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Formel 1 - Österreich GP: Die sieben Schlüsselfaktoren

Wenn es Nacht wird am Red Bull Ring...

... knüpfen Williams und Massa an alte Zeiten an, herrscht Fußball-Fieber im Fahrerlager, will Mercedes umdenken und können es die Fahrer wieder krachen lassen.
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1. - S wie Startaufstellung

Mercedes in Startreihe 1 - das kennt man. Doch halt, diesmal schaffte es nur die Power Unit aus Brixworth nach ganz vorne. Felipe Massa und Valtteri Bottas statt Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Verrückte Welt in Spielberg. Eine Doppel-Pole für Williams gab es zuletzt vor elf Jahren, 2003 in Hockenheim. Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher hießen damals die Helden. Massas letzte F1-Pole liegt schon eine Weile zurück: 2058 Tage dauerte die Leidenszeit an.

Und hinter der Williams-Sensation? Buntes Treiben! Nico Rosberg, Fernando Alonso, Daniel Ricciardo, Kevin Magnussen und Daniil Kvyat auf den Plätzen drei bis sieben bedeuten Fahrer von sechs unterschiedlichen Teams in den Top-7. Größte Enttäuschungen im Grid: Lewis Hamilton nach kapitalem Fehler nur Neunter, Weltmeister Sebastian Vettel nach Aus im Q2 auf Startplatz zwölf.

So sieht Freude aus: Pole-Setter Felipe Massa - Foto: Sutton

2. - S wie Stall-Duell

Rosberg gegen Hamilton, Vettel versus Ricciardo - Mercedes und Red Bull bieten teamintern reichlich Zündstoff. Das setzte sich auch in Spielberg fort, als Hamilton seinem deutschen Teamkollegen mit einem Fahrfehler und daraus resultierenden gelben Flaggen die mögliche Pole Position zunichte machte. Beide Silberpfeile pushen bis ans Limit, doch Toto Wolff war not amused: "Wir müssen lernen, dass es nicht nur den Teamkollegen gibt." Rosberg nahm es etwas lockerer. "Aus diesem Blickwinkel war es ein guter Tag, weil es für Lewis schwieriger ist aufzuholen, als für mich, den Abstand zu vergrößern", so der WM-Leader.

Bei Red Bull sah die Sache etwas anders aus, die Bullen hatten beim Heimspiel zu kämpfen. Ricciardo betrieb mit Startplatz fünf Schadensbegrenzung, Vettel enttäuschte mit Platz 13. Schon gibt es wieder große Diskussionen, warum der junge Australier seinem Teamkollegen den Schneid abkauft. Vettel war ziemlich angefressen, Ricciardo versuchte zu schlichten. Interessanter Erklärungsversuch von Helmut Marko: "Das ist scheinbar die Jugend, die kommen mit den schwierigen Autos besser zurecht."

Der Stier soll zeigen: Hier ist Red-Bull-Land! - Foto: Sutton

3. - S wie Strecke

Wenn man den Red Bull Ring einmal erreicht hat, ist eigentlich alles perfekt: Strecke, Fahrerlager, Tribünen, Wetter, Stimmung. Einen Schönheitsfehler gab es dann aber doch: die Einfahrt zur Boxengasse. Die Piloten müssen sich in Spielberg bereits vor Kurve acht rechts der weißen Linie einordnen, wenn sie die Boxen anlaufen wollen. Dies stellte sich allerdings aufgrund des Streckenlayouts schwierig heraus, weshalb viele Fahrer die Linie überfuhren, was im Rennen eine Strafe nach sich ziehen würde.

Nach Diskussionen beim Fahrerbriefing stimmte Renndirektor Charlie Whiting zu, den Beginn der weißen Linie um zwei Meter nach links zu versetzen, sodass es den Piloten nur deutlich leichter fällt, sich einzuordnen. Allerdings stellte Whiting klar, dass die Stewards weiterhin genau darauf achten werden, ob die Linie überfahren wird und im Falle dessen Strafen verhängen werden.

Österreichisches Legenden-Rennen am Samstagnachmittag - Foto: Sutton

4. - S wie Strategie

Die Renntaktik könnte in Spielberg eine richtig spannende Kiste werden. Diesmal können die Teams nicht auf Daten aus den Vorjahren vertrauen, mit den Pirelli-Reifen hat noch kein Fahrer eine Renndistanz auf dem Red Bull Ring absolviert. Die Top-Teams werden vermutlich auf eine Zwei-Stopp-Strategie setzen. Diese sieht den Start auf den superweichen Reifen vor mit einem Anfangs-Stint von 13 Runden. Dann zwei Reifenwechsel in den Runden 13 und 42 auf die härtere Mischung.

Die spannende Alternative wäre lediglich ein Boxenstopp. Pirelli sieht diese Variante gar als schnellere Lösung, allerdings ist sie mit einem gewissen Risiko behaftet. In diesem Fall wäre der erste Stint etwa 18 Runden lang und die restliche Distanz von 53 Runden müsste auf einem Satz Soft-Reifen bestritten werden. Ob die Soft-Reifen das aushalten? Aber auch in der Formel 1 gilt: No risk, no fun.

Gewinnbringende Strategie: Lächeln und winken - Foto: Sutton

5. - S wie Stehender Start

Es war die große Geschichte am Wochenende hinter den Kulissen: Ab der Saison 2015 soll es nach einer Safety-Car-Phase einen stehenden statt eines fliegenden Starts geben. Soll die Spannung in der Formel 1 erhöhen, meinte die F1 Commission. Die Idee kam bei Fahrern und vielen Experten überhaupt nicht gut an. "Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt", sagte stellvertretend Nico Rosberg. "Das würde zu weit gehen, weil ich das pure Racing mag. Ich will keinen zweiten Start."

Motorsport-Magazin.com fand nach längerer Suche dann aber doch einen Befürworter der geplanten Regeländerung. Lotus-CEO Gerard Lopez. Er sagte: "Ich würde das befürworten. Das ist auch für die Fans logisch, weil man dann gleich weiß, wo jeder liegt. Diese fliegenden Re-Starts sind immer sehr komisch. Der erste bremst ab, beschleunigt, bremst wieder ab. Man weiß nie genau, was Sache ist."

Red Bulls Crux: die langen Geraden in Spielberg - Foto: Sutton

6. - S wie Samba do Spielberg

Die Formel 1 ist die Königsklasse, aber in diesen Wochen regiert König Fußball die Welt. Und auch ein bisschen das Fahrerlager am Red Bull Ring, wo einige Fernseher die Partie zwischen Deutschland und Ghana zeigten. Die meisten deutsche Fahrer haben sicherlich zugeschaut, nur Sebastian Vettel und die Jungs von Red Bull könnte ein Problem bekommen: Helmut Marko hat eine Datenanalyse bis nach Mitternacht angekündigt. Für Vettel doof, für den Rest des Teams nicht so sehr; die meisten Mitglieder kommen schließlich aus England und Österreich...

Schöne Geschichte am Rande: Vor dem Qualifying übergab Massas Sohn seinem Papa Felipe eine kleine Spielfigur von Brasilien-Superstar Neymar als Glücksbringer. Hat offensichtlich funktioniert für den großen Fußball-Fan Felipe.

Richtig so: Erst Renn-Analyse, dann Fußball - Foto: Sutton

7. - S wie Spannung

Aktuell herrschen große Diskussionen in der Formel 1: Ist die Formel 1 zu langweilig? Stört die Mercedes-Dominanz? Ist die Technik zu kompliziert? Das beste Argument pro Formel 1 wäre wohl ein spannendes Rennen am Red Bull Ring. Immerhin hat die FIA schon eingelenkt und will Zweikämpfe ab sofort nicht mehr so hart bestrafen. Wenn sich die Regelhüter wirklich daran halten, könnte es in Spielberg richtig abgehen - und das wünscht sich doch jeder Fan, oder?


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