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Formel 1 - Silverstone: Die Tops & Flops

Champions-Pöbel & Pink for Papa

Katzenmensch Massa, Pöbeln auf hohem Niveau, ein kaputter Finne und der Mann mit dem pinken Helm: Motorsport-Magazin.com hat die Tops & Flops aus Silverston
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Top: Massa, die Katze

Katze mit drei Beinen: Felipe Massa in Silverstone - Foto: Sutton

200. Formel-1-Grand Prix, gute Pace, Kurve 5, Gerade, Kimi, kaputt: So lässt sich Felipe Massas Silverstone-Rennen in Kurzform beschreiben. Der Brasilianer tat sein Bestes, um nicht voll in Kimi Räikkönen reinzurauschen, als der sich nach seinem Ausritt hilflos mitten auf der Strecke befand. Massa bremste hart, lenkte voll rechts ein, sein Auto stellte sich quer und er erwischte den Ferrari nur leicht.

Für seine katzenartigen Reflexe erntete Massa großes Lob im Fahrerlager. "Massa hat gut reagiert, das liegt auch an seiner Erfahrung, denn er hatte schon einige Unfälle", sagte etwa der frühere Formel-1-Teamchef Eddie Jordan. "Ich bin nicht sicher, ob viele Fahrer solche Reflexe haben." David Coulthard pflichtete bei: "Eine außergewöhnliche Reaktion." Lobend erwähnt werden muss zudem Kamui Kobayashi, der direkt vor Massa fuhr und dem gestrandeten Räikkönen ebenfalls bravourös ausweichte. Von wegen: Kamuikaze...

Top: Weltmeisterliches Duell

Vettel gegen Alonso: Duell auf höchstem Niveau - Foto: Sutton

Das macht die Formel 1 doch aus: Die besten Fahrer der Welt schenken sich auf der Strecke nichts, kämpfen mit dem Messer zwischen den Zähnen um jeden Platz und teilen auch mal ordentlich aus. So geschehen zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso in Silverstone. Enges Racing und nebenbei noch Beschwerden via Teamfunk - von wegen: Männer können kein Multitasking.

Nur Niki Lauda gefiel Vettels Verhalten nicht so recht: "Ich verstehe den Vettel und seine Schimpferei nicht. Dass er wie ein kleines, erschrockenes Kind herumbrüllt, soll er sein lassen. Das sind zwei Top-Fahrer und das ist Top-Racing, das wollen die Zuschauer doch sehen." Allerdings hatte auch Alonso seinen Teil dazu beigetragen.

Top: Buttons emotionales Wochenende

Daumen rauf! Jenson Button sagt Danke - Foto: Sutton

Den pinken Helm auf dem Kopf, das Podium vor Augen. So viele Fans weltweit hätten Jenson Button am Sonntag einen Platz auf dem Podium gegönnt. Der Brite erlebte ein äußerst emotionales Wochenende - das erste Silverstone-Rennen ohne seinen verstobenen Vater John. "Ich bin sicher, dass er von da oben auf mich herabschaut, winkt und lächelt", hatte Button nach Platz drei im Qualifying gesagt. Und: "Egal, was im Rennen passiert, ich bin jetzt schon glücklich." Worte, die man eigentlich nicht von einem Formel-1-Weltmeister gewohnt ist.

Am Ende wurde es Platz vier, nur eine Haaresbreite hinter dem Podestplatz. Es wäre eine echte Märchengeschichte gewesen: Am 'Pink for Papa'-Wochenende das erste Podium für den McLaren-Piloten seit dem Saisonauftakt in Australien. Weniger als eine Sekunde fehlte zum Schluss, doch Button war trotzdem glücklich: "Schade, dass es nicht geklappt hat. Ich möchte mich beim Team und den Fans aber für die tolle Unterstützung bedanken."

Top: Bottas' grandiose Aufholjagd

So feiert Williams den zweiten Podestplatz - Foto: Williams F1

Von Platz 14 auf Rang 2 nach vorne gefahren, dabei zwei McLaren außen überholt - Valtteri Bottas war elektrisiert und fuhr das Rennen seiner Karriere. Motorsport-Magazin.com meint: Dafür gibt's die Note 1! Die Podiums-Hatz des Finnen beeindruckte sogar den alten Hund Rob Smedley. "Meine Anerkennung nimmt wöchentlich zu", sagte Williams' Performance-Chef. "Valtteri ist schon ein guter Fahrer, und er hat das Zeug, um ein außergewöhnlicher Fahrer zu werden."

Bottas und Williams sind derzeit eine echte Macht in der Formel 1. Geht da sogar noch mehr, wenn noch ein bisschen Glück hinzukommt? Claire Williams orakelte: "Hockenheim steht schon vor der Tür. Im letzten Rennen waren wir Dritte, dieses Mal Zweite - wer weiß, was als nächstes passiert?"

Flop: Pokalsammler im Pech

Den Pokal würde Lewis Hamilton gern mit nach Hause nehmen - Foto: Sutton

Das kennt man schon aus McLaren-Zeiten: Lewis Hamilton ist Pokal-geil. Am liebsten würde der Brite jede einzelne Trophäe mit nach Hause nehmen und auf den unendlich langen Kamin stellen. Das gefiel Ron Dennis schon damals nicht. Nach Hamiltons Silverstone-Sieg gab es wieder Kontroversen um den Pokal. Gefiel ihm nicht. Reaktion: "Wo ist der Goldpokal, Mann? Meiner fiel heute auseinander. Der Boden fiel einfach ab. Der ist aus Plastik, das hat nicht mehr als zehn Pfund gekostet!"

Das konnten die britischen Veranstalter natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Inzwischen ist auch geklärt, warum es Bilder von Hamilton mit zwei unterschiedlichen Pokalen gibt: einmal das Plastikding auf dem Podium, ein anderes Mal die berühmte RAC Trophäe. Für organisierte Fototermine durfte Hamilton den Goldpokal in den Himmel strecken. Sieht besser aus. Ob Hamilton den Plastikpokal überhaupt mit nach Hause nehmen wollte?

Flop: Heimrennen vs. Heimrennen

In Silverstone groß gefeiert: Lewis Hamilton Und in Hockenheim? - Foto: Sutton

Nach dem verpatzten Qualifying und Startplatz sechs hatte Hamilton ein Gesicht gezogen wie drei Tage Regen. Kurze, genervte Antworten - der Silberpfeil-Pilot war am Samstag ein unangenehmer Gesprächspartner. Nach seinem Sieg am Sonntag strahlte er natürlich wie ein Sonnenschein und hatte plötzlich viel bessere Laune. Super Unterstützung von den Fans, ein morgendliches Gebet, beide Hunde und der Neffe noch obendrauf - besser vorbereitet hätte Hamilton nicht an die Strecke kommen können.

Ob Nico Rosberg das Momentum in zwei Wochen in Hockenheim wieder zu seinen Gunsten dreht? Dort dürfte er mehr Fans haben als sein britischer Teamkollege. Hamilton sah das etwas anders: "Ich weiß, dass Hockenheim Nicos Heimrennen ist, aber er hat nicht mal ein Achtel der Unterstützung, die wir Briten hier bekommen." Spätestens jetzt dürfte auch der letzte Fan im Motodrom für Rosberg klatschen...

Flop: Leitplanken-Chaos

Kimi Räikkönen hängt am Haken - Foto: Sutton

Die Reparaturen der Leitplanken an Kimi Räikkönens Unfallstelle dauerten fast eine Stunde lang. Zu lange für den einen oder anderen Vertreter im Fahrerlager. Niki Lauda wütete: "Das ist doch alles verrückt. Es ist lächerlich, das Rennen für eine Stunde zu unterbrechen, weil die Leitplanken beschädigt sind." Lauda argumentierte, dass die Chance sehr gering sei, dass genau an dieser Stelle ein weiterer Unfall passieren würde. "Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist gleich null", glaubte er."

Für seine Aussagen erhielt der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende Gegenwind aus Reihen der Fahrer. Allen voran Felipe Massa. Der Brasilianer, selbst vom Unfall betroffen: "Wichtig ist, dass wir auf einer sicheren Strecke fahren. Garantiert war Niki Lauda auch nicht glücklich, als er zu seiner Zeit fuhr und sah, wie sich andere Fahrer verletzten. Heute ist es eine andere Zeit und da ist die Sicherheit das Wichtigste. Da ist die Zeit doch egal."

Flop: Verschollen im Grid-Dschungel

Da ist die Nummer 14, Fernando... - Foto: Motorsport-Magazin.com

Parken scheint nicht die Stärke von Fernando Alonso zu sein. Am Ende der Einführungsrunde machte es den Anschein, als wäre er vom plötzlich anhaltenden Williams überrascht worden. Alonso trat auf die Bremse - und stand mehrere Meter vor seiner eigentlichen Startposition. "Als ich mein Startnummern-Schild suchte, sah ich nur die Nr. 7 von Kimi und dann die Nr. 77 von Bottas. Die 14 fehlte", erinnert er sich zurück. "Ich wusste nicht, wo ich war."

Eigentlich kein Wunder, schließlich fährt Alonso sonst immer ein paar Reihen weiter vorne los. Er versuchte das Missgeschick noch auszubügeln, doch auch das ging schief: "Ich versuchte, zwei oder drei Mal den Rückwärtsgang einzulegen, aber er funktionierte nicht." Die Strafe folgte durch die lange Rennunterbrechung ungewohnt spät: Erst nach Neustart des Rennens belegte die Rennleitung den Spanier mit einer 5-Sekunden-Boxenstopp-Strafe.


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