Formel 1 - Kolumne - Pro und Contra

Zu jung für die Formel 1?

Am Montag verkündete Toro Rosso den 16-jährigen Max Verstappen als neuen Einsatzfahrer für 2015. Mit 17 wird er dann der jüngste F1-Pilot der Geschichte.

Pro: Verstappen ist zu jung

Stopp! Irgendwo muss selbst die Formel 1 eine Grenze ziehen. Irgendwann muss die Vernunft vor der Gier nach neuen Rekorden oder potentiellen Superstars stehen. Wenn ein 16-Jähriger einen Vertrag als Formel-1-Stammfahrer für das kommende Jahr unterzeichnet, kann etwas nicht ganz stimmen.

Ja, Max Verstappen ist ein riesiges Talent. Keine Frage. Aber muss man dann gleich mit dem Kopf durch die Wand? Verstappen fuhr vor einem Jahr noch Kart. Seine einzige Erfahrung in einem Formelrennwagen beschränkt sich auf wenige Einsätze in der Winter Series in den USA sowie seine noch nicht ganz vollendete Saison in der Formel 3 Europameisterschaft.

Max Verstappen hebelt das Formel-Nachwuchssystem aus - Foto: Red Bull Content Pool

Klar, es gibt immer wieder Wunderkinder wie auch Kimi Räikkönen, die nach 23 Autorennen den Sprung in die Königsklasse geschafft haben. Aber Kimi war zu diesem Zeitpunkt bedeutend älter. Wenn Max Verstappen im März 2015 in Melbourne in der Startaufstellung steht, ist er gerade einmal 17 Jahre jung. In Deutschland dürfte er noch nicht einmal alleine auf der Straße fahren - aber mit 21 anderen darf er 760 PS starke Autos um die Welt scheuchen.

Sicherlich wird er von Red Bull und Toro Rosso bestens vorbereitet - niemand kann das besser als Franz Tost & Co in ihrem Junior Programm. Aber ist ein 17-Jähriger wirklich reif genug für den Medienrummel, die vielen Reisen rund um die Welt sowie die Last, ein Formel-1-Rennfahrer zu sein? Noch ein Jahr in der GP3 oder der Renault World Series hätten ihm sicher nicht geschadet.

Contra: Die Zeiten haben sich geändert

17 Jahre? Da klingeln bei einigen die Alarmglocken und das ist angesichts des rasanten Aufstiegs von Max Verstappen allzu verständlich. Der Niederländer schaffte es innerhalb weniger Monate vom Kart- ins Formel-1-Auto. Doch Talent ist keine Frage des Alters. "Es war nicht schwer zu erkennen, welch außerordentliches Talent hier heranreift", bestätigt Helmut Marko.

Max Verstappen hat innerhalb eines Jahres den Sprung geschafft - Foto: FIA F3

Und dass Red Bull ein außergewöhnliches Talent erkennt, wenn es eines vor sich hat, zeigt das Beispiel Sebastian Vettel. Er war bei seinem ersten F1-Auftritt in Istanbul 2006 19 Jahre und 53 Tage alt - und damit nur zwei älter als Verstappen bei seinem Debüt 2015 sein wird. Und wie die Karriere von Vettel verlief, ist bekannt.

Auch die Tatsache, dass Verstappen derzeit in der Formel-3-EM seine erste Saison im Formel-Rennsport bestreitet, muss nichts Negatives heißen. Kimi Räikkönen war erst bei 23 Autorennen gestartet, als ihn Sauber im Winter 2000/01 zu Testfahrten einlud. Trotz der geringen Erfahrung bekam er das Cockpit und saß 2002 bereits im McLaren.

Im Gegensatz zu damals können die heutigen Talente vor ihrem ersten Grand Prix Erfahrungen im Simulator sammeln. Ein entscheidender Faktor, der auch Daniil Kvyat in seiner Debütsaison 2014 geholfen hat. Der Russe zeigte trotz seiner 20 Jahre und der geringen Erfahrung bis dato eine starke Saison und ist wohl mit verantwortlich, dass sein viel älterer und erfahrener Teamkollege Jean-Eric Vergne zu Saisonende für Verstappen das Cockpit räumen muss.


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