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Formel 1 - Österreich GP: Die 9 Antworten zum Rennen

Raketen-Lewis & Vettel-Gegurke

Mercedes-Power, Räikkönens Teamfunk-Terror und der wahre Grund für Sebastian Vettels Aufgabe: Motorsport-Magazin.com liefert die Antworten zum Österreich GP.
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1. Warum landete Massa am Ende hinter Bottas?

Von Pole gestartet und auf Platz vier durchgereicht: So hatte sich Felipe Massa den Österreich Grand Prix nicht vorgestellt. Umso bitterer, dass Teamkollege Valtteri Bottas am Ende aufs Podium fuhr. Der Knackpunkt aus Williams-Sicht war die erste Phase der Boxenstopps. Massa kam in Runde 14 zuerst zum Reifenwechsel an die Box, der 3,3 Sekunden dauerte. Das reichte für Nico Rosberg, um die Führung zu übernehmen.

Der Brasilianer im doppelten Pech: Weil Bottas' Stopp in Runde 15 nur 2,1 Sekunden dauerte, kam er vor Massa auf Platz zwei zurück ins Feld. Massa wurde mit seinen kalten Reifen auch noch von Lewis Hamilton kassiert und fiel innerhalb von zwei Runden um drei Plätze zurück. Damit war das Podium effektiv verloren.

Wenn eine Serie von Details schief läuft, dann passiert es eben, dass du von Platz eins auf Rang vier abrutscht.
Smedley über Massa

Die Frage: Hatte sich Williams mit seinen Stopps verzettelt? Williams-Performancechef Rob Smedley antwortete so: "Wenn du vorne fahren willst, muss jedes kleine Detail stimmen. Wenn eine Serie von Details schief läuft, dann passiert es eben, dass du von Platz eins auf Rang vier abrutscht." Gemeint waren suboptimale In- und Outlaps von Massa, die ihn zu viel Zeit kosteten. Kollege Bottas machte es besser und wurde mit seinem ersten Podestplatz in der Formel 1 belohnt.

Am Ende fuhr nur Valtteri Bottas aufs Podium - Foto: Sutton

2. Wie schaffte es Hamilton von Platz neun aufs Podium?

In seinen eigenen Worten: "Mit einem Raketenstart! Das war einer der besten Starts, die ich jemals hatte." In Zahlen ausgedrückt: fünf. Um so viele Positionen verbesserte sich Lewis Hamilton schon in der ersten Rennrunde. Von Startplatz neun fand sich der Brite nach dem ersten Umlauf auf P4 wieder. Dank besser aufgewärmter Reifen kassierte er Felipe Massa nach dessen Boxenstopp und später auch noch Bottas.

Nur Teamkollege Rosberg erwies sich trotz hartem Kampf als zu große Hürde. Womöglich verlor Hamilton den Sieg aber an der Box. Seine beiden Reifenwechsel dauerten länger als Rosbergs Boxenstopps, der am Ende 1,9 Sekunden Vorsprung hatte. Hamilton: "Natürlich ist es frustrierend, wenn man Zeit verliert, weil du immer alles versuchst zu tun, um hier ein Zehntel und da ein Zehntel zu gewinnen. Wenn du also eine Menge verlierst, wie zwei Sekunden bei den Boxenstopps, ist es hart."

Nach all den Querelen: Handshake des Mercedes-Duos nach dem Doppelsieg - Foto: Sutton

3. Wieso waren die Mercedes-Teams in Spielberg so stark?

So sieht Dominanz eines Motorenherstellers aus: Bei Red Bulls Heimrennen fuhren sieben Autos mit Power Units aus dem Hause Mercedes in die Top-9. Schon vor dem Wochenende war ziemlich klar gewesen, dass Mercedes-Power am Red Bull Ring regieren würde - die langen Geraden in Verbindung mit den Höhenunterschieden machten es möglich. Dass der Vorteil so deutlich ausfallen würde, war aber doch eine kleine Überraschung.

Im Rennen haben die Mercedes-Teams einen so großen Vorteil, dass sie damit spielen können.
Fernando Alonso

"Die drei Geraden und der Stop-and-Go-Charakter der Strecke lag Mercedes viel besser", räumte Red Bulls Teamchef Christian Horner ein. Anerkennung gab es auch aus dem Ferrari-Lager. Fernando Alonso zog seine Kappe und stellte fest: "Im Rennen haben die Mercedes-Teams einen so großen Vorteil, dass sie damit spielen können." Gegen das Mercedes-Werksteam sei überhaupt kein Kraut gewachsen. Wenn sie mit diesen Einstellungen das ganze Rennen fahren, dann überrunden sie jeden", so Alonso, der die Ziellinie als Fünfter überquerte.

Gegen Mercedes-Power war kein Kraut gewachsen - Foto: Sutton

4. Warum gab Vettel vorzeitig auf?

In Runde 36 war Feierabend, der Weltmeister stellte seinen Red Bull in der Garage ab. Dabei lag kein technisches Problem vor. "Wir wollten die Power Unit schonen, dann können wir in einem Training mal ein bisschen länger fahren", räumte Teamchef Christian Horner ein. Der Grund für Vettels Aufgabe: Chancenlosigkeit. Von Startplatz zwölf hatte er schon in der ersten Runde ein elektrisches Problem mit einem Knopf, dass sein Auto für 30 Sekunden völlig lahmlegte. Vettel musste hilflos mitansehen, wie ihn der Rest des Feldes überholte.

Plötzlich lief der Red Bull wieder, doch Vettel hatte zu diesem Zeitpunkt fast eine Runde Rückstand. Den viel zitierten Überholknopf durfte er auch nicht mehr drücken aus Angst vor weiteren Problemen. Nach einer Kollision mit Esteban Gutierrez sah Red Bull keinen Sinn mehr, den Weltmeister hinterher gurken zu lassen. Vettel: "Ich hatte auf ein Safety Car gehofft, aber das kam nicht." Völlig verkorkstes Wochenende für den Heppenheimer.

Später am Abend gab Renault etwas mehr Aufschluss über das Problem mit Vettels Auto. So habe Red Bull vor dem Start das Mapping im RB10-Boliden verändert. "Das könnte ein Problem mit unserer Software gewesen sein, es könnte aber auch mit der normalen Software zusammenliegen", klärte Renaults Motorenchef Remi Taffin auf.

Hier stellt Sebastian Vettel seinen Red Bull in der Box ab - Foto: Sutton

5. Warum hatte Vettel am Ende noch ein bisschen Glück?

Wenn es sonst schon nichts Positives mitzunehmen gibt... Vettel hätte für seine Kollision mit Gutierrez in der 29. Runde wahrscheinlich eine Strafe kassiert. Die neuen Richtlinien der FIA verschonten ihn allerdings vor einer Bestrafung. Ab Spielberg will der Weltverband bei kleineren Zwischenfällen eher ein Auge zudrücken als in der Vergangenheit. Dadurch sollen die Fahrer zu Duellen animiert werden, ohne vor einer Strafe zittern zu müssen. Da Gutierrez nicht beeinträchtigt wurde, als sich Vettel seinen Frontflügel am Sauber-Boliden zerstörte, kam der Red-Bull-Pilot straffrei davon.

Sebastian Vettel erlebte ein Horror-Wochenende am Red Bull Ring - Foto: Sutton

6. Worüber beschwerte sich Räikkönen am Teamfunk?

"Dann gebt mir mehr Leistung!" So lautete Kimi Räikkönens Forderung während des Rennens, nachdem das Team ihn dazu angehalten hatte, die Pace etwas hochzuschrauben. Der Ferrari-Pilot kämpfte am Red Bull Ring wieder mal mit stumpfen Waffen und war nicht allzu gut gelaunt, als er sich anhören musste, doch bitte schneller zu fahren. Am Ende landete Räikkönen nur auf Platz zehn.

Ich wollte dann eigentlich früher stoppen, aber die Box hat nein gesagt. Ich weiß aber nicht wieso.
Kimi Räikkönen

Schon ab der zweiten Runde gab es Probleme. Kimi: "Ich musste die Bremsen kühlen, habe aber trotzdem versuchen müssen, gegen einen Konkurrenten vor und einen hinter mir zu kämpfen. Das ist schwer, wenn man nach zwei Runden wegen Bremsproblemen langsamer fahren soll." Seine Laune verbesserte sich nicht, als das Team beim Boxenstopp auch noch über seinen Kopf hinwegentschied. "Ich wollte dann eigentlich früher stoppen, aber die Box hat nein gesagt. Ich weiß aber nicht wieso", so Räikkönen. Der Stopp in Runde 15 kostete ihn schließlich zwei Positionen.

Kimi Räikkönen erlebte wieder ein schwieriges Wochenende - Foto: Sutton

7. Was ging bei Sutil daneben?

Wie setzt man einer Katastrophen-Saison noch einen drauf? Mit einer - Verzeihung - saublöden Situation. Das war passiert: Esteban Gutierrez kam in Runde elf zum Boxenstopp rein, wurde aber mit einem falsch montierten Rad wieder losgeschickt. Das Team bemerkte den Fehler umgehend und funkte den Mexikaner an, umgehend das Auto anzuhalten. Dummerweise ging der Funkspruch auch an Adrian Sutil raus, der natürlich gehorchte - obwohl er gerade auf der Strecke unterwegs war.

"Als man mir das mitteilte, bin ich natürlich sofort weitergefahren", sagte Sutil später. "Dennoch hatte ich durch den Zwischenfall bereits viel Zeit verloren." Teamchefin Monisha Kaltenborn war angesichts des Fehlers und der achten Nullrunde in Folge außer sich vor Wut und kündigte Konsequenzen an. "Fakt ist, dass so etwas überhaupt nicht akzeptabel ist", so Kaltenborn gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Die nächste Nullrunde für das gebeutelte Sauber-Team - Foto: Sutton

8. Warum gelang Perez die Aufholjagd des Rennens?

Taktikfuchs Sergio Perez! Der Mexikaner legte in Spielberg einen wahren Husarenritt hin und verbesserte sich von Startplatz 15 auf die sechste Position. Neun Platzgewinne und sogar elf Führungsrunden - der Force-India-Pilot war der heimliche Held des Rennens.

Wir sind im zweiten Stint steckengeblieben. Das hat uns gekillt.
Boullier über Button

Er war einer von sechs Piloten, die beim Start auf die weichen Reifen setzten. Erst in Runde 29 steuerte Perez die Box an und lag zu diesem Zeitpunkt in Führung. Dank starker Rennpace und gutem Reifenmanagement konnte er sich bis zum Zieleinlauf in der Spitzengruppe halten.

"Es war vor allem wichtig, Jenson Button zu überholen", erklärte Perez. "Er war auf einer ähnlichen Strategie unterwegs wie ich. Das war ein Schlüssel zu meinem Erfolg." Warum ging der plan beim McLaren-Fahrer nicht auf? McLaren-Renndirektor Eric Boullier: "Wir sind im zweiten Stint steckengeblieben. Das hat uns gekillt."

Top-Leistung von Sergio Perez in Spielberg - Foto: Sutton

9. Doppel-Ausfall: Was ging bei Toro Rosso schief?

Dass auch Toro Rosso sein großes Heimspiel am Red Bull Ring hatte, ging ein wenig unter an diesem Wochenende. Dass Daniil Kvyat und Jean-Eric Vergne schon wieder vorzeitig ausfielen, fiel da schon eher auf. Besonders bitter für den jungen Russen, der sich von Startplatz sieben gute Chancen ausgerechnet hatte.

In Runde 26 war aber schon Schluss, als plötzlich die Hinterradaufhängung seines Autos brach und Kvyat zur Aufgabe zwang. Vorausgegangen war die Info ans Team, dass die Bremsen versagten. "Wir wissen noch nicht genau, was genau passiert ist", rätselte Kvyat einige Zeit später. "Es fühlte sich wie ein Reifenschaden an, könnte aber auch an der Aufhängung gelegen haben." Bei Teamkollege Vergne war der Grund klar, warum er sein Auto in Runde 59 abstellte: Bremsprobleme seit Beginn des Rennens. Es war der achte Ausfall für Toro Rosso im achten Saisonrennen.


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