Formel 1 - Großbritannien GP: Team für Team

Matchwinner Red Bull

Red Bull ist Matchwinner in Silverstone. Mercedes und Williams müssen ein Fahrzeug abschreiben, am anderen Ende des Feldes bleibt Sauber ohne Punkte.
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Motorsport-Magazin.com - Das Rennen in Silverstone sah einige hochkarätige Ausfälle und Teams, die davon profitierten. Toro Rosso und McLaren brachten beide Autos in die Punkte, Red Bull sammelte die meisten Punkte an einem Wochenende, an dem der Topfavorit über ein technisches Problem stolperte. Auf der Verliererseite steht wieder das Sauber-Team, das weiter ohne Punkte bleibt, auch Lotus war erstaunlich schwach. Motorsport-Magazin.com blickt für euch noch einmal kompakt und detailliert auf die Action zurück.

Mercedes

Nico Rosberg musste seinen Boliden abstellen - Foto: Sutton

Sonntag: Freund und Leid dicht zusammen: Mercedes scheiterte zum dritten Mal in dieser Saison daran, beide Autos ins Ziel zu bringen. Vom Speed her waren die Silbernen wieder überlegen und hätten einen Großteil des Feldes wohl überrundet, wenn sie bis zum Ende hätten voll fahren müssen. Dennoch wären 18 Punkte mehr drin gewesen. Diesmal erwischte es Nico Rosberg mit einem Getriebedefekt, nachdem in der Vergangenheit Lewis Hamilton das technische Nachsehen hatte. Dieser fuhr einen sicheren Sieg nach Hause, während Rosberg sich den Trost seiner Freundin und des Teamchefs abholen musste.

Samstag: Nico Rosberg hat sich in Silverstone die Pole Position geschnappt - mit dem perfekten Timing bei gemischten Bedingungen. In letzter Sekunde überquerte er die Linie und brannte die Bestzeit in den Asphalt. "Ich erinnerte mich daran, dass wir im Nassen drei oder vier Sekunden in der letzten Kurve verloren haben. Somit gab es dort einigen Spielraum für Verbesserungen", erklärte er seine Taktik zur Pole. Lewis Hamilton verpokerte sich hingegen. Er brach seinen finalen Run ab, weil er keine Verbesserungsmöglichkeiten mehr sah und startet nur von Platz sechs. Für Motorsportchef Toto Wolff ein strategischer Fehler. "Lewis hat die Situation nicht richtig eingeschätzt", hagelte es Kritik von Wolff.

Freitag: Auf den ersten Blick verlief der Trainingsfreitag in Silverstone für Mercedes voll nach Plan. In beiden Sessions sicherten sich Lewis Hamilton und Nico Rosberg die beiden 'Plätze an der Sonne'. Während der deutsche WM-Leader am Morgen mit seiner Bestzeit von 1:35.424 Minuten das Maß aller Dinge war, drehte Lokalmatador Hamilton am Nachmittag mit der schnellsten Runde des Tages in 1:34.508 Minuten den Spieß um, platzierte sich rund 0,2 Sekunden vor Rosberg. Allerdings verlief der Tag trotz insgesamt 96 Umläufen der beiden Piloten alles andere als reibungslos. Vor allem Hamilton hatte öfters mit Fahrfehlern und Ausritten zu kämpfen, musste seinen F1W05 Hybrid in FT2 zudem mit einem Vortriebsproblem nach nur neun Runden abstellen. Da Mercedes diese Power Unit nach den Trainings jedoch sowieso planmäßig wechseln wollte, muss Hamilton keine großen Nachteile fürchten.

Red Bull

Daniel Ricciardo holte sich den letzten Podiumsplatz - Foto: Sutton

Sonntag: Es war nicht unbedingt das Optimum, das Red Bull aus diesem Rennen machte. Sebastian Vettel startete als Zweite, vermurkste diesen total und wurde darauf von Red Bull auf eine Strategie umgepolt, die überhaupt nicht funktionierte. Der frühe erste Stopp brachte ihn zwar an den McLaren vorbei, dafür fiel er aber hinter eine Reihe von Einstoppern zurück. Hinter Fernando Alonso rieb sich der amtierende Weltmeister auf, lieferte sich ein fantastisches Duell mit dem Ex-Champion und kämpfte ihn schließlich nieder. Daniel Ricciardo hingegen hatte keine Probleme, war von der Haltbarkeit der Reifen überrascht und fuhr sensationell aufs Podium. Red Bull steht als Matchwinner da - so viele Punkte wie die Bullen sammelte an diesem Wochenende kein anderes Team.

Samstag: Zweigeteilte Taktik bei Red Bull im Qualifying. Lange Zeit hatte Sebastian Vettel in Q3 keine gezeitete Runde zu Buche stehen und sah wie der sichere Zehnte aus. Im letzten Moment fuhr der Deutsche allerdings nochmals auf die Strecke und versuchte trotz Regen eine Verbesserung - mit Erfolg. Er holte sich Startplatz zwei, während Daniel Ricciardo nur Platz acht übrigblieb. Der Australier glaubte nicht mehr an eine Verbesserung und stieg bereits während des Qualifyings aus seinem Red Bull. Ein Fehler, wie die guten Zeiten der Konkurrenz eindrucksvoll bewiesen. "Wir dachten wirklich nicht, dass die Strecke noch schneller werden würde", ärgerte sich Ricciardo. "Vettel ging nur raus, weil er zu diesem Zeitpunkt noch keine Zeit hatte."

Freitag: Aufwind bei Red Bull? Auf der Aerodynamik-Strecke Silverstone schien der vierfache Weltmeister vor allem im Vergleich zum Heimspiel in Spielberg deutlich besser bei der Musik. Allerdings wiesen Daniel Ricciardo als Viertschnellster des Tages (1:35.511 Min.) und Sebastian Vettel als Fünfter (1:35.627 Min.) beide bereits einen Rückstand von mehr als einer Sekunde auf Lewis Hamilton auf. Vor allem Ricciardo hatte dabei in beiden Sessions Probleme, auf der weicheren Reifenmischung das Maximum aus seinem RB10 herauszuholen. Vor allem machte ihm auch der starke Wind zu schaffen: "In einer Kurve verhält sich das Auto perfekt normal und in der nächsten fehlt plötzlich komplett der Grip", klagt der Australier. Vettel hingegen zeigte sich weitestgehend zufrieden: "Der Tag war sehr interessant für uns. Die erste Startreihe scheint vergeben aber dahinter können wir uns viel ausrechnen."

Force India

Force India fehlte es an Speed

Sonntag: Nico Hülkenberg startete vom vierten Platz, verlor jedoch schon auf den ersten Metern einige Positionen. Der Deutsche, der auf eine Einstopp-Strategie setzte, kam schlussendlich nicht über den achten Rang hinaus, womit er aber auch im neunten Saisonrennen punktete. "Das war ein schwieriger Nachmittag", klagte Hülkenberg. "Wir hatten nicht die Pace, um um die großen Punkte zu kämpfen." Wie befürchtet, machte der böige Wind Force India in Silverstone einen Strich durch die Rechnung, sodass das Team nicht an die guten Leistungen der letzten Rennen anschließen konnte. Sergio Perez kollidierte unmittelbar nach dem Start mit Jean-Eric Vergne und fiel an das Ende des Feldes zurück. Mit den Option-Reifen konnte der Mexikaner zwar einige Positionen gut machen, doch als Elfter verfehlte er die Punkteränge. "Das ist eine große Enttäuschung nach dem guten Qualifying", zeigte er sich enttäuscht. "Ich finde, wir hätten uns an diesem Wochenende mehr Punkte verdient."

Samstag: Gemischte Gefühle bei Force India. Bis zum Ende von Q3 lag Sergio Perez auf dem dritten Rang und die Bedingungen ließen zunächst keine Verbesserungen der anderen Piloten zu. Als die Strecke schließlich abtrocknete, unterlief dem Mexikaner ein Fehler in Kurve 12, wodurch er die Temperatur aus den Reifen verlor und keine Verbesserung mehr möglich war. Einer der Profiteure: Teamkollege Nico Hülkenberg. Der Deutsche nutzte die besseren Streckenbedingungen und schob sich in letzter Sekunde auf Startplatz vier nach vorne. Möglich machten es Verbesserungen der Balance und der abgeflaute Wind.

Freitag: Das zuletzt so erfolgsverwöhnte Force-India-Team erlebte in Silverstone einen ausgesprochen schwierigen Freitag. Sergio Perez und Nico Hülkenberg waren in der zweiten Trainingssession nur auf den Plätzen 16 und 17 anzutreffen und klagten im Anschluss unisono über den starken Wind. "Es war von Anfang an ziemlich knifflig und unvorhersehbar zu fahren", erklärte Hülkenberg, der in der ersten Session das Cockpit an Reserve-Pilot Daniel Jundacella abtreten musste. "Wind ist nie gut für ein Rennauto, vor allem wenn er so böig ist", verdeutlichte der Deutsche. "Rennautos mögen das nicht, es ist schwierig für die Aerodynamik. Man spürt das ziemlich stark im Auto." Aber nicht nur der Wind machte dem Deutschen Sorgen: "Wir können uns mit den Reifen noch steigern, denn der Longrun war sehr bescheiden." Auch Perez führte den Wind als größten Störfaktor an, der die Performance des VJM07 stark beeinflusste. "Man braucht auf dieser Strecke ein sehr effizientes Auto und das haben wir momentan nicht, zudem fehlt uns klar die Geschwindigkeit."

McLaren

Jenson Button fuhr bei seinem Heimrennen auf Platz vier - Foto: Sutton

Sonntag: Für McLaren hätte der Start in das Heimrennen kaum besser laufen können: Nach drei Kurven lag Jenson Button auf dem zweiten Platz, Kevin Magnussen folgte direkt dahinter auf dem dritten Platz. Wie es um die wahre Speed der beiden Boliden stand, zeigte sich aber ebenso schnell: Nach dem Neustart kam Button mit einem Rückstand von vier Sekunden auf Nico Rosberg aus der ersten Runde zurück. Mit viel Benzin an Bord und auf den weicheren Optionsreifen funktionierte der McLaren einfach nicht. "Es war ein tolles Rennen, auch wenn unsere Pace im Vergleich zu den Williams und Mercedes nicht gut war, teilweise konnte ich viel zu einfach überholt werden", sagte Jenson Button, der am Ende Vierter wurde. Kevin Magnussen, der auf Platz sieben landete, schloss sich an: "Zu Beginn des Rennens war es einfach zu leicht, mich zu überholen." Wirklich aufdrehen konnte McLaren erst im letzten Renndrittel, für Button hätte es beinahe noch zum Podium gereicht. "Es war richtig knapp, in der nächsten Runde hätte ich DRS gehabt und es wäre einfacher gewesen. Vor so einer Kulisse um den dritten Platz zu kämpfen, ist aber wirklich klasse."

Samstag: Beide McLaren-Piloten profitierten von den wechselhaften Bedingungen im Qualifying von Silverstone und einem späten Run, der beide nach vorne brachte. Jenson Button fühlte sich ab dem ersten Moment des Qualifyings wohl und erzielte mit Platz drei seine beste Startposition seit Brasilien 2012. "In meiner finalen Runde in Q3 dachte ich schon, dass alles vorbei ist. Aus Kurve fünf heraus passierte mir ein Fehler und dadurch hatte ich massives Übersteuern auf die Gerade hinaus, aber ich konnte über den Rest der Runde dennoch Zeit gutmachen", freute sich der Brite. Kevin Magnussen haderte zwar etwas damit, nicht genug Risiko eingegangen zu sein, war aber letztlich zufrieden mit Rang fünf.

Freitag: In den ersten beiden Freien Trainings zum Grand Prix von Großbritannien war McLaren einmal mehr weit von der Spitze entfernt. Jenson Button landete zwei Mal auf Rang sieben, Kevin Magnussen wurde am Vormittag Zehnter und landete in FP2 auf dem achten Platz. Am Nächsten war Button noch im ersten Freien Training an der Bestzeit von Nico Rosberg dran, doch auch da verlor er 1,539 Sekunden auf den WM-Leader. Dementsprechend ernüchtert gab sich der Routinier: "Wir werden die Top-Drei-Teams an diesem Wochenende nicht fordern können. Es war ein schwieriger Tag, aber ich konnte zumindest definitiv einen Fortschritt erkennen." Vor allem in den schnellen Kurven lag McLaren klar hinter der Konkurrenz zurück. In Sachen Reifenwahl hat das McLaren-Duo einen klaren Favoriten: den weicheren Reifen, also den Option. "Der Prime ist ein sehr harter Reifen und es ist schwierig, ihn am Leben zu halten. Er verliert die Temperatur sehr schnell. Im Moment sieht es so aus, als wäre der Medium der bessere Reifen", ist sich Magnussen sicher.

Ferrari

Kimi Räikkönen sorgte für den Schock des Rennens - Foto: Sutton

Sonntag: Man kann Kimi Räikkönen definitiv keine Lustlosigkeit vorwerfen, immerhin sorgte der Finne für den großen Knall: Nach einem richtig guten Start kam er in der fünften Kurve auf die asphaltierte Auslaufzone und wollte dann zu motiviert auf die Strecke zurückkehren - der Ausgang ist bekannt. Besser machte es Fernando Alonso, der vom 16. Startplatz bis in die Punkte nach vorne fuhr und nach 52 Runden Sechster wurde. Wo er gelandet wäre, wenn er weiter vorne gestartet wäre? "Wenn ich von der Pole gestartet wäre, wäre ich Sechster geworden", sagte der Spanier trocken. Dass er die Lust am Rennfahren nicht verloren hat, zeigte er im Duell mit Sebastian Vettel, als er den fünften Platz wie die Führung verteidigte. Zuvor hatte man sich bei Ferrari für eine Ein-Stopp-Strategie entscheiden. "In Runde 15 haben wir die Reifenabnutzung angeschaut. Man musste ungefähr in Runde 25 stoppen. Unsere Pace war aber noch gut, also entschieden wir uns für einen Stopp. Das war die sicherere Variante, um ein paar Punkte für das Team einzufahren."

Samstag: Riesige Strategiepanne im Qualifying und als Resultat die Plätze 19 für Fernando Alonso und 20 für Kimi Räikkönen. Beide Piloten waren zum falschen Zeitpunkt mit den Medium-Reifen auf der Strecke und konnten ihre Zeiten nicht verbessern. Ein Ausrutscher von Adrian Sutil und die daraus resultierenden Gelben Flaggen machten letztlich alle Hoffnungen zunichte. "In komplizierten Momenten wie diesen musst du die richtigen Reifen zur richtigen Zeit montieren - aber Glück spielt definitiv auch eine Rolle", erklärte Alonso. Zumindest Räikkönen fand noch etwas Positives, denn der Ferrari fühlte sich am Samstag deutlich besser als noch am Freitag an. "Ich sehe keinen Grund, warum ich nicht versuchen sollte, ein gutes Rennen zu haben", erklärte der Finne.

Freitag: Altbekanntes Bild bei der Scuderia Ferrari. Einmal mehr holte Superstar Fernando Alonso am Freitag den Hammer raus und platzierte sich mit der drittbesten Tageszeit von 1:35.244 Minuten mit 0,7 Sekunden Rückstand als einziger Pilot innerhalb von einer Sekunde auf die dominanten Silberpfeile. Bereits im in FP1 hatte Alonso sich den dritten Platz gesichert, und somit seine Extraklasse einmal mehr unter Beweis gestellt. Keine Probleme hatte der Spanier mit der weichen Reifenmischung, klagte aber etwas über die harte: "Es ist sehr schwer, sie auf Temperatur zu bringen, was natürlich Grip und Zeit kostet". Kimi Räikkönen baute nach einem starken fünften Platz in FP1 am Nachmittag ab und belegte mit knapp zwei Sekunden Rückstand auf Hamilton lediglich Rang neun: "Wir haben das Setup leicht verändert, jedoch hat das leider überhaupt nicht funktioniert. Danach war das Handling des Autos nicht mehr das gleiche. Es war wirklich schwierig, eine gute Runde zusammenzubekommen."

Williams

Valtteri Bottas bescherte Williams einen Grund zum Feiern - Foto: Sutton

Sonntag: Der Riesenschock zu Beginn des Rennens: Felipe Massa hätte beinahe Kimi Räikkönens Wrack Volley genommen, konnte aber mit einer Meisterleistung einen üblen Unfall verhindern. Trotzdem war es nicht möglich, das Rennen fortzusetzen. Massa musste den Preis für das verkorkste Qualifying zahlen. Valtteri Bottas hingegen legte eine unglaubliche Aufholjagd hin und fuhr sich bis auf die zweite Position nach vorn. "Wir wussten, dass wir ein schnelles Auto haben und vielleicht hat es uns etwas überrascht, dass es so schnell war", sagte der Held des Rennens.

Samstag: Regen nicht erwartet, Top-Ergebnis verspielt. Williams hatte das Potenzial für Q3, Schluss war aber bereits in Q1. Wie alle anderen Teams startete die Mannschaft auf Intermediates, verpasste aber den richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel auf Trockenreifen. "Die gesamte Session war unglaublich. Wir sind zu spät auf den Trockenreifen raus und konnten daher keine Runde mehr fahren, bevor es wieder zu regnen begann", erklärte Valtteri Bottas geknickt. Damit endete Bottas auf Startplatz 17 und Felipe Massa landete direkt dahinter.

Freitag: Für die heimlichen Gewinner des Österreich GP entpuppte sich der Auftakt ins Silverstone-Wochenende als ein Tag zum Vergessen. Ausgerechnet Susie Wolff erlebte bei der ersten Teilnahme einer Frau an einem Rennwochenende ein Desaster. Bereits nach vier Runden musste sie ihren FW36 mit Problemen an der Power Unit abstellen, beendete das Training so mit wenig aussagekräftigen 8,8 Sekunden Rückstand auf Nico Rosberg auf dem vorletzten Platz. Teamkollege Felipe Massa erging es jedoch nur wenig besser: Nach einem heftigen Abflug in die Reifenstapel sorgte der Brasilianer gar für Rote Flaggen, brachte lediglich sieben Runden und Platz 17 zu stande. Am Nachmittag betrieb Valtteri Bottas als Sechster (1:36.016 Min.) immerhin noch Schadensbegrenzung. "Wir haben hier heute massive Probleme mit dem Wind und den harten Reifen gehabt, die uns viel Gripverlust eingebracht haben", verrät Ingenieur Rob Smedley.

Toro Rosso

Beide Autos in den Punkten: Toro Rosso holte drei Zähler - Foto: Sutton

Sonntag: Die Toro-Rosso-Piloten kamen exakt auf den Positionen ins Ziel, auf denen sie gestartet waren: Daniil Kvyat auf neun, Jean-Eric Vergne auf zehn. Dem Russen wäre es in der Schlussphase des Rennens sogar um ein Haar gelungen, den unmittelbar vor ihn fahrenden Nico Hülkenberg zu überholen, doch ihm gingen die Runden aus. "Ich war eigentlich schneller als er und ich kam definitiv sehr nah an ihn ran, aber leider habe ich es letzten Endes nicht an ihm vorbeigeschafft", berichtete er. Vergne zeigte sich mit seinem errungenen Punkt zufrieden. "Heute habe ich die Aggressivität wiedergefunden, von der ich wusste, dass ich sie habe und es ist sicherlich ein Schub für mein Selbstvertrauen."

Samstag: Strategiefehler bei Toro Rossos und damit nur die Startplätze neun für Daniil Kvyat und zehn für Jean-Eric Vergne. Während die meisten anderen Fahrer kurz vor Ende des Qualifyings nochmals auf die Strecke gingen, blieben die beiden Toro Rosso an der Box. Die Strategen waren fest überzeugt, dass keine Verbesserungen mehr möglich sein würden - ein bitterer Trugschluss für Vergne. "Ich bin enttäuscht, denn wir waren über das gesamte Wochenende schneller als einige der Konkurrenten, die nun vor uns stehen."

Freitag: Mit den Plätzen zehn und zwölf verlief der Tag für das Toro-Rosso-Duo Jean-Eric Vergne und Daniil Kvyat zufriendenstellend. Trotz dem größeren Fokus auf Aerodynamik in Silverstone verhinderte fehlende Antriebspower eine bessere Ausbeute der 'kleinen Red-Bull-Schwester'. Der Rückstand auf die Spitze war dabei mit über zwei Sekunden eklatant. Dennoch war Vergne sicher einer der glücklichsten Männer im Fahrerlager: Bei hohem Tempo löste sich in FP2 das linke Vorderrad an seinem STR9, der Franzose konnte nur mit Mühe einen heftigen Abflug verhindern und sein Auto sicher abstellen. "Abgesehen von dem Zwischenfall gegen Ende des zweiten Freien Trainings war es ein guter Tag", meint Vergne nach den ersten beiden Sessions, die er auf den Rängen neun und zehn beendete. "Unsere Performance über eine Runde ist nicht so wie wir es uns wünschen, aber im Longrun sieht es schon ganz gut aus." Kvyat war hingegen weniger zufrieden: "Die Bedingungen waren ziemlich schwierig. Es war sehr windig und die Strecke ziemlich rutschig. Was die Balance des Autos angeht, müssen wir uns massiv steigern."

Marussia

Bianchi konnte nur kurz mit den ganz Großen kämpfen - Foto: Sutton

Sonntag: Die Ausgangsposition war mit den Startplätzen 12 und 17 gut wie nie, doch Marussia wurde schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Max Chilton steuerte die Boxengasse an als rot draußen war und hatte somit bereits effektiv eine Runde Rückstand nach Absitzen aller Strafen. Jules Bianchi konnte seinen Platz nicht halten und fiel schnell ans Ende des Mittelfelds zurück. Die Punkte aus Monaco sind so schnell wohl nicht wiederholbar.

Samstag: Jubeltag bei Marussia: Jules Bianchi Zwölfter und Max Chilton 13. - bestes Qualifying-Ergebnis der Geschichte des Teams. Die beiden Piloten sprachen von einer perfekten Strategie, der richtigen Einschätzung der Bedingungen und der Maximierung der Möglichkeiten - mit weiterer Luft nach oben. "Wenn die gelben Flaggen nach dem Gutierrez-Unfall nicht herausgekommen wären, hätte ich mich noch mehr verbessern können - wer weiß, was dann möglich gewesen wäre", überlegte Bianchi. Ein kleiner Wehrmutstropfen allerdings bleibt: Chiltons Getriebe wurde am Samstagvormittag gewechselt, damit geht es für den Briten noch fünf Plätze nach hinten.

Freitag: Für Jules Bianchi verlief der Auftakt in Silverstone alles andere als wunschgemäß. Aufgrund technischer Probleme konnte der Franzose insgesamt lediglich 23 Runden drehen und war somit nicht annährend in der Lage, das geplante Programm abzuspulen. "Es gibt eine Menge, was wir für das restliche Wochenende verbessern müssen", forderte Bianchi, der nun auf die Daten seines Teamkollegen Max Chilton zurückgreifen muss. Der Lokalmatador blieb zwar von Schwierigkeiten mit dem MR03 verschont, war mit seiner Leistung aber dennoch unzufrieden. "Wir müssen jetzt alles aus den Daten herausholen, um die Rundenzeit zu verbessern", gab Chilton die Marschroute vor.

Sauber

Esteban Gutierrez rempelte - Foto: Sutton

Sonntag: Sauber ging auch im neunten Saisonrennen leer aus und wartet weiterhin auf die ersten Punkte. Adrian Sutil lag zwischenzeitlich auf der elften Position und war in der ersten Rennhälfte durchaus wettbewerbsfähig, konnte im zweiten Teil die harten Reifen jedoch nicht richtig zum Arbeiten bringen und verlor Positionen. Er kam letztlich als 13. ins Ziel. "Das Rennen war für mich relativ unspektakulär", resümierte der Deutsche. Esteban Gutierrez kollidierte in der zehnten Runde mit Pastor Maldonado, wofür er eine Strafversetzung um drei Positionen für die nächste Startaufstellung aufgebrummt bekam. "Als ich ihn in Kurve 16 überholen wollte, fuhr er beim Anbremsen nach innen und ließ mir keinen Platz. Ich war direkt neben ihm und konnte somit eine Kollision nicht mehr verhindern", schilderte der Mexikaner den Zwischenfall. "Es tut mir sehr Leid für das Team, da es nicht schön ist, ein Rennen auf diese Weise zu beenden."

Samstag: Rabenschwarzer Tag für das Schweizer Team. Bei schwierigen Witterungsbedingungen sah es so aus, als könnten Adrian Sutil und Esteban Gutierrez sich weit nach vorne fahren. Stattdessen landeten beide Piloten nach Fehlern im Kiesbett und brachten Teamchefin Monisha Kaltenborn zur Verzweiflung. Sutil hatte in Q1 nicht bemerkt, dass eine Kurve noch feucht war, das Heck brach aus, er rutschte in den Kies und blieb stecken. Damit konnte er trotz Qualifikation an Q2 nicht mehr teilnehmen und landete auf P16. In diesem Segment erwischte es dann Gutierrez. Der Mexikaner verlor die Kontrolle über seinen Boliden, krachte in die Leitplanke und blieb auf P14 hängen. Zu allem Überfluss muss Gutierrez in der Startaufstellung am Sonntag auch noch zehn Plätze nach hinten, für das "Unsafe Release" in Österreich.

Freitag: Während Esteban Gutierrez mit der Balance und Performance zufrieden war, tat sich Adrian Sutil mit dem Fahrverhalten des C33 schwer. "Die Fahrzeugabstimmung war nicht ideal, und das Auto hat nicht so reagiert, wie wir es uns erhofft haben", klagte Sutil, der sein Cockpit im ersten Training an Giedo van der Garde abtreten musste. Sauber nahm eine Änderungen am Setup vor, die aber nicht die gewünschte Reaktion brachte. "Wir müssen nun die Daten analysieren und verstehen, was der Auslöser dafür war", so Sutil nach Rang 18. Gutierrez bilanzierte hingegen positiv und glaubt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. "Wir haben heute verschiedene Fahrzeugabstimmungen ausprobiert und hoffen dadurch, neue Erkenntnisse und Möglichkeiten zu gewinnen", schilderte der Mexikaner, der in beiden Sessions den 13. Platz belegte.

Lotus

Für Lotus war das Heimrennen nicht von Erfolg gekrönt - Foto: Sutton

Sonntag: Zum dritten Mal in Folge blieb Lotus ohne Zählbares. Romain Grosjean, der in der Startphase nur knapp einen Zusammenstoß mit Kimi Räikkönen verhindern konnte und sich von umherfliegenden Trümmerteilen Beschädigungen am Visier zuzog, überquerte die Ziellinie als Zwölfter. "Ich hatte ein Schalt-Problem und dadurch keine volle Power", erklärte der Franzose, dessen Rennen wieder einmal unter keinem guten Stern stand. Noch viel schlimmer erwischte es allerdings Pastor Maldonado. Erneut war der Venezolaner in einem Unfall verwickelt, diesmal stellte jedoch er das Opfer dar. Sauber-Pilot Esteban Gutierrez verschätzte sich bei einem Zweikampf und schickte Maldonado in die Luft. "Mir wurde gesagt, dass es spektakulär aussah, aber im Auto war es schnell vorbei und ich fuhr einfach weiter", nahm der Südamerikaner den Zwischenfall locker. Die Zielflagge sah er dennoch nicht: Drei Runden vor dem Ende des Rennens stieg plötzlich Rauch aus dem Heck seines Lotus auf und der Grand Prix war für Maldonado beendet.

Samstag: Leichte Steigerung und unglücklicher Fehler. Romain Grosjean stellte seinen Lotus in Silverstone auf Startplatz elf, sah aber noch mehr Potenzial. Sein entscheidender Run in Q2 wurde durch gelbe Flaggen unterbrochen, ansonsten wäre seiner Meinung nach Q3 möglich gewesen. Pastor Maldonado musste sich - zunächst - mit Rang 15 begnügen. Der Venezolaner stellte am Ende von Q2 seinen Lotus ohne Sprit im Kiesbett ab und wurde nachträglich von der FIA vom Qualifying ausgeschlossen - Startplatz 20 als Resultat. Trotz dieser Probleme sind beide Lotus-Piloten begeistert von ihrem Auto. "Die Pace war heute Morgen plötzlich da und das Auto machte genau was ich wollte", freute sich Maldonado.

Freitag: Problembehafteter Auftritt für Lotus zum Auftakt des Silverstone-Wochenendes: Während Pastor Maldonado in FP1 bereits nach zwei Installationsrunden mit einem Motordefekt ausfiel, hatte Teamkollege Romain Grosjean mit mangelndem Grip, fehlender Geschwindigkeit auf den Vollgaspassagen und mangelnder Beschleunigung zu kämpfen. Zudem leistete sich der Franzose einen Ausritt neben die Strecke, als er auf der Suche nach einer schnellen Zeit in einer Kurve über das Limit ging. Mit den Tagesrängen 14 und 15 und über 2,5 Sekunden Rückstand auf Lewis Hamilton zeigten sich beide Piloten zerknirscht: "Ich kann das Motorproblem ebenso wenig wie Renault nachvollziehen und es ist schade, dass wir eine komplette Session verloren haben", klagt der Venezolaner. Grosjean, der eine neue Motorkonfiguration und neuen Sprit testete, zeigte sich jedoch wenig angetan: "Man merkt einfach gar nichts. Wir sind insgesamt zu langsam und bringen zudem auch die harten Reifen nicht zum Laufen."

Caterham

Auch unter neuem Besitzer muss Caterham weiter auf die ersten Punkte warten - Foto: Sutton

Sonntag: Auch mit den neuen Besitzern ändert sich nichts, wobei das natürlich nach gerade einmal einer Woche viel zu verlangt gewesen wäre: Caterham bleibt das Schlusslicht in Sachen Speed im Feld. Marcus Ericsson legte einen guten Start hin und mischte sich ins hintere Mittelfeld, machte dann aber einen Fehler und zerstörte sich die Aufhängung. Kamui Kobyashi konnte sich gar nicht in Szene setzen und fuhr ein einsames Rennen. Lediglich Max Chilton. Der mit einer Runde Rückstand ins Rennen gegangen war, konnte er hinter sich halten. Für Kolles und Albers gibt es eine Menge zu tun.

Samstag: Langes Zittern und dann tiefes Durchatmen. Sowohl Kamui Kobayashi als auch Marcus Ericsson blieben im Qualifying mehr als zwei Sekunden hinter der 107-Prozent-Zeit zurück und mussten um die Rennteilnahme bangen. Die Stewards entschieden sich aber für einen Start von Caterham. Nach einem Run auf Intermediates wechselte Kobayashi wie die meisten anderen Piloten auf Option-Reifen. Ein technisches Problem ließ aber sowohl beim ersten als auch beim zweiten Versuch keine Zeitenverbesserung zu, womit nur Startplatz 21 blieb. Ericsson setzte auf die gleiche Taktik, machte im zweiten Sektor aber einen Fehler und flog spektakulär übers Kiesbett - eine Verbesserung war danach unmöglich.

Freitag: Kamui Kobayashi musste das erste Training aus der Zuschauerrolle verfolgen, denn Reserve-Pilot Robin Frijns übernahm seinen Wagen. Als der Japaner dann am Nachmittag am Steuer saß, klagte er zunächst über Untersteuern, das das Team im Laufe der Session aber in den Griff bekam. Marcus Ericsson machte im ersten Training einen Abstecher in die Wiese, wo er mit seinem Wagen aufsaß und erst von den Streckenposten mittels Kran geborgen werden musste. Am Ende der Nachmittagssession löste sich sein Renault-Motor in Rauch auf, womit das Training vorzeitig beendet war. "Wir müssen uns ansehen, was vorgefallen ist und uns heute Nacht die Daten genau ansehen", forderte der Schwede nach dem Defekt.


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