Formel 1 - Kommentar: Marussia ist in der F1 angekommen

Das Ende einer Durstrecke

Marussia zählt nach fünf Jahren des Geldverbrennens nun auch zum erlesenen Zirkel der punktenden Teams.
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Motorsport-Magazin.com - Es wäre nur allzu typisch gewesen, wäre Jules Bianchi in Monaco als Zehnter ins Ziel gekommen, hätte aufgrund einer Zeitstrafe aber dennoch keine Punkte gemacht. Dank einer Kollision zwischen Kevin Magnussen und Kimi Räikkönen konnte dieses Schreckensszenario jedoch abgewendet werden und für Marussia gab es endlich die ersten Zähler in der Königsklasse zu bejubeln.

Bianchi erlöste Marussia - Foto: Sutton

Langes Warten

Nicht weniger als 1.533 Tage waren zwischen dem ersten Start des Teams beim Großen Preis von Bahrain im Jahre 2010 und Bianchis Fahrt auf Platz neun im Fürstentum vergangenen. Damals, bei der Premiere in Sakhir, hieß der Rennstall noch Virgin, war im Besitz von Richard Branson und Timo Glock sollte den Entwicklungshelfer spielen.

Drei Jahre hielt Glock durch, dann gingen er und das Team getrennte Wege - Marussia konnte den Deutschen einfach nicht mehr bezahlen, musste auf Paydriver setzen. Rund 170 Millionen Euro Verlust soll der britische Rennstall seit dem Einstieg in die Formel 1 eingeschrieben haben - eine stattliche Summe für bis zum gestrigen Tage keinerlei zählbare Erfolge.

Virgin startete 2010 erstmals in der F1. Am Steuer: Timo Glock und Lucas di Grassi - Foto: Virgin

Große Genugtuung

Doch nun ist Marussia wirklich in der Königsklasse angekommen und in den erlesenen Zirkel jener Teams aufgestiegen, die auf ein gefülltes Punktekonto verweisen können. Und diese Punkte könnten bares Geld wert sein, denn die Chance, zumindest Caterham in der Konstrukteurs-Wertung hinter sich zu halten, sind nun immens groß. Und sollte es bei Sauber weiterkriseln, liegt sogar der neunte Platz nicht außer Reichweite.

Olivier Panis gewann 1996 mit Ligier völlig überraschend in Monaco - Foto: Sutton

Geht es nach Monaco, sprechen die Nachzüglerteams stets von der größten Chance auf Erfolge, schließlich ereigneten sich im Leitplankendschungel des Fürstentums schon einige kuriose Grands Prix - man denke etwa an Olivier Panis' Sieg 1996 in einem gnadenlosen Ausscheidungsrennen. Doch nicht nur im Vorfeld von der Sensation zu sprechen, sondern diese auch in die Tat umzusetzen, darin liegt die große Kunst.

Marussia ist dies gelungen, was nicht zuletzt ein Verdienst der Personalpolitik ist. Zum ersten Mal vertraute man auf dieselbe Fahrerpaarung wie im Vorjahr und ließ erneut Bianchi sowie Max Chilton ans Steuer. Dass der Franzose mit Ferrari-Hintergrund nun von einem Aufstieg in ein besseres Team träumt, ist legitim, denn bei aller Euphorie, ein beständiger Kandidat für Spitzenplätze wird Marussia auch in Zukunft nicht sein.

Aber diese zwei Punkte, die Marussia vermutlich viel mehr bedeuten als Mercedes der nächste Doppelsieg, kann ihnen niemand mehr nehmen. Gerade nach den Schmähungen der letzten Jahre, nicht zuletzt durch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone höchstpersönlich, ist die Genugtuung wohl grenzenlos.

Bianchi testete mehrfach für Ferrari. Kehrt er als Stammpilot zurück? - Foto: Sutton

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