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Formel 1 - Renn-Analyse: Das ging bei Rosberg schief

Viele Faktoren gegen den WM-Leader

Der Mercedes war auch in Budapest das schnellste Auto. Dennoch siegte Daniel Ricciardo. Wie konnte es so weit kommen. Die Verkettung unglücklicher Umstände.
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Motorsport-Magazin.com - Ein spektakulärer Ungarn GP wurde den Fans am Sonntag geboten. In der Hitze des Gefechts konnte einem durchaus die eine oder andere Finesse der Strategen am Kommandostand entgehen. Motorsport-Magazin.com entwirrt den Rennverlauf und analysiert, welche Faktoren dazu beigetragen haben, dass Nico Rosberg nicht einmal auf dem Podium landen konnte.

Daniel Ricciardos goldenes Händchen

Daniel Ricciardo und Red Bull Racing haben alles richtig gemacht. Zwar war der RB10 nicht das schnellste Auto, doch der Kommandostand bewies das glücklichste Händchen und stellte seine tolle Improvisationskunst unter Beweis. Ricciardo setzte auf drei Boxenstopps und absolvierte die ersten beiden davon hinter dem Safety Car. Damit minimierte er seinen Zeitverlust auf der Strecke.

Während hinter dem ersten Safety Car beinahe alle Piloten an die Box kamen, um die Intermediates abzugeben und Slicks aufzuziehen, war Ricciardo in der zweiten SC-Phase einer von nur drei Piloten und zudem der einzige, der Soft-Reifen aufzog (Massa und Bottas setzten auf den Medium). So stand Ricciardo in der 27. Runde (der ersten vollen nach dem Safety Car) zwar nur an der sechsten Stelle da, hatte aber nur 3,840 Sekunden Rückstand und die besten Reifen im gesamten vorderen Feld.

Ricciardo hat alles richtig gemacht - Foto: Sutton

Zunächst hing er aber noch hinter Hamilton fest, den er nicht überholen konnte. Bis Runde 34 profitierte Ricciardo aber von den Boxenstopps von Rosberg und Jean-Eric Vergne sowie vom Dreher von Sebastian Vettel und lag zu diesem zeitpunkt schon auf dem dritten Rang. Die Führung übernahm er, als in den Runden 38 und 39 zunächst Alonso, dann Hamilton in die Box kamen.

In der 54. Lap kam Ricciardo selbst noch einmal zum finalen Stopp, zog neue Soft-Reifen auf und eröffnete seine Jagd auf die Zweistopper-Spitze aus Alonso und Hamilton. Sein Bonus: Er kam auf freier Strecke aus der Box und glänzte mit fünf Runden in Folge unter 1:28. Das gab den Ausschlag, dass er früh genug auf Alonso und Hamilton auflief, denn trotz deutlich jüngerer Reifen brauchte er viereinhalb Runden, um das Duo zu überholen.

Was lief bei Nico Rosberg schief?

Was Red Bull genau richtig machte, verbockte man bei Mercedes, In der ersten Safety Car Phase hatte Rosberg noch Pech, dass Ericssons Unfall erst passierte, als er bereits an der Boxeneinfahrt vorbei war, Auf den späteren Sieger Ricciardo hatte der WM-Spitzenreiter am Ende der Restart-Runde allerdings nur fünf Sekunden Rückstand, auch wenn mit Felipe Massa und Kevin Magnussen noch zwei Fahrer dazwischen lagen,

Allerdings verbremste sich Rosberg in der zweiten Runde nach Restart (Lap 15) in Turn 1, sodass Alonso und Vergne innen durchschlüpfen konnten, Damit hinge Rosberg vorerst fest und der Abstand zwischen Rosberg und Ricciardo verdoppelte sich von fünf auf runde zehn Sekunden bis zum zweiten Safety Car in der 23, Runde, Hier unterlief Mercedes ein taktischer Fehler, denn während die Drei-Stopper Ricciardo, Massa und Bottas an die Box kamen, ließ der Kommandostand der Silberpfeile Rosberg draußen.

Nico Rosberg verzettelte sich im Feld - Foto: Sutton

Damit war der WM-Spitzenreiter der einzige Fahrer im gesamten Feld, der nach Ende der zweiten Safety-Car-Phase (Runde 26) noch zweimal an die Box musste, Taktisch bekleckerte sich Mercedes mit diesem Schachzug nicht mit Ruhm, Auch das Timing des letzten Stopps war nicht ideal, Rosberg kam in Runde 56 und musste unmittelbar hinter Räikkönen und Massa zurück auf die Strecke, Zwei Sekunden fehlten dem WM-Spitzenreiter, dann wäre er vor dem Duo herausgekommen und hätte sich schmerzliche vier Runden erspart, So lange brauchte Rosberg nämlich, um an Räikkönen und Massa vorbeizugehen,

Vergleicht man die ersten vier Runden von Rosbergs und Ricciardos letztem Stint, büßte der Mercedes-Fahrer alleine in diesem Zeitraum 4,142 Sekunden ein, Beide Fahrer waren mit identischen Reifen (Soft neu) unterwegs und die Spritmengen müssen auch ähnlich gewesen sein, weil zwischen Stopps der beiden nur zwei Runden lagen, Rosbergs Verlust der knapp vier Sekunden zum Auftakt des letzten Stints rührt also alleine vom Verkehr her, denn Ricciardo hatte freie Bahn,

Besonders bitter: Diese vier Sekunden hätten Rosberg in etwa eineinhalb Runden länger die Chance gegeben, im Finish an Hamilton und Alonso vorbeizugehen, So hatte der Deutsche nur zwei Runden, was am Ende zu wenig war, Zum Vergleich: Auch Ricciardo brauchte viereinhalb Runden, ehe er Hamilton und Alonso überholt hatte,

Der Aufreger: Hamilton vs, Rosberg

So emotional die Sache für Fans, die beiden Fahrer und für die Medien war, so nüchtern wollen wir den Vorfall abschließend in unserer Analyse betrachten, Die Fakten: Rosberg kam mit niederen bis mittleren 1:27er-Zeiten angerast, während Hamiltons Medium-Reifen schon drei Runden nach dem Boxenstopp keine Zeiten unter 1:28 mehr zuließen.

Lap Hamiltons Rundenzeit Abstand Rosbergs Rundenzeit
44 1:28,463 1,752 1:27,810
45 1:28,424 1,092 1:27,764
46 1:28,066 1,085 1:28,059
47 1:28,235 1,229 1:28,379
48 1:28,624 0,810 1:28,205
49 1:28,317 0,935 1:28,442
50 1:28,204 0,895 1:28,164
51 1:28,177 1,064 1:28,346
52 1:28,181 1,302 1:28,419
53 1:28,598 1,335 1:28,419
54 1:28,962 1,281 1:28,908
55 1:29,307 1,236 1:29,262

In Runde 44 kam Rosberg erstmals auf zwei Sekunden an Hamilton heran, eine Runde später betrug der Abstand nur noch 1,092 Sekunden, Ganze zwölf Runden sah Mercedes dem Paarlauf seiner beiden Fahrer zu und versuchte per Funkspruch zu intervenieren, Aus Teamsicht verständlich: Zu diesem Zeitpunkt fuhr Drei-Stopper Rosberg um eine möglichst gute Positionierung nach seinem letzten Boxenstopp, Gegner waren in diesem Fall Kimi Räikkönen und Felipe Massa, hinter denen Rosberg ja letztendlich nach seinem dritten Stopp auf die Strecke kam und entscheidend Zeit verlor,

Das Problem war, dass Rosberg hinter Hamilton nur in etwa die Zeiten von Räikkönen fahren konnte, sodass er nicht den nötigen Vorsprung herausfahren konnte, der ihm für den letzten Stopp den nötigen Puffer gegeben hätte, 0,2 Zehntel in jeder der zwölf Runden hinter Hamilton hätten gereicht, Tendenziell wäre sich das ausgegangen, denn Rosberg fiel erst hinter Hamilton in den 1:28er-Bereich. Hamilton brachten allerdings genau diese zwölf Runden am Ende seinen dritten Platz ein. Als Bonus im Hinblick auf seine eigenen Titelambitionen vernichtete er damit auch Rosbergs Chancen Ricciardo im Schlussstint noch einzuholen.

Diese Analyse hat bereits aufgezeigt, dass für Rosberg an diesem Tag Pech (die erste Safety Car Phase) gepaart mit schlechten strategischen Entscheidungen (Timing des zweiten und dritten Stopps) gegen einen Sieg sprachen, Für Aufregung bei Fans und Medien sorgte aber der Funkverkehr zu Beginn des letzten Renndrittels, als Mercedes Hamilton anwies, den hinter ihm fahrenden Rosberg Vorrang einzuräumen, Nehmen wir also kurz den Abstand zwischen den beiden Piloten unter die Lupe,


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