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Formel 1 - Vettel: Lasse mich nicht verrückt machen

Ich hinterfrage mich ständig

Der Weltmeister im Interview: Sebastian Vettel über den schwierigen Saisonstart und Motivation. Dazu: welches historische F1-Auto er gern einmal fahren würde.
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Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel beendete den Großen Preis von Großbritannien in Silverstone auf dem fünften Platz. Highlight des Rennens: das weltmeisterliche Duell mit Fernando Alonso. Nach dem Rennen äußerte sich der Red-Bull-Pilot im Rahmen einer exklusiven Presseveranstaltung von Braun über den kniffligen Start in die Saison, persönliche Motivation und das bevorstehende Heimrennen auf dem Hockenheimring. Motorsport-Magazin.com gehörte zu einer Auswahl internationaler Medienvertreter, die dem Event live per Google Hangout zugeschaltet waren und Fragen an Vettel stellen konnten.

Sebastian, wie ist das Gefühl, viermaliger Weltmeister zu sein?
Sebastian Vettel: Es ist natürlich schön, viele Rennen gewonnen zu haben - aber wir schauen immer aufs nächste Rennen. Dieses Jahr ist es ein bisschen schwieriger für uns, deshalb arbeiten wir noch härter, um wieder aufs Podium zu fahren.

Wie motivierst du dich dafür?
Sebastian Vettel: Das Ziel ist, immer der Beste zu sein. Aber du musst realistisch bleiben: Das Wettbewerbsniveau ist ziemlich hoch und die anderen Teams leisten auch sehr gute Arbeit. Du kannst eben nicht immer der Beste sein, aber ich versuche es natürlich. Dieses Jahr haben wir mehr Probleme als in den vergangenen Saisons, aber so etwas kann passieren. So läuft das Spiel eben in der Formel 1. Ein paar Leute haben es bislang etwas besser hinbekommen als wir, also müssen wir noch härter arbeiten.

Vettel lieferte sich ein spektakuläres Duell mit Alonso - Foto: Sutton

Aktuell läuft es nicht so gut. Hinterfragst du dich auch selber?
Sebastian Vettel: Ich hinterfrage mich ständig. Es ist aber nicht so, dass ich mich dadurch verrückt machen lassen würde. Du versuchst dich immer zu verbessern und es gibt keinen Grund, die Motivation zu verlieren. Wenn man schaut, wo wir zu Saisonbeginn standen und wo wir aktuell sind, dann ist das schon ein großer Fortschritt. Wir möchten aber weiter nach vorn kommen, denn es ist nicht nur ein Schritt, der dich zurück an die Spitze führt. Es sind viele kleine Schritte, und das ist harte Arbeit. Wenn du dann Erfolg hast, fühlt es sich noch besser an.

In Silverstone reichte es nicht ganz fürs Podium.
Sebastian Vettel: Das war ein hartes Wochenende für uns, aber es war super, dass wir im Qualifying in die erste Startreihe fuhren. Ich hatte einen engen Kampf mit Fernando Alonso - das hat großen Spaß gemacht. Aber natürlich wäre ich lieber aufs Podium gefahren.

Hangout mit Sebastian Vettel!: (27:00 Min.)

Wie war das Duell mit Alonso?
Sebastian Vettel: Solche Rad-an-Rad-Duelle machen immer Spaß. Ich wollte Fernando so schnell wie möglich überholen. Das dauerte aber ein bisschen länger als es mir lieb war. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, wäre ich am liebsten direkt an ihm vorbeigefahren. Es war ganz schön eng und irgendwann beschwerte er sich über die Track Limits. Daraufhin erhielt ich die Anweisung, die Streckenbegrenzungen einzuhalten. Ich wusste ja, woher es kam und habe entschieden, das gleiche Spiel zu spielen. Wenn du gegen Fernando fährst, ist es unglaublich eng und hart. Er lässt dir nicht viel Platz, aber es war immer fair.

Was macht aus Fahrersicht mehr Spaß: das Verteidigen oder das Überholen auf der Strecke?
Sebastian Vettel: Natürlich Überholen! Wenn du dich verteidigen musst, kannst du nicht so viel ausrichten. Du versuchst die anderen Autos hinter dir zu halten, das macht aber nicht so viel Spaß, weil es bedeutet, dass du langsamer bist als sie. Es macht viel mehr Spaß, wenn du der schnellere Fahrer bist und im Rennen vorankommst. Das hängt natürlich auch davon ab, wo du am Ende landest. Ein Platz unter den ersten Drei ist super - du bekommst einen Pokal, Champagner und kannst ein bisschen feiern. Wenn du aber Vierter oder schlechter wirst, bekommst du nur einen Klapps auf die Schulter... Ideal wäre, viele Leute zu überholen und dann aufs Podium zu fahren.

Vettel hatte seinen Spaß beim Presse-Event - Foto: Braun

Als nächstes steht dein Heimrennen auf dem Hockenheimring an.
Sebastian Vettel: Da freue ich mich schon sehr drauf. In Silverstone hatten wir viel Unterstützung von den Fans, aber die haben vor allem die britischen Fahrer angefeuert. Wenn wir in Hockenheim sind, hoffe ich, dass die Zuschauer vor allem uns die Daumen drücken. Es ist immer etwas Besonderes, wenn du so viele Fahnen entlang der Strecke siehst und begeisterte Fans. Im vergangenen Jahr habe ich das Rennen in Hockenheim gewonnen, diesmal wird es aber schwierig. Mercedes befindet sich in einer sehr starken Position. Mein Ziel ist, auf das Podium zu fahren. Vor heimischer Kulisse fühlt sich das besonders gut an.

Welches historische Formel-1-Auto würdest du gern einmal in einem Rennen fahren?
Sebastian Vettel: Das ist eine schwierige Frage, weil es in den unterschiedlichen Epochen so viele großartige Formel-1-Autos gab. Vom reinen Fahrspaß her würde ich in den 90er Jahren beginnen, als Williams so dominant war. Ich denke, der Williams aus dieser Zeit war ein richtiges Biest! Ich würde mich also für ein Rennauto von Williams aus dem Jahr 1992 oder 1993 entscheiden.


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