich Chancen wie heute bieten." Sollte es für den langjährigen Ferrari-Angestellten Smedley ausgerechnet an der alten Wirkungsstätte mit einem Premierensieg klappen, wäre es wohl mehr als eine süße Rückkehr.


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