Formel 1 - Laufen der F1 die Zuschauer davon?

Sinkende Quoten geben zu denken

Bei Alain Prost und Paul Hembery schrillen die Alarmglocken: Ist die Formel 1 kein Publikumsmagnet mehr? Wie kann man diesen Trend umkehren?
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Motorsport-Magazin.com - Wird die Formel 1 ihrem Status als Königsklasse des Motorsports noch gerecht? Diese Frage machte auch in Monte Carlo die Runde unter den prominenten Zaungästen. "Wir hatten bereits in den letzten beiden Jahren einen Abfall der Zuschauerzahlen. Das bedeutet, dass die Fans vielleicht nicht mögen, was die Formel 1 aktuell im Vergleich zur Vergangenheit ist", kritisierte Alain Prost in Monaco.

"Auf der anderen Seite ist es uns nicht gelungen, neues und junges Publikum zu gewinnen. Vielleicht ist es schwieriger ihnen die Sache zu erklären. Damals in der ersten Trubo-Ära hatten wir jedes Jahr neue Technologien und die Leute begeisterten sich dafür", erklärte der Franzose.

Wir haben einen großen Abfall im europäischen Kernmarkt.
Paul Hembery

Pirellis Motorsportchef Paul Hembery konnte nur beipflichten: "Wir haben einen großen Abfall im europäischen Kernmarkt, das sieht man über einen langen Zeitraum und nicht nur über einige Monate hinweg."

Sound-Debatte nur die Spitze des Eisbergs

Debatten wie etwa jene über den neuen Sound, der vielen Fans nicht mehr kernig genug ist, seien aber nur die Spitze des Eisbergs. Das Problem würde viel tiefer begraben liegen. Ist die Formel 1 zu kompliziert für den herkömmlichen TV-Zusher geworden?

Würde ich die F1 nicht so gut kennen, wäre ich mir nicht so sicher, ob ich sie mir im TV ansehen möchte.
Alain Prost

Selbst der eingefleischte F1-Fan Prost geriet bei dieser Frage ins Grübeln: "Ich habe zuletzt das Rennen kommentiert und kenne die Formel 1. Mit all den Informationen, wie etwa Zwischenzeiten, findet man ein Rennen interessant. Aber würde ich die F1 nicht so gut kennen, wäre ich mir nicht so sicher, ob ich sie mir im TV ansehen möchte."

Zudem habe sich auch das Verhalten der TV-Zuseher in den letzten Jahren rasant verändert. Neue Technologien wie leistungsfähige Smartphones oder Tablet-PCs werden immer wichtiger, auch als zusätzliche Infoquellen zur TV-Übertragung.

Nicht gewappnet für das 21. Jahrhundert?

"Wir haben einige Studien, die besagen, dass sehr viel mehr auf dem iPad geschaut wird. Das ist ein Weg, den viele Leute gehen und die ganze Welt ändert sich, nicht nur die F1. Es ändert sich die ganze Art, wie Leute ihrem Sport folgen, und wie sie ihre Unterhaltung konsumieren", sagte Hembery.

Die Zahlen in diesem Jahr sind etwas enttäuschend, darüber gibt es keine Zweifel.
Paul Hembery

Gerade bei der digitalen Aufbereitung ihrer Inhalte hinkt die Formel 1 anderen Sportarten allerdings meilenweit hinterher. Allzu sehr Schwarzmalen wollte Hembery allerdings nicht: "Die Zahlen in diesem Jahr sind etwas enttäuschend, darüber gibt es keine Zweifel. Das rührt aber sich auch noch von einer Saison her, die von einem Auto und einem Fahrer dominiert wurde, der das vierte Mal in Folge gewann."

Auch Prost sieht durchaus Wege, den Sport wieder populärer zu machen und würde auch vor gravierenden Änderungen des Reglements nicht zurückschrecken. "Es gibt viele Regeln und Beschränkungen, das gefällt mir nicht und geht zu weit. Beispiel Reifen: Es wäre besser zwei oder drei Hersteller zu haben, weil das Wettbewerb bedeutet. Und warum muss man die Reifennutzung so einschränken? Man sollte mit den Reifen aus dem Qualifying starten und dann freie Wahl haben", fragte Prost.

"Sitzen alle in einem Boot"

In der Saison 2014 bedarf es also einer Operation am offenen Herzen des Patienten Formel 1. "Im Februar haben wir darüber gesprochen, ob in Melbourne kein Auto ins Ziel kommen könnte. Zwei Rennen später hatten wir eine Zuverlässigkeit wie im letzten Jahr. Man sieht, dass sich die Dinge schnell ändern und ich denke noch immer, dass diese Änderung für die Formel 1 wichtig war, aber es noch kein voller Erfolg war", so der Franzose.

Abschließend hatte Prost noch einen guten Ratschlag für all diejenigen, die ihre eigenen Interessen über jene des kriselnden Sport an sich stellen: "Wir sitzen alle in einem Boot und müssen schauen, dass es funktioniert."


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