Formel 1 - Lauda wütet wegen Rennabbruch

Früher hätte es das nicht gegeben...

Kimi Räikkönens Leitplanken-Verwüstung sorgte für eine deftige Verzögerung in Silverstone. Unverständnis bei Niki Lauda. Waren die Reparaturen nötig?
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Motorsport-Magazin.com - Wenn aus Minuten eine Stunde wird. Die TV-Sender mussten am Sonntag in Silverstone kreativ werden, um die rund einstündige Verzögerung bis zum Re-Start des Rennens zu überbrücken. Während die Streckenposten nach Kimi Räikkönens Unfall damit beschäftigt waren, die angeknacksten Leitplanken zu reparieren, verging doch mehr Zeit als geplant. Dabei hinterließ das eigentlich erfahrene Streckenpersonal nicht immer den besten Eindruck.

"Die sind mit einem Handschrauber an die Leitplanke gegangen", witzelte Toto Wolff während der Zwangspause. "Vielleicht sollten wir einen unserer Jungs mit einem Schlagschrauben dahin schicken." Das Personal schaffte es allerdings auch ohne die Mithilfe von Mercedes, den Unfallort wieder renntauglich zu machen. Nach einigen Zeitplan-Updates wurde das Rennen um 15:05 Uhr deutscher Zeit hinter dem Safety Car neu gestartet.

Alles gerichtet? Bernie schaut ganz genau hin - Foto: Sutton

Lauda: Das ist doch verrückt

Leitplanken wurden ausgewechselt, damit im Falle eines weiteren Unfalls an gleicher Stelle keine Gefahr auftreten kann. Ein Prozedere, das Niki Lauda auf die Palme brachte. "Das ist doch alles verrückt", wurde der Österreicher von der BBC zitiert. "Es ist lächerlich, das Rennen für eine Stunde zu unterbrechen, weil die Leitplanken beschädigt sind."

Das ist doch alles verrückt.
Niki Lauda

Lauda argumentierte, dass die Chance sehr gering sei, dass genau an dieser Stelle ein weiterer Unfall passieren würde. "Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist gleich null", meinte der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende. "Sie kümmern sich um jedes kleine Detail und einige Leute werden sicherlich den Fernseher abschalten." In Laudas Augen sei die Formel 1 schlichtweg überreglementiert.

Eine Einstellung, für die Felipe Massa keine Verständnis hatte. "Ehrlich gesagt, denke ich: Alles, was der Sicherheit zuträglich ist, sollte kein Zeitproblem sein", so der Williams-Pilot. "Wichtig ist, dass wir auf einer sicheren Strecke fahren. Garantiert war Niki Lauda auch nicht glücklich, als er zu seiner Zeit fuhr und sah, wie sich andere Fahrer verletzten. Heute ist es eine andere Zeit und da ist die Sicherheit das Wichtigste. Da ist die Zeit doch egal."

Mutiger Einsatz eines Streckenpostens während des Rennens - Foto: Sutton

Früher hätte es das nicht gegeben...

Leichten Gegenwind gab es auch von Bernie Ecclestone, der das Treiben an der Strecke genau verfolgte. "Ich denke, das muss man reparieren, bevor es weitergehen kann", sagte der 83-Jährige. Dabei erinnerte sich Ecclestone an alte Zeiten in der Formel 1 zurück, als die Sicherheit nur eine Nebenrolle spielte: "Früher hätten wir das wohl nicht gemacht." Nach einigen Todesfällen und schweren Crashes - unter anderem Laudas Feuerunfall am Nürburgring 1976 - hatte in der Königsklasse ein Umdenken eingesetzt; Sicherheit nahm ab dieser Zeit eine wesentlich wichtigere Rolle ein.

Warum der gesamte Vorgang einiges an Zeit in Anspruch nahm, erklärte Damon Hill. "Man musste erst auf die Entscheidung von Charlie Whiting warten, ob die Leitplanken gewechselt werden müssen", so der Brite. "Als das klar war, haben sie einen guten Job gemacht. Es musste ja auch ein Pfosten gewechselt werden, die sind tief verankert." Unterstützung in Sachen 'Safety First' gab es von Susie Wolff, die am Freitag ihren ersten offiziellen GP-Einsatz für Williams im 1. Training hatte. "Die Sicherheit sollte immer an erster Stelle stehen, auch wenn es mal länger dauert", sagte sie.


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