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Formel 1 - Österreich GP: Die Tops & Flops

Spielberg-Spektakel & Silber-Sticheleien

Die Tops und Flops aus Österreich: Auf der einen Seite Kimi Räikkönens lange Beschwerdeliste, auf der anderen Red Bulls Zufallsmethode. Und Mercedes überall.
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Top: Spielberg-Spektakel

Volle Tribünen, an jeder Ecke ein kleines Highlight, Flugzeuge, Legendenrennen - der Red Bull Ring bot den unzähligen Fans wirklich beste Unterhaltung. Ein Spielberg-Spektakel der Extra-Klasse. Kollektiver Beifall für Red Bulls Boss Dietrich Mateschitz, den Macher aus der Steiermark. Vergleichen mit einen anderen trostlosen Grands Prix, war der Österreich Grand Prix wirklich ein absoluter Höhepunkt. Jetzt schon sicher: 2015 findet das Rennen am Red Bull Ring wieder im Juni statt.

"Ein tolles Beispiel für alle Veranstalter, was man an einem Rennwochenende bieten kann", meinte Christian Horner. "Hier war eine echte Festival-Atmosphäre!" Back tot he roots sei es laut Christian Danner gewesen. Der Motorsport-Magazin.com-Experte verriet zudem: "Helmut Marko hat mir erzählt, dass einige vorgeschlagen haben, den Streckenverlauf zu verändern. Die ganzen Höhenunterschiede sollten rausgenommen werden, aber genau das macht doch diese Strecke hier aus. Genau deshalb hat Helmut gesagt: Wir haben gekämpft wie die Löwen. Das ist unsere Strecke und die bleibt so, wie sie ist."

Traumhaftes Panorama und beste Stimmung in Spielberg - Foto: Sutton

Top: Action an der Spitze

Spektakel abseits und auch auf der Strecke. Der Österreich Grand Prix bot eine eher seltene Abwechslung an der Spitze. Fünf verschiedene Piloten drehten in Spielberg Führungsrunden: Nico Rosberg (38 Runden), Felipe Massa (14), Sergio Perez (11), Fernando Alonso (5) und Valtteri Bottas (3). Insgesamt wechselte die Führung im Verlauf der 71 Runden sieben Mal. Nur das Ende fiel mit dem Doppelsieg von Mercedes wie meist üblich aus.

Abwechslung an der Spitze - Foto: Sutton

Top: Mercedes-Power am Red Bull Ring

Doppel-Pole für Williams, Doppelsieg für Mercedes. Nico Rosberg und Lewis Hamilton kehrten in Österreich zu alter Stärke zurück und machten den Sieg unter sich aus. Business as usual, die Arbeit der Silberpfeile ist einfach besser als die der Konkurrenz. Interessant waren aber die Reaktionen nach dem kniffligen Qualifying, als Hamilton sein Auto verlor und Rosberg deshalb womöglich die Pole verlor.

"Ich denke, das ist der Moment, an dem wir unser System überdenken müssen", hatte Toto Wolff am Samstagabend gesagt. Man kann sich nicht nur, weil man ein gutes Auto hat, nur auf sich konzentrieren. Man muss den Blickwinkel erweitern." Klingt ein wenig kryptisch, aber Mercedes hat die Zeichen der Zeit erkannt. Niki Lauda forderte selbst nach Rosbergs Sieg, dass Mercedes den F1 W05 weiterentwickeln müsse. "Wir haben das Auto hier bis zur Grenze ausgereizt", meinte WM-Leader Rosberg.

Shake Hands bei Mercedes nach dem Doppelsieg - Foto: Sutton

Top: Horner tickt aus

Eigentlich ist Christian Horner ein ruhiger Zeitgenosse, doch am Sonntagabend überkam Red Bulls Teamchef der Frust. "Das ist nicht akzeptabel, so kann es nicht weitergehen", wütete Horner in Richtung Motorenpartner Renault. Wie nie zuvor, kritisierte der Brite die Arbeit der Franzosen in der Öffentlichkeit. Die Warnung kam in Viry-Chatillon an, Renault versuchte zu besänftigen.

Was daran top ist? Endlich haut Horner mal auf den Tisch, über die prekäre Lage beim Weltmeister-Team kann sowieso niemand mehr hinwegtäuschen. In den vergangenen Jahren war Red Bull auf jeder Strecke eine Macht, jetzt wird von einer Schwäche auf langen Geraden, mittelschnellen Kurven und Co. gesprochen. Die hat allerdings so ziemlich jede Rennstrecke... Horner weiß: Es muss schnell etwas geschehen, sonst verliert Red Bull völlig den Anschluss. Öffentlicher Druck auf den Motorenpartner kann da sicherlich nicht schaden.

Bei Red Bull läuft so einiges schief - Foto: Sutton

Flop: Saubers Funkpruch

Wenn man Schei.. am Fuß hat. Passend zur Fußball-WM, gilt dieses Motto auch für Sauber. Die bisherige Saison ist eine absolute Katastrophe und das Funkspruch-Dilemma von Spielberg das Tüpfelchen auf dem i. Bei all den technischen Problemen im Feld eigentlich kein Mega-Debakel, doch es passt zur aktuellen Lage beim Schweizer Traditionsrennstall.

Ein Funkspruch, dazu gedacht, Esteban Gutierrez nach dessen verpatztem Boxenstopp anzuhalten, ging fälschlicherweise auch an Adrian Sutil raus. Der befand sich zu diesem Zeitpunkt aber in voller Fahrt auf der Strecke. Immerhin top: Sauber machte aus dem Fehler kein Geheimnis, sondern nahm in der offiziellen Pressemitteilung ausführlich Stellung. Hilft aber nichts - achte Nullrunde in Folge.

Sauber kommt einfach nicht ins Rollen - Foto: Sutton

Flop: Red Bulls Zufallsprinzip

"Die Top-5 sollten es mindestens sein, alles andere ist ein Zugewinn", hatte Daniel Ricciardo am Donnerstag noch recht zuversichtlich geklungen. Was folgte, war ein Debakel für Red Bull beim prestigeträchtigen Heimspiel in Spielberg. Schlimmer noch: Sebastian Vettel schenkte die WM mehr oder weniger ab. "Dazu muss man kein Genie sein", sagte der Heppenheimer, als die WM-Frage beantworten sollte.

Genauso zufällig wie der Sieg in Kanada war auch Vettels Rettungsaktion bei seiner elektronischen Panne. "Nachdem leider auch keine Lösungsvorschläge aus der Box gekommen sind, habe ich versucht, so viele Knöpfe wie möglich durchzuprobieren, was dann am Ende auch wirklich geholfen hat", kritisierte er gleichzeitig die Unterstützung des Kommandostands. Beim Noch-Weltmeister-Team wirkt in diesen Wochen so einiges planlos.

Horror-Wochenende für Red Bull beim Heimrennen - Foto: Sutton

Flop: Silberpfeil-Sticheleien

Auf Schwächere einzutreten, gehört sich nicht. Mercedes stichelte nach dem Spielberg-Doppelsieg mit einer Werbeanzeige in Richtung Red Bull: "Silver Arrow: verleiht Flügel". Dumm nur, dass der Werbetext einen dicken Fehler enthielt: "[...] und dem gesamten MERCEDES AMG PETRONAS Formular One Team [...]". Schon im Vorfeld des Rennens hatte Mercedes die Straßen entlang der Strecke mit 'Heimspielberg'-Plakaten zugepflastert. Das Fahrerlager grübelt noch immer über den Inhalt dieser Aussage. Sportliche Dominanz hätte doch auch gereicht.

Red Bull auf die Hörner genommen... - Foto: Sutton

Flop: Räikkönens Beschwerde-Marathon

79:19. So lautet die Punktebilanz zwischen Fernando Alonso und Kimi Räikkönen nach den ersten acht Rennen. Ferrari strauchelt kollektiv, doch der Spanier hat im Rahmen seiner Möglichkeiten im Teamduell klar die Nase vorn. Während Alonso immer wieder von "besten Rennen" und "besten Starts" spricht, gab es von Räikkönen zuletzt nur noch Beschwerden. Heiße Bremsen, schlechte Balance, zu wenig Power, unberechenbare Power - die Liste ist lang.

Natürlich ist der Finne unzufrieden mit der Situation und verleiht seinem Ärger darüber Ausdruck. Doch angesichts der kämpferischen Aussagen von Alonso verkommt Räikkönen immer mehr zum großen Nörgler. Eine Rolle, die eigentlich nicht zu ihm passt. Es dürfte nicht allzu lange dauern, bis das böse Wort 'Motivation' wieder durch Maranello geistert...

Räikkönen gehört zu den großen Enttäuschungen der Saison - Foto: Sutton

Top/Flop: Williams

Valtteri Bottas holte das erste Podium für Williams seit Pastor Maldonados Sieg 2012 in Barcelona. Ein verdienter Lohn für die Truppe aus Grove, die vor Saisonbeginn zu den großen Geheimfavoriten zählte. Die Doppel-Pole im Qualifying zeigte, dass Williams nach den Katastrophen-Jahren wirklich gute Arbeit geleistet und wieder Anschluss an die Spitze gefunden hat. Das ist top.

Ein bisschen Flop muss aber auch sein, denn für Williams wäre in Spielberg wesentlich mehr drin gewesen - womöglich sogar der Sieg. Die erste Boxenstopp-Phase warf Massa allerdings zu weit zurück, weil nicht alles perfekt lief. Mercedes nutzte die Gelegenheit und ebnete den Weg zum Sieg. Gegen das wahrscheinliche Weltmeister-Team reicht es für Williams eben doch noch nicht. Chance verpasst!

Gute Stimmung trotz verpasstem Sieg - Foto: Sutton

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