Formel 1 - Kolumne - Pro und Contra

Freifahrtschein oder im Sinne des Sports?

Nico Rosbergs Ausrutscher im Qualifying von Monaco blieb für ihn ohne Folge. Die richtige Entscheidung?
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Pro: In dubio pro reo

Ob Nico Rosbergs Ausrutscher in der Mirabeau-Kurve Absicht war oder nicht wird sich wohl nie klären lassen. Deshalb konnte das Urteil eigentlich nur zu Gunsten des Deutschen ausfallen. Die Kurve ist schwierig, der Untergrund wellig und Rosberg war im Qualifying voll am Limit, das betonte er selbst in der anschließenden Pressekonferenz. Da kann so ein Fehler passieren. Hat Rosberg vielleicht nicht alles versucht, diesen Ausritt zu verhindern? Möglich, doch kann man ihm daraus wirklich einen Strick drehen? Eigentlich nicht.

Nico Rosberg könnte seinen Vorjahressieg wiederholen - Foto: Sutton

Außerdem ist jede vermiedene Strafversetzung oder nachträgliche Ergebnisänderung zu begrüßen. Nichts macht den Sport undurchsichtiger und für den Zuseher unattraktiver, als Entscheidungen abseits der Rennstrecke. Pole-Position-Aberkennungen um 22 Uhr a la DTM sind das letzte, das die Formel 1 in ihrer aktuell komplizierten Situation braucht. Schon so reißt die Kritik an der Künstlichkeit der Königsklasse des Motorsports kaum ab, ein externer Eingriff in das Teamduell der Silberpfeile wäre da der Super Gau.

Aus sportlicher Sicht war die Nicht-Bestrafung Rosbergs also die einzig richtige Entscheidung und so wird den Formel-1-Fans am Sonntag die nächste Episode im Krieg der Sterne geboten werden. Der Sieg wird über Mercedes führen, würde einer am Ende des Feldes und einer ganz vorne starten, könnten wir den Rennsieger wohl jetzt schon bekannt geben.

Contra: Zocken ohne Risiko im Zocker-Paradies?

Lewis Hamilton war stinksauer - Foto: Sutton

Jeder noch so kleine Fehler wird in Monaco bestraft - diesen Satz lesen wir in jeder Pressemitteilung vor dem Rennwochenende. Normalerweise stimmt das auch, bei Rosberg aber nicht: der wird sogar für den Fehler belohnt.

Absicht will ich Nico Rosberg nicht unterstellen, doch hier sollte anders an die Sache herangegangen werden. Q3 läuft eigentlich überall identisch ab: Wer noch genügend Reifen zur Verfügung hat, der fährt im letzten Qualifikations-Segment zwei Runs. Irgendjemand hat nach dem ersten Run immer die Nase vorne.

Und dieser jemand - wer auch immer es sein mag - kann im zweiten Versuch mehr riskieren als alle anderen. Fliegt er ab, ist die Strecke hinter ihm dicht, niemand kann sich verbessern. Solange er sich dabei nicht Power-Unit-Einheiten oder Getriebe beschädigt, passiert dem (zu) risikoreichen Fahrer nichts.

Zu Ende gedacht bedeutet das: Wer in Monaco den ersten Versuch für sich entscheidet, der hat die Pole - und höchstwahrscheinlich auch den Sieg. Er braucht nur noch vor seinen Konkurrenten auf die finale Zeitenjagd gehen. Er kann ja mehr riskieren als alle anderen. Kommt er durch, verbessert er seine Bestzeit wahrscheinlich nochmal, nirgends zahlt sich Risiko mehr aus als in Monaco. Bleibt er hängen, bleiben alle hängen.

Uneingeschränktes Risiko also als Pole-Garantie? Im Casino von Monaco geht diese Taktik vermutlich nicht auf. Und dann sollte sie das auch in der Formel 1 nicht tun.


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