Formel 1 - Wolff: Kein Lautsprecher-Auspuff

Alle Teams müssen zustimmen

Hat die Formel 1 nun ein Sound-Problem oder nicht? Toto Wolff ist sich nicht sicher. Trotzdem wird ein neuer Auspuff getestet - ohne Lautsprecher.
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Motorsport-Magazin.com - Noch immer ist die Formel 1 noch nicht zur Ruhe gekommen. Wobei , zur Ruhe gekommen ist die Formel 1 schon, aber die Diskussionen reißen eben nicht ab: Ist die neue Turbo-Formel zu leise oder nicht? Seit Saisonstart werden von Fans, Fahrern und Verantwortlichen emotionale Debatten für das Sound-Problem geführt.

Den meisten sind die neuen Turbo-Motoren einfach nicht laut genug. Toto Wolff ist sich bei diesem Thema noch nicht ganz im Klaren: "Ich hatte am Freitag ein Gespräch mit einem Formel-1-Insider. Wir haben uns die GP3 angesehen und die Autos waren viel lauter als die Formel-1-Boliden. Ich habe gesagt: 'Ist es das, was wir wollen?' Und er meinte: 'Ja! Bisher konnte ich meine Familie nicht zur Formel 1 mitnehmen, jetzt schon."

In der Vergangenheit sorgten noch zwei Auspuffendrohre für Krawall - Foto: Sutton

Der Österreicher geht sogar einen Schritt weiter und zweifelt die Philosophie bei den Straßensportwagen an: "In der Vergangenheit haben alle gesagt, dass die Formel 1 laut und spektakulär sein muss. Deshalb sind wir hier und bauen zum Beispiel laute AMG-Straßenautos, weil das spektakulär klingt und Power vermittelt. Das ändert sich jetzt vielleicht. Vielleicht werden in der Zukunft die stärksten Autos nicht mehr die lautesten sein und es geht mehr um Technologie?

Doch unabhängig vom eigenen Empfinden will sich Wolff nach den Fans richten. Und die wollen offenbar den Lärm. Das scheint nun auch oben angekommen zu sein. Mercedes entwickelte bereits einen Auspuff, der den Klang spürbar ändern soll. "Wir wurden von der FIA und Bernie darum gebeten, dieses Gerät an unser Auto zu bringen und zu sehen, ob es funktioniert. Für uns ist klar: Wenn die Fans lautere Autos wollen und die Wagen dadurch positiver wahrnehmen, werden wir für mehr Lärm sein", so Wolff.

Der Auspuff könnte etwas größer werden - Foto: Sutton

Die Frage, wie die Formel 1 lauter gemacht werden kann, ohne dabei große Änderungen vorzunehmen, die auch die Konkurrenzfähigkeit beeinflussen könnten, ist gar nicht so einfach. Höhere Drehzahlen würde mehr Benzindurchfluss nach sich ziehen, was de facto das gesamte Motoren-Reglement ändern würde. Ob die Autos dann merklich lauter wären, wagen auch einige Experten zu bezweifeln.

So kam Mercedes nach Tests zu der profanen Lösung, den Auspuff wie ein Megaphon zu gestalten. Das Auspuffendrohr vergrößert einfach den Durchmesser nach hinten - wie eine Trompete. "Auf dem Prüfstand ist es doppelt so laut, jetzt müssen wir hören, wie es auf der Strecke sein wird", sagte Nico Rosberg gegenüber Motorsport-Magazin.com.

"Wir reden hier nicht von einem Lautsprecher am Heck der Autos, sondern um eine Änderung am Auspuff, wie man es von Straßenfahrzeugen kennt", stellt Wolff noch einmal klar. Dabei hat der Österreicher nicht ganz recht. In der Serie setzen bereits einige Hersteller Lautsprecher am Endschalldämpfer ein, um - vor allem bei Diesel-Fahrzeugen - ungewollte Geräusche mit etwas schöner klingenden zu übertönen.

Fragezeichen hinter Einführung

Schon bei den anschließenden Testfahrten in Barcelona will Mercedes den neuen Auspuff testen. "Wir sind das Team, das jetzt schon eine Lösung ausprobiert", freut sich Rosberg. Darüber freuen sich aber nicht alle. Wie gewöhnlich in der Formel 1 wird alles, was die Konkurrenz macht, kritisch hinterfragt. Gutmenschen kann es in der Formel 1 doch gar nicht geben.

Wenn wirklich nur das gemacht wird, was angekündigt ist, dann ist das okay.
Dr. Helmut Marko

"Das wurde auf dem Prüfstand getestet und hat nachweislich keinen Einfluss auf die Leistung des Motors", beschwichtigte Niki Lauda bei der Bild. Sogar von Dr. Helmut Marko gibt es Rückendeckung für Mercedes: "Wenn wirklich nur das gemacht wird, was angekündigt ist, dann ist das okay. Dann ist das im Sinne der Formel 1."

Doch der 'Gefällt-mir-Button' von Red Bulls Motorsportberater reicht nicht aus. Alle Teams müssen bei einem Meeting - sollte der Auspuff erfolgreich getestet werden - der Änderung zustimmen. Und genau da könnte der Hund begraben liegen, wie auch Toto Wolff weiß: "Es ist nicht oft der Fall, dass es in diesem Paddock eine einstimmige Entscheidung gibt, es könnte also interessant werden."


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