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Formel 1 - Belgien GP: Die sieben Schlüsselfaktoren

Wenn es Nacht wird in Spa-Francorchamps...

...grübelt Hamilton über einen Blitzangriff, ein jeder übers Wetter und die Konkurrenz über die Hoffnung, dass die Mercedes-Dominanz am Setup liegt.
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1. - S wie Startaufstellung

Das Startgrid bringt keine allzu großen Überraschungen mit sich, bis auf Nico Hülkenberg auf Startplatz 18, von dem eine starke Aufholjagd erwartet werden kann. Nico Rosberg und Lewis Hamilton stehen in Startreihe 1 - der Engländer sieht in seinem zweiten Platz sogar einen Vorteil, war er im letzten Jahr doch selbst Opfer seiner Pole Position: "Letztes Jahr bin ich von Pole gestartet und Seb flog auf der Kemmel-Geraden an mir vorbei, Startplatz 2 ist also vielleicht sogar der bessere Platz. Vielleicht ist dieser Platz einfach ein verstecktes Geschenk."

Ein Auge sollte auch auf die Williams geworfen werden, die von den Plätzen sechs und neun ins Rennen gehen und unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Der Dreikampf Fernando Alonso, Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo unmittelbar hinter den Mercedes verspricht ebenfalls Spannung. Letztlich gilt es noch, Andre Lotterer ein Riesenlob auszusprechen, der bei seiner allerersten Fahrt im Regen seinem Teamkollegen Marcus Ericsson eine ganze Sekunde um die Ohren schlug.

Starker Auftritt von Andre Lotterer - Foto: Sutton

2. - S wie Start

Zwischen den beiden Seiten in der Startaufstellung gibt es in den ersten Reihen keinen großen Unterschied, da die Ideallinie dort genau zwischen den Startreihen durchführt. In der La Source herrscht Unfallgefahr - spätestens seit dem spektakulären Startcrash 2012 ist das eine bekannte Tatsache. Es ist davon auszugehen, dass mehrere Fahrzeuge die asphaltierte Auslaufzone mit einbeziehen müssen. Das Wiedereinsortieren kann kritisch werden, da direkt Eau Rouge auf dem Programm steht, wo es nahezu unmöglich ist, zu zweit nebeneinander durchzufahren.

Vielleicht ist dieser Platz einfach ein verstecktes Geschenk.
Hamilton zu Startplatz 2

Hamiltons Taktik kann funktionieren, muss aber nicht. Wer einen Angriff aus dem Windschatten heraus starten möchte, muss in der Eau Rouge auf kalten Reifen mit vollem Tank alles riskieren. DRS ist in der ersten Runde noch nicht erlaubt, somit muss in Raidillon ein deutlicher Überschuss vorliegen, damit man bis zum Anbremspunkt in Les Combes vorn ist. Dort hat sich schon mehrfach gezeigt, dass die Innenbahn nicht unbedingt von Vorteil ist, da der Fahrer auf der Außenbahn wesentlich später bremsen kann.

3. - S wie Sonntagswetter

Die Wettervorhersage der meisten Teams sagt voraus, dass es ein trockenes Rennen geben soll. "In Spa kann man aber nie wissen, ob es wirklich trocken bleibt", mahnt Kevin Magnussen an, der in Spa in der Formel Renault 3.5 World Series bereits bei heftigen Regenfällen gewissen konnte. Sommerlich wird es garantiert nicht: Bei maximal 15 Grad werden die Motoren sicherlich nicht mit Überhitzung zu kämpfen haben. Auch der Wind wird mit 11 km/h eine gewisse Rolle spielen. Falls es regnen sollte, dann nur kurz. Aber wer die Ardennen kennt, der weiß, dass auch ein kurzer Schauer starke Auswirkungen haben kann, zumal die Strecke bei den niedrigen Temperaturen lange zum Abtrocknen brauchen würde.

4. - S wie Spa-Francorchamps

Vorsicht in der ersten Kurve - Foto: Sutton

Die schönste Strecke der Saison hat auch im Zeitalter asphaltierter Auslaufzonen kaum an Faszination eingebüßt. Die Eau Rouge hat wieder an Faszination gewonnen, da die Fahrzeuge dieses Jahr aufgrund des geringeren Luftwiderstands weniger Abtrieb produzieren. Gerade mit vollen Tanks wird Mut dort belohnt. Aber Achtung: Wer Ausgangs Raidillon die Track Limits verletzt, könnte bestraft werden. Die zweite Mutkurve, von der die Piloten schwärmen, ist der Doppellinksknick Pouhon.

Eine ganze Reihe von mittelschnellen Rechts-Links-Kombinationen machen den Mittelsektor zum wohl herausforderndsten der ganzen Saison. Überholen ist hier aber fast nicht möglich. Dafür eignen sich jedoch die langen Geraden vor Les Combes und der Bus Stop Schikane. Vor beiden Schikanen sind Ausbremsmanöver möglich. Nicht mehr aufregend hingegen: Blanchimont. Die superschnelle Links wird einfach voll gefahren, könnte aber bei Regen zur Mutprobe werden.

5. - S wie Silberduell

Lewis Hamilton hatte bislang am Wochenende die Nase vorn, doch Nico Rosberg schlug abermals im Qualifying zurück und verwies den Engländer auf Rang zwei. "Es ist cool gelaufen. Insgesamt bin ich sehr glücklich und zufrieden. Die Ingenieure haben ein super Fein-Tuning gefunden und ich habe das Beste aus dem Wagen herausgeholt und gepusht", sagte Rosberg. Setup-Perfektionismus gegen Naturtalent - die Quali-Niederlage dürfte Hamilton weitaus mehr wehtun als er zunächst aussagte.

Es wird darum gehen, so wenige Runden wie möglich auf dem härteren Reifen zu fahren.
Fernando Alonso

Dennoch muss man relativieren: Hamilton baute auf seiner Runde zwei Fehler ein. Eine Bremse war verglast - ein Problem, das bei verschiedenen Fahrzeugen aufgetreten ist. Dies ist auf einen Fehler beim Aufwärmen der Bremse zurückzuführen. Dennoch: Wer sich in La Source und Stavelot verbremst und trotzdem nur zwei Zehntel Rückstand am Ende hat, ist ein gefährlicher Gegner. Selbst wenn der geplante Überfall Hamiltons zu Beginn des Rennens nicht aufgehen sollte - er wird versuchen, sich in Rosbergs Heck zu verbeißen. Fehler wie in Kanada darf sich der Polesetter hier nicht leisten.

6. - S wie Strategie

Da das Qualifying nass war, werden alle Fahrer freie Reifenwahl haben. Eine Zweistopp-Strategie gilt als die vielversprechendste. Fernando Alonso erklärt: "Ich denke, der weiche Reifen wird derjenige sein, auf dem man starten wird und den man zu Beginn des Rennens benutzt. Der mittlere ist langsamer, aber verschleißt ähnlich schnell. Deshalb wird es darum gehen, so wenige Runden wie möglich auf dem härteren Reifen zu fahren."

Pirelli sieht die Idealstrategie in 29 Runden weichem Reifen mit einem Boxenstopp nach 15 Runden, die letzten 15 Runden sollten dann auf dem harten Reifen zurückgelegt werden. Wer aber den weichen Reifen konservieren kann, könnte auch länger fahren, setzt sich dabei aber der Gefahr aus, Opfer eines Undercuts zu werden. Eine Alternativ-Strategie wäre, im zweiten Stint auf Mediums zu gehen und auf ein spätes Safety Car zu hoffen. Eine Einstopp-Strategie würde ein zu langes Fahren auf dem härteren Reifen voraussetzen, während drei Stopps der Lebensdauer der Reifen nicht gerecht werden.

Sein hoher Topspeed könnte sich für Nico Rosberg als lebenswichtig erweisen - Foto: Sutton

7. - S wie Speed

Spa-Francorchamps ist heutzutage eine Strecke für wenig Abtrieb. Hoher Topspeed ist insbesondere im Zweikampf wichtig. Die lange Kemmel-Gerade lädt geradezu ein, noch ein paar Flügelelemente herauszunehmen. Aber Vorsicht: Wer es hierbei übertreibt, verliert nicht nur im Mittelsektor Zeit, sondern büßt auch in Eau Rouge so viel ein, dass er gar nicht mehr in Angriffsposition kommt.

Gesetzt den Fall, dass es trocken bleibt, gibt es eine Hoffnung für die Mercedes-Jäger: Der enorme Vorsprung, der sogar Nico Rosberg verwunderte, könnte darauf hindeuten, dass Mercedes ein Kompromiss-Setup gebaut hat und die Silberpfeile bei Trockenheit nicht ihr volles Potenzial ausspielen können. Die Topspeedmessungen sahen im Qualifying Nico Rosberg ganz vorn - 5 km/h schneller als Lewis Hamilton. Ein Indiz für weniger Abtrieb bei Rosberg? Zweitschnellster war übrigens Sebastian Vettel - vielleicht sollte Lewis Hamilton in der ersten Runde sich nicht nur auf den Angriff auf Rosberg konzentrieren, sondern auch nach hinten schauen.


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