Formel 1 - Massa: Perez wie der alte Grosjean

Sollte ein Rennen pausieren

Felipe Massa ist noch immer auf 180: Sergio Perez sollte für den Unfall beim Kanada GP härter bestraft werden.
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Motorsport-Magazin.com - Felipe Massa hätte beim Kanada GP auf dem Podium stehen können, auch der Sieg wäre möglich gewesen. Doch eine Runde vor dem Ende des Rennens musste sich der Brasilianer aus seinem völlig zerstörten Williams hieven, statt auf dem Podium Champagner zu verspritzen. Beim Versuch, Sergio Perez zu überholen, kam es zur Kollision, die für beide Piloten das Ende bedeutete.

Perez wurde später von den Stewards bestraft, er muss in der Startaufstellung in Österreich fünf Plätze nach hinten. Doch die Meinungen über den Hauptschuldigen gehen noch immer auseinander. Die FIA hat deshalb angekündigt, den Vorfall noch einmal untersuchen zu wollen. Für Felipe Massa ist die Sachlage freilich klar.

"Ich war in seinem Windschatten, habe DRS genutzt und er ist rechts geblieben, hat also nicht die Spur gewechselt. Also war es die einzige Möglichkeit, links an ihm vorbeizugehen", schildert er den Unfallhergang noch einmal. "Auch wenn alle sagen, dass man da nicht überholen kann: Alonso habe ich dort rechts überholt - aber nur, weil er nach links gezogen ist! Als ich nach links gefahren bin, ist Perez auch nach links - aber eben nach mir! Und dann hat er mein Auto getroffen."

Spur gewechselt oder nicht?

Das Regelwerk ist hier eindeutig: Während der Bremsphase darf ein Pilot nicht die Spur wechseln. Schon in der Vergangenheit wurde Perez für genau diese Fahrweise von mehreren Piloten kritisiert. Doch in Kanada ist es etwas komplizierter, weil die Zufahrt auf die erste Kurve einen Rechtsknick macht, die Fahrer also nicht gerade auf die Kurve zufahren. Perez ist aber nicht nach rechts gefahren, sondern geradeaus - was für Massa in diesem Fall mit einem Spurwechsel gleichbedeutend ist.

Perez ist bekannt für solche Aktionen - Foto: Sutton

"Ich ändere meine Meinung nicht", stellt Massa fest und verleiht seiner Aussage noch etwas Nachdruck: "Wenn man die Regeln kennt, dann ist das so - und das kommt von der FIA." Der Beschuldigte sieht das naturgemäß anders. "Felipe ist ein guter Kerl, er hat seine Meinung, ich meine - und die ist offensichtlich anders", so Perez. "Wir können beweisen, dass ich keinen Fehler gemacht habe."

Er musste dann ein Rennen wegen eines Unfalls in Spa aussetzen. Er hat daraus gelernt.
Massa über Grosjean

Doch Massa ist so von seiner Unschuld überzeugt, dass er sogar noch eine härtere Bestrafung für den Mexikaner fordert. "Wir haben gesehen, dass ein anderer Fahrer in der Vergangenheit eine Menge Probleme hatte", spielt er auf Romain Grosjean an. "Er musste dann ein Rennen wegen eines Unfalls in Spa aussetzen. Er hat daraus gelernt."

Glücklicherweise kamen alle Beteiligten mit dem Schrecken davon. Am nächsten Tag hatte Massa zwar mit Nacken- und Rückenschmerzen die üblichen Symptome nach einem solchen Unfall, mehr ist aber nicht passiert. Bei den Bildern grenzt das an ein Wunder. Haarscharf verfehlte der manövrierunfähige Williams Weltmeister Sebastian Vettel.

Perez haut ab

Ein weiterer Grund für Massa, weshalb die Strafe zu milde ausgefallen ist: "Wenn Sebastian etwas weiter in der Kurve gewesen wäre, dann wäre er verletzt worden. Deshalb sind fünf Plätze für mich sehr wenig, das ist nicht genug." Das Gespräch mit Perez habe Massa schon gesucht, doch der zeigte sich uneinsichtig. "Er ist einfach weggegangen!"

Noch einmal will er das Gespräch nicht suchen. "Ich habe mit ihm und mit niemandem ein Problem, aber ich habe nichts falsch gemacht. Er hat etwas falsch gemacht und das war für alle gefährlich. Ich werde nicht zu ihm gehen." Perez zeigte sich zumindest ein wenig kompromissbereiter: " Vielleicht sollten wir uns zusammensetzen, um über den Unfall in Kanada zu sprechen. Vielleicht haben wir morgen die Gelegenheit dazu."

Massa nimmt Danners Ratschlag an

Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner hatte Massa dafür kritisiert, nicht ausreichend Platz gelassen zu haben - vor allem bei einem Fahrer wie Perez sei das aber nötig gewesen. Der Williams-Pilot scheint den Ratschlag angenommen zu haben.

"In Zukunft würde ich mir das dreimal überlegen. Ich habe geglaubt, dass er die Spur nicht wechselt, ich habe ihm vertraut. Aber man kann ihm nicht vertrauen! Wenn jemand so viele Strafen erhält, wenn jemand so viele Probleme verursacht, dann kann man ihm nicht vertrauen. Ich werde ihm im Auto definitiv nicht mehr trauen." Eine Kapitulationserklärung soll das aber nicht sein. "Ich werde schon versuchen, ihn zu überholen, aber dann werde ich dreimal überlegen."


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