Formel 1 - Ungarn GP: Die Fahreranalyse

Ein Australier fährt allen davon

Daniel Ricciardo machte auf dem Weg zum zweiten GP-Sieg in Budapest alles richtig. Motorsport-Magazin.com analysiert die Leistungen der Fahrer.
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Motorsport-Magazin.com - Daniel Ricciardo: Seinen zweiten Sieg in der Formel 1 hat sich der Australier verdient. Am Ende hatte er aber wohl auch Glück, dass ihm kein perfekter Start gelang und er deswegen als erster Pilot in die Boxengasse abbiegen konnte, als das Safety-Car in der achten Runde auf die Strecke geschickt wurde. So kam Ricciardo bis ganz nach vorne und konnte sich danach einen großen Vorsprung herausfahren. Durch den dritten Stopp profitierte er in der Schlussphase von frischen Reifen und zeigte zwei tolle Überholmanöver, besonders beeindruckend war das gegen Lewis Hamilton: Wenn man auf der Geraden zu langsam ist, dann macht man es einfach in der Kurve. Note: 1+

Fernando Alonso: Wenn Chaos ausbricht, dann ist Alonso da. Als einer der wenigen Fahrer versuchte er es mit zwei Stopps und rettete sich am Ende ins Ziel. Dabei grenzte es schon fast an ein Wunder, dass er den schnellen Lewis Hamilton im überlegenen Mercedes in Schach halten konnte. Nach einem guten Start sah es für den Spanier aber zunächst gar nicht gut aus, denn auf Platz vier liegend musste er wie Rosberg und Vettel eine Runde länger draußen bleiben. Machte Positionen gut, als er in der zweiten Safety-Car-Phase nicht direkt an die Box kam. Note: 1+

Hamilton kam nicht an Alonso vorbei - Foto: Sutton

Lewis Hamilton: Der vom Pech verfolgte Mercedes-Pilot hätte heute zum Depp der gesamten Formel-1-Welt werden können, als er seinen Boliden kurz nach dem Start auf der Boxengasse in die Botanik pfefferte. Nach einem minimalen Kontakt mit der Leitplanke drehte Hamilton auf und war in Runde acht von auf Platz 13. Danach war er auf der richtigen Strategie unterwegs. Wenn man Hamilton überhaupt etwas vorwerfen kann, dann vielleicht die Tatsache, dass er es nicht vor Ricciardo an Alonso vorbei geschafft hat - das wäre vermutlich der Sieg gewesen. Note: 1

Nico Rosberg: Der Pechvogel des Tages. Erst verpasste er die Boxeneinfahrt, weil das Safety-Car zu spät auf die Strecke geschickt wurde. Dann verlor er wertvolle Zeit hinter Hamilton und im letzten Stint hinter den Verfolgern. Konnte seine überlegene Pace, die er vor allem in den letzten zehn Runden eindrucksvoll unter Beweis stellte, im mittleren Stint nicht zeigen. Dort war Rosberg nur so schnell unterwegs wie die Konkurrenz. Ohne das frühe Safety-Car wäre es vermutlich ein ungefährdeter Sieg geworden, "hätte, wäre, wenn" zählt aber leider nicht. Note: 2

Felipe Massa: Ebenfalls einer der gewinnen der ersten Boxenstopp-Runde, immerhin fand sich Massa plötzlich auf dem zweiten Platz hinter Rennsieger Ricciardo wieder. Das Tempo des schnellen Red Bull konnte er im Williams aber nicht ganz mitgehen. Als er dann beim zweiten Stopp auf harte Reifen setzte, plante man wohl bei Williams ohne einen weiteren Boxenstopp, doch das Rennen war zu diesen Zeitpunkt einfach noch zu lang. Dennoch: Nach den glücklosen Rennen verbesserte sich Massa vom sechsten auf den fünften Rang, damit wird er gut leben können. Note: 2-

Kimi Räikkönen: Von Räikkönen war während des gesamten Rennens genau das zu sehen: ! Richtig, nichts. Der fliegende Finne hielt sich quasi aus allen Problemen heraus und machte Platz um Platz gut. Nach dem Qualifying-Desaster, für das er nicht verantwortlich war, zeigte Räikkönen im Rennen, dass er immer noch da ist. Note: 2+

Vettel kam nur mit Glück ins Ziel - Foto: Sutton

Sebastian Vettel: Auch Vettel hatte Pech, dass er schon an der Boxeneinfahrt vorbei war, als das Safety-Car zum ersten Mal auf die Strecke gerufen wurde. Von Platz drei ging es so weit nach hinten. Im ersten Renndrittel war sein alter Freund und Konkurrenz Fernando Alonso immer in der Nähe, einige Überholmanöver inklusive. Verlor dann etwas Boden, auch bedingt durch einen spektakulären Dreher, bei dem Vettel wohl selbst nicht so genau weiß, warum er nicht in der Mauer landete. Dennoch: Den Speed von Ricciardo konnte der vierfache Weltmeister heute nicht mitgehen. Note: 3+

Valtteri Bottas: Erwische einen perfekten Start und schnappte sich Vettel. Dann ging jedoch alles in die Hose, was in die Hose gehen kann. Der verspätete Boxenstopp während der ersten Safety-Car-Phase dauerte viel zu lange. In der zweiten Gelbphase wechselte Bottas wie Massa auf die härteren Reifen, auf denen er aber deutlich langsamer war und viel Boden verlor. Zwar kam er wieder in Schlagdistanz, zögerte den letzten Stopp aber zu lange heraus. Obwohl es zu Beginn gar nicht so schlecht aussah, wurde es nichts mit dem vierten Podium in Folge. Note: 3

Jean-Eric Vergne: Der junge Franzose hätte die Überraschung des Rennens werden können. Vergne fuhr einen sehr langen zweiten Stint und kam so bis auf den zweiten Platz hinter Fernando Alonso nach vorne. Im Gegensatz zum erfahrenen Ferrari-Piloten musste er in der zweiten Rennhälfte aber federn lassen, so blieb es bei einem kleinen Ausrufezeichen, das im Ziel mit zwei Punkten belohnt wurde. Das bedeutete aber auch: Im Vergleich zum starken Qualifying verlor Vergne eine Position. Note: 3-

Jenson Button drehte eine Führungsrunde - Foto: Sutton

Jenson Button: Musste selbst ein wenig schmunzeln, als sein Team in beim ersten Boxenstopp auf Intermediate-Reifen herausschickte und die Strecke immer weiter abtrocknete. Musste kurz nach dem Neustart einen weiteren Boxenstopp einlegen und auf Slicks wechseln, alle Chancen waren dahin. Immerhin: Button überholte nicht nur den Rennsieger auf der Strecke, sondern sammelte auch Führungskilometer. Gegen den einen Punkt wird er wohl auch nichts einzuwenden haben. Note: 3

Adrian Sutil: Es hat immer noch nicht für die ersten Punkte gereicht. Doch wenn es bei einem Rennen voller Überraschungen und Ausfälle wie in Ungarn nicht klappt, wann soll es dann klappen? Immerhin war bei Sutil eine klare Aufwärtstendenz erkennbar, auch wenn er im Rennen teilweise deutlich hinter seinem Teamkollegen Gutierrez lag. Immerhin sollte man nach dem elften Platz gute Chancen haben, in der Konstrukteurswertung vor Caterham zu bleiben. Aber kann das der Anspruch für ein Traditionsteam wie Sauber sein? Note: 3-

Kevin Magnussen: Wenn man aus der Boxengasse startet, dann muss man einfach etwas anders machen. Magnussen riskierte es und blieb während der ersten Safety-Car-Phase auf den Regenreifen. So kam er bis auf den fünften Platz nach vorne, doch genau wie Button hatte er danach keine Chance - der Regen blieb aus. Aus fahrerischer Sicht kann man dem jungen Dänen aber kaum etwas vorwerfen. Note: 3-

Pastor Maldonado baute mal wieder Schrott

Pastor Maldonado: Rodelte schon auf dem Weg zur Startaufstellung durch das Kiesbett. Räumte im Rennen mal wieder einen Konkurrenten aus der Bahn. Und blieb zum elften Mal in diesem Jahr ohne Punkte. Für Pastor Maldonado war es also ein ganz normaler Arbeitstag. Note: 4

Daniil Kvyat: Was will man machen, wenn der Motor in der Startaufstellung einfach abstirbt? Immerhin durfte Kvyat das Rennen ohne großen Rückstand aus der Boxengasse in Angriff nehmen und kam durch die Safety-Car-Phasen immer wieder heran, weit nach vorne führte seine Reise aber nicht. Sein größter Moment war vermutlich, als er das um den Sieg kämpfende Spitzentrio ungehindert überrunden ließ. Note: 4

Jules Bianchi: Marussia war in Ungarn ohne Chance. Und wenn dann noch die direkte Konkurrenz vorzeitig ausscheidet, fährt man einfach ein einsames Rennen. Note: 4-

Max Chilton: Marussia war in Ungarn ohne Chance. Und wenn dann noch die direkte Konkurrenz vorzeitig ausscheidet, fährt man einfach ein einsames Rennen. Moment? Irgendwo habe ich diese Bewertung doch schon gelesen... Note: 4-

Esteban Gutierrez: Lag im unterlegenen Sauber tatsächlich auf Punktekurs und hätte so wichtige Ergebnis für sein Team erzielen können. Wurde nach 30 Runden aber plötzlich langsamer und musste seinen Boliden mit einem Defekt am Energierückgewinnungssystem abstellen. Note: 3

Kamui Kobayashi: Fuhr ein weitestgehend unauffälliges Rennen, zumeist deutlich vor der direkten Konkurrenz. Am Ende war Kobayashis Leistung aber wertlos, da er nach 24 Runden mit einem technischen Defekt ausschied. Note: 4

Sergio Perez: Erwischte einen guten Start in das Rennen und behauptete sich im zweiten Stint vor seinem Teamkollegen Nico Hülkenberg. Sein Rennen endete in Runde 22 mit einem großen Knall: Eingangs Start-Ziel kam Perez zu weit auf den noch nassen Kerb und bog beinahe unbegrenzt in die Boxenmauer ab, an der sein Force India zerschellte. Blieb unverletzt und durfte sich nach dem Rennen damit trösten, dass Vierfach-Champion Sebastian Vettel der gleiche Fehler unterlief. Note: 3-

Marcus Ericsson machte das Rennen spannend - Foto: Sutton

Nico Hülkenberg: Gewann am Start direkt zwei Positionen, die er in der Boxengasse gleich wieder verlor. Konnte danach nicht an seine sonst so starken Leistungen anknüpfen, die ihm bereits zehn Mal in dieser Saison Punkte einbrachten. Wenn man dann noch nach einer Kollision mit dem Teamkollegen ausscheidet, ist der Tag definitiv nicht mehr zu gebrauchen. Note: 4-

Romain Grosjean: Der Franzose hat einen leistungsbezogenen Vertrag, wie sein Teamchef Gerard Lopez am vergangenen Wochenende verlauten ließ. Wenn man sich dann hinter dem Safety-Car in die Leitplanke dreht, spricht das nicht unbedingt für eine rosige Zukunft. Note: 6

Marcus Ericsson: Konnte nach einem heftigen Unfall, der mit einem Caterham bei schwierigen Bedingungen wohl einfach passieren kann (aber nicht sollte), unverletzt aus dem Wrack klettern. Immerhin: Durch seinen Unfall sorgte er für ein faszinierendes Rennen. Ohne einen Unfall wird ihm das wohl so schnell nicht mehr gelingen. Note: 5


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