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Formel 1 - 18-Zoll-Räder: Die Antworten vor dem Test

Kleine große Revolution

Das hat die Formel 1 noch nie gesehen! Bei den Tests in Silverstone kommen 18-Zoll-Räder zum Einsatz. Motorsport-Magazin.com beantwortet die wichtigsten Fragen.
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Motorsport-Magazin.com - Kleine Revolution in der Formel 1. An diesem Mittwoch fährt zum ersten Mal ein F1-Auto auf 18-Zoll-Rädern bei den Testfahrten in Silverstone. Motorsport-Magazin.com ist live an der Strecke und nimmt die neue Rad-Generation genau unter die Lupe.

Am Dienstag zeigte Pirelli erstmals Grafiken und ein Video der 18er. Motorsport-Magazin.com beantwortet im Vorfeld die wichtigsten Fragen rund um die neuen Räder.

1. - Wer testet die neuen Räder?

Charles Pic hat die Ehre, als erster Fahrer in der Geschichte der Formel 1 mit 18-Zoll-Rädern auf die Strecke zu fahren. Der Franzose dreht am Mittwoch einige Runden im Lotus E22-Boliden mit der neuen Generation. Pic, eigentlich Testfahrer bei Lotus, kommt bei den Tests anstelle von Stammfahrer Romain Grosjean zum Zuge.

Pirellis Ingenieure müssen am Lotus leichte Umbauten vornehmen, um den Test über die Bühne zu bringen. "Wir dachten aber, dass es sich lohnen würde", erklärte Pirellis Motorsportchefd Paul Hembery. Bei Lotus herrschte schon leichte Aufregung angesichts der 18er-Premiere. "Morgen wird es spannend, denn wir probieren die 18-Zoll-Reifen für Pirelli aus", sagte Lotus-Technikchef Nick Chester. "Das Auto wird ziemlich anders aussehen. Es wird gut zu sehen, was die Leute davon halten."

So sollen die 18-Zoll-Räder aussehen - Foto: Pirelli

2. - Ist das ein richtiger Leistungs-Test?

Nein. Es ist davon auszugehen, dass der Lotus nur einige Runden mit dem 18-Zoller in Silverstone zurücklegen wird statt den ganzen Tag zu fahren. Pirelli will mit dem Test einfach zeigen, was in Zukunft möglich sein könnte - und wie schnell der Reifenhersteller auf Änderungen reagieren kann. "Wir haben nicht viele Reifensätze dabei", hieß es aus Pirelli-Kreisen gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Fünf, sechs oder sieben Sets sollten es sein."

Erst einmal Reifenluft schnuppern, bevor es etwas Konkreteres gibt. So lautet das Motto von Pirelli. "Die Reifen, die beim Test eingesetzt werden, sind dazu da, um eine Ästhetik zu vermitteln und nicht um mit Performance zu überzeugen", sagte Pirellis Entwicklungschef Maurizio Boiocchi.

Pirellis neue 18-Zoll-Reifen: (2:00 Min.)

3. - Wie unterscheiden sich die 18-Zöller von den aktuellen Rädern?

Aktuell fahren die Formel-1-Autos auf Felgen mit einer Größe von 13 Zoll - also 5 Zoll beziehungsweise 12,7 cm kleiner als die Test-Variante in Silverstone. Am auffälligsten ist die wesentlich schmalere Reifenflanke der 18-Zöller im Vergleich zu den derzeitigen Reifen. Dies würde einige Änderungen an den Autos nach sich ziehen, hat die schmale Reifenflanke doch einen großen Einfluss auf die Balance. Wegen der schmalen Flanken hätten die Reifen eine wesentlich höhere Steifigkeit, weil es nicht mehr so viel Flexibilität gäbe.

Noch ist unklar, welche Reifenmaße die 18-Zöller haben und ob die Räder schwerer sind im Vergleich zu 13 Zoll. "Das würde ich nicht unbedingt sagen", hieß es seitens Pirelli auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. Ein Blick in Richtung der neuen Formel E, die schon Räder dieser Dimension nutzt, könnte Aufschluss geben. Reifenausstatter Michelin verwendet auf der Vorderachse 245/40 R18, an der Hinterachse 305/40 R18. Allerdings kommen in der Elektro-Rennserie Reifen mit normalem Profil statt Slicks zum Einsatz.

Schmale Reifenflanken als auffällige Änderung - Foto: Pirelli

4. - Warum überhaupt 18-Zöller?

Pirellis Motorsportchef Paul Hembery brachte es auf den Punkt: "Der 13-Zoll-Reifen ist im täglichen Gebrauch nicht mehr relevant, denn jedes Serienauto besitzt dieser Tage 18-Zoll-Reifen." Schon beim Formel-1-Antritt im Jahr 2010 hatte Pirelli anklingen lassen, dass 18-Zöller die Zukunft seien. Der Plan dahinter ist klar: Mit einem reinen Rennreifen lässt sich nur sehr bedingt Werbung machen. Der PR-Effekt a la 'Fahren Sie genau die gleichen Reifen wie die F1-Stars' hätte eine wesentlich höhere Relevanz.

Der direkte Technologieaustausch zwischen Motorsport und Straßenautos ist ein weiteres Argument von Pirelli. Aus diesem Grund hatte sich Michelin nur bedingt um den Job des Reifenlieferanten in der Formel 1 gerissen. "Einen Reifen für 13-Zöller können wir dem Endverbraucher nicht verkaufen", hieß es seitens der Franzosen gegenüber Motorsport-Magazin.com In der Formel E setzt Michelin außerdem nicht auf Slick -sondern auf Profilreifen.

Pirelli wäre den 18-Zöllern nicht abgeneigt - Foto: Sutton

5. - Kommen die neuen Räder auf jeden Fall in die F1?

Nein. Pirelli war in seinen Ausführungen sehr darauf bedacht, nicht den Eindruck zu vermitteln, dass man die Einführung der 18-Zoll-Reifen fordere. "Wir möchten betonen, dass wir nicht aktiv zu diesem Schritt drängen", sagte Paul Hembery in aller Deutlichkeit. "Es ist nicht unsere Rolle, Veränderungen anzuzetteln." Die 18-Zöller seien nur ein Vorschlag, über den die Verantwortlichen der Formel 1 entscheiden müssen. Dies alles geschehe mit Blick auf die Philosophie von Pirelli, als technischer Partner und Sponsor bei Bedarf einen Dienst zu leisten statt sich aktiv einzumischen.

"Bisher wurde immer nur darüber geredet, aber keiner hatte ein Bild vor Augen. Niemand wusste, wie diese Reifen an einem F1-Auto aussehen würden. Das soll sich jetzt ändern", erklärte Hembery den Sinn des Tests. "Die Teams und Fahrer sollen sich erst einmal ein Bild von den 18-Zoll-Reifen machen."

Pirellis Vertrag mit der Formel 1 läuft bis mindestens 2016 - Foto: Sutton

6. - Wie könnte es in Zukunft weitergehen?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Formel 1 in einigen Jahren von den 13-Zoll-Rädern abwendet. Bei den Straßenautos geht der Trend hin zu immer größeren Felgen und Reifen. Dass sich die F1 in einem gewissen Maße an der Serienproduktion orientiert, zeigte die Einführung der Hybrid-Antriebe zur Saison 2014. Pirelli geht allerdings davon aus, dass es vor 2016 oder 2017 keine großartigen Änderungen geben wird.

"In den Regeln ist nichts vorgesehen, daher wird es in den nächsten zwei, drei Jahren sicherlich auch keine Umstellung geben", erklärte Hembery. Ein nicht unwesentlicher Faktor bei den Diskussionen über künftige Reifen und Radgrößen: Pirellis Vertrag mit der Formel 1 läuft bis 2016. Wie es darüber hinaus weitergeht, ist unklar. Sollte sich die Formel 1 für die Einführung größerer Räder entscheiden, wäre dies sicherlich interessant für andere Reifenhersteller.


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