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Formel 1 - Longrun-Analyse: Graining bei Mercedes

Williams' letzte Chance?

Teil 1 des Österreich-Comebacks ist vorbei - nicht bei Motorsport-Magazin.com. Nur hier gibt es die große Longrun-Analyse.
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Motorsport-Magazin.com - Mercedes bestimmte auch den Freitag in Spielberg. Die Zeiten sind in einer anderen Liga. Doch blickt man genauer auf den Freitag, strauchelte Mercedes etwas - nicht nur mit der Technik. Motorsport-Magazin.com macht den großen Longrun-Check. Doch die Longrun-Zeiten sind etwas mit Vorsicht zu genießen: Weil auf dem Red Bull Ring die kürtesten Rundenzeiten des gesamten Jahres gefahren werden, ist es schwierig, eine freie Runde zu erwischen - erst recht, einen freien Longrun.

Pirelli bringt - wie schon in Montreal - die zwei weichsten Reifenmischungen mit. Der Unterschied zwischen Soft und Supersoft beträgt auf eine schnelle Runde laut Pirelli rund sechs Zehntelsekunden. Auf den Dauerlauf gesehen wird es etwas interessanter als noch vor zwei Wochen. Denn auf dem Circuit de Gilles Villeneuve war schon nach wenigen Runden der härtere der beiden Reifen klar im Vorteil. Im Rennen versuchten die Piloten so viel wie möglich auf den gelb markierten Pneus zu fahren.

Paul Hembery erwartet in Österreich ein ähnliches Szenario: "Die Piloten werden sich auf den superweichen Reifen qualifizieren und dann, wenn es heiß ist, nach etwa zehn bis zwölf Runden auf den Soft-Reifen wechseln und den längsten Teil des Rennens damit fahren." Im Training zeigte sich zwar eine ähnliche Tendenz, so gravierend wie in Kanada war es aber bei weitem nicht. Am Beispiel von Williams lässt sich das gut erkennen: Bottas fuhr auf Soft, Massa auf Supersoft. Mit den deutlich höheren Temperaturen, wie sie am Sonntag erwartet werden, könnte es aber ähnlich wie in Kanada laufen.

Graining: Unterschiede zwischen den Autos

"Graining ist kein Problem und sogar weniger, als wir erwartet haben", freut sich Hembery. Nico Rosberg sieht es jedoch ganz anders. "Das Graining hier ist sehr stark, vor allem auf der Hinterachse. Nach ein paar Runden haben meine Hinterreifen komplett gegraint", klagte er nach dem Training. Hembery erklärt: "Wir haben zwischen den Autos große Unterschiede gesehen. Bei den Hinterreifen hatten einige mehr Probleme als die anderen."

Zwar waren die Silberpfeile auch auf den Supersofts klar am schnellsten, allerdings fuhren sowohl Hamilton, als auch Rosberg nur wenige Runden am Stück. Bei Rosberg war der Abfall außerdem deutlich stärker als bei Hamilton. Schon nach fünf Runden im Longrun begannen die Zeiten langsamer zu werden. Allerdings fuhr Rosberg mit dem selben Satz schon zuvor acht Runden, die meisten davon auf Bestzeitenjagd, Hamilton nur fünf.

Hinter Mercedes ist es eng

Hinter Mercedes geht es gewohnt eng zu. Red Bull, Williams, Ferrari und Force India streiten sich um die Plätze. Die Verfolger haben die Programme allesamt gesplittet. Der Force India macht auf den Supersofts einen starken Eindruck, allerdings fuhr Perez nicht konstant genug. Außerdem täuscht sein Longrun etwas: Der Mexikaner ist mit seinem Satz zuvor nur vier Runden auf Bestzeitjagd gegangen, am Ende hatten seine Pneus nur 20 Runden auf dem Buckel.

Nach ein paar Runden haben meine Hinterreifen komplett gegraint.
Nico Rosberg

Zum Vergleich: Bei Nico Rosberg waren es 18, bei Hamilton ebenfalls 20. Die beiden Mercedes-Piloten waren aber deutlich schneller. Massa fuhr insgesamt 26 Runden auf einem Satz Supersofts, Ricciardo 25.

Der wichtigere Reifen wird aber im Rennen wohl der Soft sein. Von Lewis Hamilton gibt es leider keine besonders relevanten Longrun-Zeiten, weil der Brite wegen Problemen am ERS-System vorzeitig Feierabend machen musste.

Vorweggenommen: Auch auf den Softs war Mercedes - diesmal nur in Person von Nico Rosberg - das bestimmende Team. Die Zeiten waren auch hier fast eine Sekunde schneller als jene der Konkurrenz. Nach 13 Runden am Stück glichen sich Rosbergs Zeiten allerdings jener der Konkurrenz an. Rosberg musste aber verschiedene Engine-Modes ausprobieren, die ihm weniger Leistung gaben, zudem wurde der Mercedes-Pilot nicht über die Änderungen informiert und passte seine Bremspunkte deshalb nicht adäquat an. Vielleicht neben dem etwas stärkerem Reifenverschleiß ebenfalls ein Grund.

Ferrari wirkt etwas stärker - Foto: Sutton

Und dahinter geht es wieder zu wie immer, mit leichten Vorteilen für Williams. Denn Bottas zeigte mit Abstand den längsten Run auf den Soft-Reifen. Insgesamt legte der Finne 33 Runden auf den härteren Pneus zurück. Bei Sebastian Vettel ist die Performance nicht ganz so ermutigend: Seine Rundenzeiten stiegen gegen Ende des Runs, insgesamt fuhr er nur 25 Runden auf dem selben Satz. Alonsos Zeiten sehen auf dem ersten Blick ganz ordentlich aus. Allerdings fuhr der Spanier mit den frischesten Reifen. Er legte die Pneus nach insgesamt 23 Runden ab.

Fazit: Mercedes ist vorne, das ist klar. Der Reifenverschleiß bei den Silberpfeilen sieht allerdings etwas höher aus als bei der Konkurrenz. Hembery rechnet aber damit, dass diese Probleme über Nacht behoben werden können, zudem könnten höhere Temperaturen dafür sorgen, dass das Graining weniger wird. Dahinter ist es knapp wie immer: Ferrari sieht etwas besser aus, als noch zuletzt. Williams wirkt erneut stark - allerdings ist der Red Bull Ring vorerst die letzte Strecke, die dem Williams mit der Charakteristik so entgegenkommt. Force India könnte bei einem Zwei-Stopp-Rennen wieder mit einem Stopp weniger überraschen.


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