Formel 1 - Monaco GP: Die sieben Schlüsselfaktoren

Wenn es Nacht wird in Monaco...

...ärgert sich Lewis Hamilton immer noch über Platz zwei, während Regentänze der Hinterbänkler erfolglos bleiben.
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1. - S wie Startaufstellung

Was tut man nicht alles, um in Monaco auf der Pole Position zu stehen. Immerhin hat in den letzten zehn Jahren neun Mal der Fahrer gewonnen, der vom ersten Startplatz ins Rennen gehen durfte. Das weiß auch Nico Rosberg ganz genau, immerhin ist er 2013 von der Pole losgefahren und durfte wenig später seinen zweiten Sieg in der Formel 1 bejubeln. Im Jahr zuvor startete er nur von Platz zwei - und kam das ganze Rennen über nicht an Pole-Mann Mark Webber vorbei.

Auf Platz zwei steht in diesem Jahr Lewis Hamilton - mit einer ordentliche Portion Wut im Bauch. In den folgenden zwei Startreihen sortieren sich Red Bull und Ferrari ebenso ordentlich wie Mercedes an der Spitze. Alles, was dahinter kommt, wird für den Rennsieg aller Voraussicht nach keine Rolle spielen, denn in Monaco ist das Überholen immer noch mehr als schwierig. "Rosberg wird mit dieser Tatsache leben können. Dahinter ist es schon frustrierender, genau das hat das Qualifying sehr wichtig gemacht", sagt Kevin Magnussen, der hinter Jean-Eric Vergne als Achter starten wird.

2. - S wie Start

Der Sprint zur ersten Kurve ist auf keiner anderen Strecke so wichtig und so gefährlich wie in Monaco. Das weiß auch Nico Rosberg, bei dem der Start zuletzt nicht immer perfekt klappte. "Das ist eine kleine Sorge, es war eine Schwäche. Aber wir haben viel daran gearbeitet und ich glaube, dass wir jetzt gut sind. Wir haben Fortschritte gemacht", zeigt sich Rosberg zuversichtlich. Und wenn sein Teamkollege Lewis Hamilton genau so gut oder genau so schlecht in Richtung St. Devote beschleunigt, gibt es für Verfolger aus der zweiten Startreihe ohnehin keine Chance.

Der Start ist in Monaco besonders kritisch - Foto: Sutton

Die Start-Ziel-Gerade, die eigentlich eine Kurve ist, ist nämlich so eng, dass es spätestens mit drei nebeneinander fahrenden Autos mehr als kritisch wird - davon können einige der aktuellen Fahrer ein Liedchen singen, zum Beispiel Romain Grosjean. Trotzdem hört man bei allen Teams: "Vielleicht können wir am Start eine Position gewinnen." Das kann ja heiter werden...

3. - S wie Setup

Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren spielt der Anpressdruck in Monaco keine so gewichtige Rolle mehr. Die Kurvengeschwindigkeiten wurden reduziert, dafür sind die Fahrer damit beschäftigt, das Drehmoment irgendwie auf die Straße zu bringen. "Schnelle Kurven, die gibt es hier gar nicht", sagte zum Beispiel McLaren-Renndirektor Eric Boullier. Da es gleichzeitig aber ebenso wenig lange Gerade gibt, fahren die Teams trotzdem mit voller Flügel-Garnitur.

Wichtig ist ein Setup, mit dem man die Reifen innerhalb von kurzer Zeit zum Arbeiten bringt. Beim Start und während der ersten Runden nach dem Boxenstopp muss das Auto sofort funktionieren, um einen unnötigen Zeitverlust zu verhindern. Das Hauptaugenmerk liegt dabei besonders auf den Vorderreifen, die in den langsamen Kurven kaum auf Temperatur kommen.

4. - S wie Strategie

Man muss kein Hellseher sein, um die Strategie der Teams zu erahnen. Obwohl man rein rechnerisch mit zwei Stopps schneller unterwegs wäre, wird genau das kaum jemand wagen. "Zwei Stopps wären um elf Sekunden schneller - das ist relativ wenig, wenn man aus der Box fährt und jemanden vor sich hat, sind diese elf Sekunden schnell weg", meint Niki Lauda zur Strategie.

Sämtliche Top-Teams werden auf einen Stopp setzen - Foto: Sutton

"Im Rennen ist ein Stopp die bessere Wahl", weiß auch Jenson Button. "Zudem muss man so früh stoppen, wie irgendwie möglich." Nur so kann man sich auf den frischen Reifen einige Sekunden herausfahren und möglichen Gefahren, wie etwa einer Safety-Car-Phase, aus dem Weg gehen. Gleichzeitig gilt es zu verhindern, im Verkehr zu landen - hier sind die Teams an der Boxenmauer gefragt.

5. - S wie Spannung

Eine überholunfreundliche Strecke und noch dazu eine Ein-Stopp-Strategie, das spricht nicht unbedingt für ein spannendes Rennen. "Da die Reifen so hart sind, wird es ein langweiliges Rennen. Man wird einfach ein D-Zug-Ticket ziehen und gucken, dass man sein Auto heile hält", spekuliert Nico Hülkenberg, der aus dem Mittelfeld in das Rennen gehen wird.

Spannend wird es eigentlich erst, wenn das Safety-Car auf die Strecke kommt und das Feld kurz zuvor durch Boxenstopps durcheinander gewürfelt wurde. 2013 kam Bernd Mayländer gleich drei Mal zum Einsatz, 2012 und 2010 sogar direkt in der ersten Runde. Die Wahrscheinlichkeit für einen Einsatz des Safety-Cars liegt bei 80 Prozent. Einen Vorgeschmack lieferte die GP2 am Freitag - und dort hat auch die Formel 1 zugeschaut: "Ich weiß nicht, ob es ein Chaos-Rennen wird, aber in der GP2 gab es zum Beispiel drei Mal Safety-Car, eine rote Flagge und so weiter", blickt Lotus-Teamchef Gerard Lopez auf den Nachwuchs.

6. - S wie Strecke

In Monaco kennt sich ein Großteil der Piloten bestens aus, denn sie sind nicht nur einmal im Jahr auf den Straßen des Fürstentums unterwegs. "Monaco ist der Ort, an dem ich aufgewachsen bin und an dem ich jetzt lebe", darf zum Beispiel Nico Rosberg behaupten, der den Grand Prix im vergangenen Jahr gewann.

Freie Fahrt ist in Monaco ein Luxus-Gut - Foto: Sutton

Nicht nur Fahrern ist die Piste an der Cote d'Azur bestens bekannt, auch eingefleischte Fans kennen jede Kurve und Bodenwelle bereits auswendig, schließlich ist der Monaco GP mit nahezu unverändertem Layout bereits seit 1955 fester Bestandteil des Rennkalenders. Etwa 62 Mal pro Runde wird geschalten, was über die Renndistanz von 78 Runden knapp 5000 Schaltvorgänge ergibt. Auch wenn auf keiner anderen Strecke die Durchschnittsgeschwindigkeit geringer ist, so verglich Nelson Piquet Formel 1 fahren in Monaco nicht unzutreffend mit 'Hubschrauber fliegen im Wohnzimmer'.

7. - S wie Sonntagswetter

Der von vielen für den Rennsonntag erwartete Regen scheint sich mittlerweile verdrückt zu haben. Je nach Wetterdienst liegt die Regenwahrscheinlichkeit am Nachmittag nur noch zwischen 10 und 30 Prozent. Erst in den Abendstunden darf man ziemlich sicher davon ausgehen, dass es zu Regnen beginnt. Das dürfte dann aber höchstens das siegreiche Team bei den Feierlichkeiten stören. Für das Rennen stellen sich Fahrer, Teams und Zuschauer auf Sonnenschein und einige Wolken ein.

Auch wenn sich ein mancher Fahrer Chaos und Regen wünscht, ist eine trockene Piste aus Sicherheitsgründen deutlich vorteilhafter. So hält sich die bei Regen aufgewirbelte Gischt besonders hartnäckig zwischen den Häuserschluchten Monacos. Und auch die Intermediate-Reifen, die bei leichtem Regen zum Einsatz kommen, sind für den langsame Kurs nicht gerade perfekt. "Pirelli hat nur eine Mischung - und die ist für Monaco einfach zu hart", sagt Jenson Button.


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