Formel 1 - Stunk am Funk bei Mercedes

Hamilton schockiert

Mercedes forderte Lewis Hamilton auf, Nico Rosberg vorbeizulassen, doch der Brite weigerte sich.
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Motorsport-Magazin.com - 15 Runden vor Schluss forderte Paddy Lowe am Mercedes-Kommandostand Lewis Hamilton auf, seinen Teamkollegen Nico Rosberg passieren zu lassen. Der Brite fiel aus allen Wolken. "Ich war schockiert", gab er später zu. Hamilton war sich nicht sicher, ob Rosberg wirklich nah genug an ihm dran war, um ein Manöver zu setzen. "In so einer Situation gehen wir nicht vom Gas." Es sei "seltsam" gewesen, so Hamilton. "Ich lasse ihn nicht vorbei", funkte er. "Wenn er nah genug rankommt, um zu überholen, kann er überholen."

Nur weil er einen Stopp mehr macht, heißt das ja nicht, dass wir nicht gegeneinander fahren
Lewis Hamilton

Hamilton war sich sicher, gegen Rosberg zu fahren: "Nur weil er einen Stopp mehr macht, heißt das ja nicht, dass wir nicht gegeneinander fahren." Der Brite war nicht bereit, vom Gas zu gehen, um Rosberg so vorbeizulassen, da er keine Zeit gegenüber Fernando Alonso und Daniel Ricciardo verlieren wollte. Der Brite befürchtete, von Rosberg nach dessen Boxenstopp unter Druck gesetzt zu werden, wenn er ihn vorbeiließe.

"Wir müssen intern diskutieren und analysieren, warum dieser Funkspruch kam", so Hamilton. "Zu dem Zeitpunkt war ich Zweiter oder Dritter und bin mein Rennen gefahren, ich wollte gewinnen. Da verstehe ich nicht, warum ich ihn vorbeilassen soll. Wenn wir auf Platz acht oder so fahren, dann vielleicht, aber nicht dort vorne."

"Als ich letztes Jahr in Problemen war und mich nach vorne gekämpft habe, hatten wir als Team die Chance, mehr Punkte zu holen." Am heutigen Tag sei das nicht der Fall gewesen, denn beide Piloten lagen vorn und kämpfen um die Meisterschaft.

Rosberg kam bis zu seinem Boxenstopp nicht an seinem widerspenstigen Teamkollegen vorbei. "Das muss ich mit dem Team diskutieren. Es bringt jetzt nichts, dazu etwas zu sagen", äußerte er sich nach dem Rennen vorsichtig.

Hartes Duell in den letzten Runden

Zur Not wäre ich auch obendrüber gefahren
Nico Rosberg

In den letzten Runden des Rennens holte der frisch bereifte Rosberg dramatisch gegenüber Hamilton auf, der sich im Infight um den Sieg mit Ricciardo und Alonso befand. In der letzten Runde setzte der Deutsche alles auf eine Karte, doch Hamilton drängte seinen Teamkollegen ins Gras. "Ich dachte 'Scheiße!'", beschrieb Rosberg danach. "Ich bin einfach volle Attacke gefahren, alles was ging, zur Not wäre ich auch obendrüber gefahren."

"Meine Reifen waren am Ende. Es waren weiche, darum war ich schneller, aber das gleiche Auto zu überholen, ist nie leicht." Die ganze Situation müsse nun teamintern diskutiert werden. "Ich bin enttäuscht wegen der letzten Runde", gab Rosberg zu. "Die Chance war da und ich habe es nicht geschafft."

Das Rosberg in den letzten Runden so stark aufkam, überraschte Hamilton keinswegs. "Nico kam sehr nah ran und auch fast vorbei, aber ich konnte ihn hinter mir halten. Wenn er mich vorher [zum Zeitpunkt des Funkspruchs] überholt hätte, wäre er drei oder vier Runden früher an mir dran gewesen", sah sich der Brite in seinem Handeln bestätigt.

Am Abend wird es bei Mercedes zu einem Gipfeltreffen kommen. "Wir werden uns heute Abend mit dem Team zusammensetzen und das Rennen diskutieren. Lewis wird auch dabei sein", kündigte Rosberg an.

Wolff beschwichtigt

Teamchef Toto Wolff sprach nach dem Rennen von einer "ganz schwierigen Situation, in einem chaotischen Rennen viele Entscheidungen zu treffen". Rosberg sei der Schnellere gewesen, mit der Chance vielleicht Fernando Alonso einzuholen. "Das mit dem Funk war schwierig, es war nicht gemeint, dass er ihn vorbeiwinken soll, sondern dass sie nicht miteinander kämpfen sollen", erklärte Wolff.

Es ist ein frustrierender Funkspruch gewesen
Toto Wolff

Dann verlor Rosberg vor seinem Stopp Zeit, damit löste sich die Sache. "Wir werden uns mit Lewis zusammensetzen", kündigte Wolff angesichts des komplexen Themas an. "Emotional bin ich bei ihm, denn es ist ein frustrierender Funkspruch gewesen. Aber wir haben Regeln etabliert, kann man die außer Kraft setzen? Ich will nicht zu hart sein, wir müssen es eben analysieren." Das Manöver in der letzten Runde sei "hart" gewesen. "Ich habe es nur einmal gesehen", so Wolff.

Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender Niki Lauda hatte eine klare Meinung zum Funkbefehl, den Hamilton ignorierte: "Ich habe es genau beobachtet: Nico war nicht nah genug dran, dass er mit DRS neben ihn fahren konnte. Dann hätte Lewis ihn vorbeigelassen." Die Entscheidung, Rosberg nicht passieren zu lassen, sei richtig gewesen, sonst hätte auch Hamilton Zeit verloren. "Paddy Lowe hat sich dann am Boxenfunk zurückgehalten."

Der Funkspruch war nicht nötig
Niki Lauda

Man müsse das Team verteidigen, so der Österreicher. "Das Team stand unter enormem Stress, denn es war ein sehr schwieriges Rennen." In diesem Stress wurde der Funkbefehl an Hamilton erteilt, Rosberg passieren zu lassen. "Da Nico nicht nahe genug an Lewis dran war, verstehe ich, dass Lewis fragte: 'Warum? Warum soll ich mitten auf dem Kurs stoppen und meinen Teamkollegen passieren lassen?' Er kämpft auch um die Meisterschaft."

Der Funkspruch sei aus der Panik gekommen, den in der ersten Safety-Car-Phase verlorenen Boden schnell wieder gutmachen zu wollen. "Im Nachhinein betrachtet war der Funkspruch nicht nötig, aber es ist eben passiert. Lewis hat es ignoriert und ist Dritter geworden. Rückblickend ist nichts falsch gelaufen."

Das Ende der Geschichte ist das noch lange nicht. "Es sind ja noch einige Rennen zu fahren, der Kampf zwischen uns geht weiter", kündigte Hamilton an. "Ich hoffe, ich kann noch mehr angreifen."

Hamilton oder Rosberg: Wer hat in Zukunft die Nase vorn? - Foto: Sutton

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