Formel 1 - Mercedes: Probleme auf den Supersofts

Der Feind im eigenen Haus - oder auch Ferrari?

Überraschung am Freitag: Der Mercedes-Vorsprung war nicht so astronomisch groß wie zuvor angenommen. Das Problem: Die Supersofts.
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Motorsport-Magazin.com - Nachdem Fernando Alonso am Vormittag die Montreal-Mercedes-Party mit der Bestzeit im ersten Freien Training zum Großen Preis von Kanada etwas sprengte, stellten Lewis Hamilton und Nico Rosberg am Nachmittag die gewohnte Reihenfolge wieder her. Der Brite setzte die Bestzeit, knapp zwei Zehntelsekunden dahinter reihte sich der WM-Führende ein.

Doch der Abstand auf die ersten nicht-Mercedes-Piloten war kleiner, als zunächst angenommen. Sebastian Vettel fehlte etwas weniger als eine halbe Sekunde, Kimi Räikkönen und Alonso reihten sich rund eine weitere Zehntelsekunde dahinter ein. Weil der Circuit Gilles Villeneuve vor allem den Motoren alles abverlangt, sollten die Mercedes-befeuerten Teams eigentlich klar im Vorteil sein.

Lewis Hamilton war Tagesschnellster - Foto: Sutton

Da sind knapp fünf Zehntelsekunden Vorsprung auf die Konkurrenz bei Mercedes schon fast enttäuschend. "Eine Runde ist hier relativ kurz, weshalb das Feld enger zusammenliegt", relativiert Motorsportchef Toto Wolff. Zudem sorgt die weichere Reifenmischung dafür, dass die Abstände an der Spitze etwas geringer sind. Die Mercedes-Piloten fuhren mit den Supersofts nur eine halbe Sekunde schneller als mit den Softs.

Die Rundenzeiten damit fielen nicht so aus, wie wir es erwartet hatten.
Paddy Lowe

Die Konkurrenz konnte den Grip-Vorteil besser nutzen. "Das Auto funktionierte gut, obgleich wir kleinere Schwierigkeiten mit dem Option-Reifen zu haben schienen. Die Rundenzeiten damit fielen nicht so aus, wie wir es erwartet hatten", musste auch Paddy Lowe erkennen. "Das könnte im Qualifying zu einigen interessanten Strategien führen", so Lowe weiter.

Weil der Performance-Unterschied zwischen den beiden Reifenmischungen bei Mercedes nicht besonders groß ist, ist es zumindest eine Überlegung wert, im letzten Qualifikationssegment auf den härteren Reifen zu fahren. Für Mercedes könnte es trotzdem noch für die erste Startreihe reichen. Der Vorteil: Hamilton und Rosberg müssten dann auf Soft ins Rennen gehen und könnten erst im letzten Stint auf die superweichen Reifen wechseln. Die Frage ist, welche Strategie schneller ist. Bei Mercedes gibt es diesbezüglich noch Klärungsbedarf. "Wir müssen analysieren, wie wir im Rennen mit dem Graining der Option-Mischung umgehen müssen", so Wolff.

Obwohl der Vorsprung auf die Konkurrenz noch immer groß ist, schreibt Mercedes die Gegner aber noch nicht ab. Den engsten Verfolger hat Lewis Hamilton schon ausgemacht: "Es sah heute so aus, als ob Ferrari recht nah an uns dran wäre." Toto Wolff stimmt zu: "Es macht den Anschein, dass Ferrari uns hier an diesem Wochenende mehr unter Druck setzen könnte. Jedes Detail muss stimmen, damit wir im Rennen unser volles Potential ausschöpfen können."

Rosberg tüftelt an Bremsen

Rosberg spulte am Freitag 71 Runden ab und konnte sich mit der Balance des F1 W05 Hybrid anfreunden. Einziges Problem sind weiterhin die Bremsen: "Am Vormittag haben wir an verschiedenen Aspekten der Bremsen gearbeitet. Das hat leider nicht ganz funktioniert, weshalb wir es am Nachmittag wieder ändern mussten." Das Zurückrüsten zahlte sich aus, der WM-Führende war in der zweiten Session mit seinen Bremsen zufrieden.

Das Mercedes-Duell setzt sich in Kanada fort - Foto: Sutton

Vollkommen zufrieden kann er aber nicht sein, schließlich war Teamkollege Hamilton schneller. "Deshalb werde ich heute Nacht gemeinsam mit unseren Ingenieuren hart arbeiten, um noch ein bisschen mehr Pace aus dem Auto herauszuholen", gibt sich Rosberg kämpferisch.

Hamiltons Aufgabe sieht genau andersrum aus, er muss den Abstand halten. "Auch Nico sah heute schnell aus", konstatierte der Brite." Ganz zufrieden war auch er nicht mit seinem Boliden: "Man versucht stets, das Limit zu finden und wir sind noch nicht ganz da, wo wir sein möchten."


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